Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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— 24 — nach dem dritten Keplergehen Gesetze wie die Kubikzahlcn ihrer Entfernungen von der Sonne zu einander verhalten. Somit durchlaufen Merkur und Venus, die dem Tagesgestirn naher sind als unser Planet, ihre Bahn in kürzerer Frist als die Erde, die übrigen Planeten aber, die weiter als wir von ihm entfernt sind, in längerer Zeit. Die Folge ist, dass von der Erde aus beobachtet alle anderen Planeten bald vorwärts und bald rückwärts zu gehen, bald wieder eine Zeit lang stille zu stehen scheinen. Unsere Zeichnung soll dies dem Verstäudniss näher bringen, obgleich sie kein der Wirklichkeit entsprechendes Bild des Vorganges bietet, da die richtigen Grössenverhältr-ifcS'i. »145 auf Kosten der Anschaulichkeit wiedergegeben werden können. In Figur 4 stelle die Ellipse ACZK wiederum die Erdbahn und Bogen TU einen Theil des Thierkreises dar, PK aber eiu Stück der Bahn eines Planeten, der in derselben Ze.fc, in welcher die Erde der Reihe nach die Strecken AB, BC, CD . . . III, 1K, KL durchläuft, die mit den entsprechenden Buchstaben des kleinen Alphabets bezeichneten Streck«;zurücklegt. Während sich die Erde von A nach C und der Planet von a nach c bewegt, sehen wir denselben in der Ekliptik heute von A aus in in, einen Monat später von B aus in n und wiederum nach einen) Monat von C aus in s. Er ist also rechtläufig. Nun langt jene in D, dieser in d an,., und er erscheint uns immer noch in s, wo er mithin stationär ist. Nach einiger Zeit trifft die Erde in E, der Wa*:'1^*forn in e ein; wir sehen ihn jetzt zum zweiten Mal in n, als ob er von s zurück nach n gegangen wäre, und wenige Wochen später, nachdem sich beide inzwischen nach F bezw. f fortbewegt haben, sogar iu m, wo wir ihn bereits zu Anfang von A aus beobachtet hatten. Er ist demnach in di6sem Theil des Thierkreises, in welchem er früher rcchtläufig gewesen, jetzt wieder rückläufig und wird in m aufs Neue stationär für die Zeit,, welche die Erde braucht, um von F nach G, lind der Planet, um von f nach g zu gelangen. Von diesem Augenblicke an wird er wieder rcchtläufig, denn wir finden ihn fortan, während jene durch die Punkte II, I, K, L und dieser durch h, i, k, 1 geht, der Reihe nach in r, u, o und z. Der Mond, der dieses Schauspiel nicht bietet, vielmehr als treuer Begleiter der Erde uneutwegt vorwärts, niemals rückwärts schreitet, giebt uns dafür andere Räthsel auf, deren Losung nicht so einfach ist, weshalb die Berechnung seines Ortes zu den schwierigsten Aufgaben der Astronomie gehört. Er bewegt sich um die Erde in einer Ellipse, deren Exzentrizität im Zeitraum von nur 206 Tagen zwischen den Grenzen 0,044 und 0,066 sich hin und her bewegt, im Mittel also 0,055 beträgt. Die Apsiden, die hier Perigäum oder Erdnähe und Apogäum oder Erdferne heissen, behaupten nicht ihre Stelle iu der Mondbahn, rücken vielmehr in jedem Jahre durchschnittlich um 40,7 Grad vor, so dass sie in etwa 85/e Jahren die ganze Ellipse durchwandern. Gegen die Erdbalm ist die des Mondes unter einem Winkel von 5° 9* geneigt; aber auch das ist keine konstaute Grösse, sondern nur ein Mittelwerth, von dem der wahre bis zum Höchstbetrage von 9 Minuten nach beiden Seiten abweicht. Die Schnittlinie beider Bahnen fuhrt bei den Alten den Namen des Drachen (pn); der aufsteigende Knoten wird als dessen Kopf, der absteigende als sein Schweif bezeichnet. Gleich der Apsidenlinie ist auch der Drache in einer ewigen Wanderung begriffen, die aber etwas langsamer sich vollzieht und zur Abwechslung in umgekehrter Richtung, also gegen die Ordnung der Zeichen vor sich geht. Die Knoten weichen nämlich um durchschnittlich 19 Vs Grad im Laufeeines Jahres auf der Ekliptik zurück und vollenden daher einen Umlauf in 18,6 Jahren. Ja sogar die Axen der Mondbahn ändern verhältuissmässig schnell jhre Lage im Räume. Was nun die Umlaufszeit des Mondes betrifft, so unterscheidet man nicht weniger als fünf Arten von Monaten. Der siderische Monat oder die Zeit, die unser Trabant braucht, um wieder zu demselben Stern zurückzukehren, an dem er eben vorübergehen will, dauert 27 Tge 7 St. 43,2 Min.; der tropische Monat, während dessen er. zum Frühlingspunkt zurückkehrt, ist um 7 Sek. kürzer, weil dieser infolge der Präzession monatlich um etwa 4" zurückweicht (vgl. S. 14 f.). Der synodische Monat oder die Zeit von einem Neumond zum andern umfasst'29 T. 12 St. 44 M. 2,8 Sek. Der Dracheumonat dauert von dem Moment,. /•