Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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— 18 — bind. Das dritte Stuck ist hier der Winkel f, welcher eine gegebene Grosse ist; nur schade, dass dieselbe noch in neuester Zeit von verschiedenen Astronomen verschieden gegeben wird. Allerdings gehen die bezüglichen Angaben heute nur noch wenige Sekunden auseinander. Wegen der hohen Bedeutung, welche diesem astronomischen Element zukommt, wandte sich schon im Kindesalter der Ilinimelskunde die Aufmerksamkeit der Beobachter dem Neigungswinkel zwischen Ekliptik lind Aequator zu. Es fand ihn Tschu Kong v. 3000 Jahren -23° 54' 2" ProphatiusJudäus i.J. 1300 23° 32' 0" Pytheas - 2250 - 23 49 20 Werner - - 1514 23 28 30 Eratosthenes - 2200' - 23 51 20 Coppernicus - - 1540 23 28 8 Ilipparch - 2050 - 23 51 20 Bradley - - 1750 23 28 18 Ptolemäns - 1770 - 23 51 20 Struve für dasselbe Jahr 23 28 17,44 Almamun - 1070 - 23 35 0 Piazzi für 1800 23 27 56,3 Albattani - 1000 - 23 35 0 Peters für dasselbe Jahr 23 27 54,22 Ibn Junus - 900 - 23 36 36 Mädjer für 1870 23 27 21,5 Zarkali Mitte d. 11. Jahrhunderts 23 34 0l) Leverrier für dasselbe Jahr 23 27 24,32 Wenn wir von demErgebniss der durch Pytheas in Marseille vorgenommenen Messung absehen, das freilich unter allen aus dem Alterthum überlieferten Resultaten der Wahrheit noch am nächsten kommt, aus der spateren Zeit aber sowohl den etwas zu hoehgegriffenen Werth, den Ibn Junus, als auch den viel zu niedrig bemessenen, den^ Coppernicus für die Schiefe cjer Ekliptik gefunden hat, ausschalten und die übrigen Zahlen mit einander vergleichen, so bemerken wir eine stetige Abnahme dieses Winkels, und wenn auch die Angaben aus alter Zeit kein volles Vertrauen verdienen, so ist doch ihre Verschiedenheit nicht lediglich auf Beobachtungsfehler zurückzufuhren; solchen ist viel eher die seltsame Uebereinstimmung zwischen Eratosthenes, Ilipparch und Ptolemäus zuzuschreiben, da ja auch die Beobachtungen aus neuerer Zeit eine Annäherung zwischen Aequator und Ekliptik bestätigen. Dieselbe ist, da sie durch die Anziehung herbeigeführt wird, welche unsere Erde von den anderen Wandelsternen erfahrt, und somit von den sich verhältnissmässig schnell ändernden Entfernungen zwischen diesen und jener abhängt, keine gleichmässige, so dass wir auch hier wie bei der Präzession nur mit Durchschnittszahlen operieren können, mit denen wir uns indessen um so eher zufrieden geben dürfen, als es sich nur um minimale Differenzen handelt. Nach Laplace betrug die Annäherung (a) in der Mitte des vorigen Jahrhunderts 0,521 1428" und ihre seitherige Verzögerung (d) jährlich 0,000 014 2392so dass man für n seit 1750 verflossene Jahre na — u(u—O'/jd oder, da d sehr klein ist, rund an — Vadn2 Sekunden von dem damaligen Werthe der Schiefe in Abzug bringen müsste. Demnach würde dieser Winkel jetzt (1898) 23° 27' 1,03" messen 23° 28' 18" — 0,521 1428" X 148 + 0,000 007 1196" X 21904), im Jahre 1900 fast genau 23° 27', i. J. 2000 aber nur noch 23° 26' 8,16"; die jährliche Abnahme der Schiefe (a—ud), gegenwärtig 0,51900", würde sich mit dem Beginne des nächsten Jahrtausends auf 0,51758" beziffern und somit im Laufe des kommenden Jahrhunderts durchschnittlich 0,51829" ausmachen. Nach Bessel dagegen beträgt die Abnahme schon in unserem Jahrhundert nicht mehr als 0,48368" jährlich, wonach sich die diesjährige Schiefe, wenn wir die Angabe Leverriers zu Grunde legen, auf 23° 27* 10,78" beliefe1). Als Mittelwerth dürfte ') Bei Steinschneider (Emdes sur Zarkali S. 128) heisst es in einem Scholion, dem ein Theil dieser Daten entnommen ist, Arzahei (d. i. Zarkali) 23 54 0. Hier ist 54 vermuthlich ein Druckfehler, obgleich auch Delambro in seiner Histoire de l'astronomie du Moyen-fige unter dem Artikel Arzachel aus den Toledanischen Tafeln, dia Zarkali zum Verfasser haben, den Schluss ziehen möchte, dass er für die Schiefe einen Werth von 23 51« angenommen habe. Nach Abraham ibn Ezra (angeführt bei Steinschneider das. S. 92) hat Zarkali die Schiefe auf 23° 33' beziffert gleich Jabja ben abi Mansur, einem arab. Astronomen dc3 9. Jabrh.'s, der sie aber laut einer anderen Notiz (das. S. 87) 23° 33l/i' gefunden hat 2) Nach dem Berliner astronomischen Jahrbuche für 1898 misst dieser Winkel am 1. Januar <L J. 23* 27* 8,98*, am 1. April 0,13, am 1. Juli 0,24, am 1. Oktober 0,35 Sekunden weniger, am 31. Dezembor 23° 27' 8.60».