Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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— 16 — zessiou besteht ja eben darin, dass der Frfdilingspuukt, von dem ans die Rektaszensionen ebenso wie die Längen gemessen werden, in nahezu 26000 Jahren deu ganzen Umkreis der Ekliptik durchwandert, was zur Folge hat, dass im Laufe dieser Zeit nicht allein die grade Aufsteigung eines jeden Gestirns nach und nach gleich seiner Lange all die zahllosen zwischen 0°nud360a liegenden Werthe annimmt, sondern auch seine Abweichung um deu Betrag von rund 47° einmal vergrössert und einmal verringert wird. Dazu kommt, dass Rektaszension und Länge,, obschon von demselben Aequinoktialpunkte ausgehend und Kreisen von gleichem Umfang und demselben Zentrum angehörend, dennoch wegen deren schräger Lage zu einander durchaus nicht übereinstimmen, weshalb man — ganz abgesehen von dem Einfluss der Breite auf ihr gegenseitiges Verhältuiss — keineswegs befugt ist, ohne Weiteres den Werth der erstereu gleich dem der letzteren zu setzen, jener vielmehr aus diesem erst berechnet werden muss. Ein Beispiel F'g- <* soll später diesen Satz erläutern, den wir zunächst durch nebenstehende Figur 3 veranschaulichen wollen. Bedeutet in derselben A deu Frilhlingspunkt, AB eiuen Bogen y^^vfc der Ekliptik, AD einen solchen des Aequators, S deu Ort eines Sterns, SB einen auf o der Ekliptik und SGD einen auf dem Aequator senkrechten Himmelsbogen, so ist AB offenbar die Länge und SB die Breite des Sterns, AD aber seine grade Aufsteigung nnd SD seine Abweichung. Man sieht auf den ersten Blick, dass der Bogen AD kleiner ist als AB, dass er aber auch kleiner als AG ist, und man daher nicht einmal für einen Sternort, der wie G in der Ebene der Erdbahn selbst liegt, also gar keine Breite hat, Länge und Rektaszension als gleichwertig ansehen kann, mögen folgende Beispiele zeigen. Ist AG 10°, so ist AD — 9° 11' 20"; misst jener Bogen 30°, so misst dieser nur 27° 54' 30."; hat jener 50°, so zählt dieser nur 47° 33* 10"; ist endlich AG =.70°, so ist AD 68° 21' 35", und erst wenn AG 900 wird, hat AD denselben Werth. Aehnlich verhält es sich, wenn der Werth der Länge zwischen 180° und 270° liegt. Bewegt er sich dagegen zwischen deu Grenzen 90° und 180° oder 270° und 360°, so ist das Verhältniss umgekehrt; dann ist AG kleiner als AD. Um nun auch noch die Wirkung der Breite auf das Maass der Rektaszension zu beleuchten, wollen wir das Beispiel herausgreifen, in welchem die Länge 50° zählte. Die grade Aufsteigung betrug bei 0° Breite nur 47° 33' 10", sie sinkt aber noch,wenn der Stern bei derselben Länge eine uördli che Breite von 10°, 20°, 30° ... . hat, auf 44° 32' 36", bezw. 40° 57' 24", bezw. 36a21'0"____ herunter, erleidet also im ersten (und ebenso im vierten) Quadranten eine Verminderung (im zweiten und dritten dagegen eine Vergrösserung), die mit der zunehmenden Breite wächst; hat der Stern dagegen bei der angegebenen Länge eine südliche Breite von 10°, 20°, 30° . . . ., so steigt seine Rektaszension auf 50° 33' 44", bezw. 54° 8' 56", bezw. 58° 45' 20" . . . .,. erfahrt also durch die Breite im ersten Quadranten eine Vergrösserung, die ebenso im vierten zu Tage tritt, im zweiten und dritten aber in eine Verringerung umschlägt. Was endlich das Verhältniss der Abweichung zur Breite betrifft, so sind dieselben nur dann einander gleich (beide nämlich 0) wenn das Gestirn in einem der Aequinoktialpunkte steht, sonst ist jene im ersten und zweiten Quadranten stets grösser, im dritten und vierten aber kleiner als diese.1) Bei einer Länge von 50" hat z. B. ein Stern von 0" Breite 17° 45,5' "Öeklination, ein solcher von 10°, 20°, 30°----nördl. Breite eine positive Abweichung von 27° 21,3 bezw. 36° 53,0', bezw. 46° 16, 7' ... . Man sieht, dass die Deklinationen nicht in demselben Maasse zunehmen wie die Breiten, ja nicht einmal in demselben Verhältniss. >) Bei südl. Breite könuto es scheinen, als ob das Umgekehrte stattfände. Da nämlich der Aequator in» ersten und zweiten Quadranten im Süden der Ekliptik liegt, so miisste doch der Stern von dieser weiter abstehen als von jenem. Dos ist auch thatsächlich der Fall. Man darf aber nicht vergessen, - dass die südl. Breiten und Abweichungen als negativ bezeichnet werden, und dass z. B. -1 grösser ist als - 2. Steht der Stern zwischen Aequator und Ekliptik, so dass er z. B. 12° südl. Breite und 5° positive Deklination hat, so ist zwar 12 grösser als 5, aber —12 um 17 kleiner als + 5.