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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1898-01-01 · 16.1898 · page 17

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
16.1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273577--0594-2274365
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— 14 — bei welcher die Koordiuateu unmittelbar von der Kreistheilung abgelesen werden, als vielmehr der relativen, bei welcher der Abstand des zu bestimmenden Steruortes von einem benachbarten, gleichfalls im Gesichtsfelde des Fernrohres befindlichen Stern, dessen Lage sei es zur Ekliptik, sei es zum Aequator schon bekannt ist, mittels Mikrometer gemessen wird. Daher kommt es, dass während die Ringkugel der Alten noch heute — allerdings in einer Gestalt, die kaum noch die Abstammung verräth — auf den Observatorien heimisch ist, das Astrolab nicht die geringste Spur seiner einst so weit verbreiteten Herrschaft zurückgelassen hat. Um so ausgedehntere Anwendung findet dafür das demselbeu zu Grunde liegende Koordinatensystem der Ekliptik gegenwärtig in der rechnenden Astronomie. Um den Ort eines Himmelskörpers durch Rechnung zu ermitteln, muss man zunächst seine Bahn kennen und die Gesetze, nach denen er sich in derselben bewegt. Handelt es sich um Fixstern?-, deren Länge und Breite bestimmt werden soll, so bereitet die Lösung der Aufgabe nicht die geringsten Schwierigkeiten. Die Bahnen, in denen dieselben langsam vorzurücken scheinen, sind der Ekliptik parallel, ihre Breiten daher in alle Ewigkeit dieselben. Die scheinbare Beweguug aber, durch welche ihre Längen eine allmähliche Aeuderung erfahren, ist eine nahezu gleichmässige. Wie wir bereits wissen, ist dieselbe eine Wirkung der auf unsere Erde von der Sonne und mehr noch von den benachbarten Planeten Venus uud Mars, am meisten aber vom Monde ausgeübten Anziehung, die sich in dem Bestreben äussert, die Erdaxe senkrecht zum Thierkreis zu stellen und den ungefähr 66° 33' betragenden Winkel, den sie mit demselben bildet, mehr und mehr abzustumpfen, bis sie der Axe der Ekliptik parallel gegenübersteht uud der Erdaquator vollständig in der Ebene der Erdbahn liegt. Um dieser Einwirkung auszuweichen, ist die Erdaxe nach einem allgemeinen Gesetze der Mechanik eine Drehung auszufuhren genöthigt, die sich uns darin kundgiebt, dass im Laufe der Zeit Sterne über unserem Horizont erscheinen, die unseren Vorfahren niemals aufgegangen, andere verschwinden, die früher sichtbar waren, dass ferner ein Stern, der vor Jahrhunderten noch in beträchtlicher Entfernung vom Nordpol gestanden, heute Polarstern ist, und es mit einem Worte den Anschein hat, als ob die Himmelspole einen Kreis um die Pole der Ekliptik beschrieben, und das ganze Firmament, wie es alle Tage um die Welfaxe sich bewegt, so auch alle 26000 Jahre zugleich um die Axe des Thierkreises eine Umdrehung vollendet. Man bezeichnet diesen Vorgang, durch welchen die Längen aller Himmelskörper jährlich um rund 50" zunehmen, mit dem Worte Präzession, weil die Gestirne nach der Ordnung der Zeichen vorzurücken scheinen; in Wahrheit ist es freilich das Zurückweichen des Frühliugspuuktes gegen die Ordnung der Zeichen, welches jene Zunahme der Längen bewirkt. Selbstverständlich ist dieselbe nicht zu allen Zeiten gleich. Die Anziehungskraft der Sonne, des Mondes und der Plane.ten steigt uud fallt ja mit ihrer wechselnden Entfernung von dem Gegenstande derselben. Der Mond, der hier trotz seiner kleineren Masse den grössten Einfluss übt, da er uns am nächsten steht, ist mitunter 407000 km von der Erde entfernt, ein anderes Mal nur 356600 km. So gross der Unterschied zwischen diesen äussersten Grenzeu an sich ist, sind die sich hieraus ergebenden Störungen gleichwohl so minimal, dass mau sie fuglich ausser Acht lassen kann. Von grösserer Bedeutung ist dagegen die von Bradley im vorigen Jahrhundert entdeckte Nutation oder das Wanken der Erdaxe, an welcher wieder unserem Satelliten der grösste Theil der Schuld beizumessen ist. Natürlich trachtet er die äquatoreale Erhebung der Erde (wir haben bereits augemerkt, dass die letztere ein Ellipsoid und keine regelrechte Kugel ist, in welchem Falle die Anziehung lediglich auf den Mittelpunkt wirken könnte) in die Ebene seiner Bahn hineinzuziehen. Diese schneidet die Ekliptik unter einem Winkel von 5° 9* im Mittel, die Schnittlinie aber, d. i. die sogenannte Knotcnlinie, ändert ihre Lage fortwahrend, indem die Knotenpunkte gegen die Ordnung der Zeichen zurückweichen, so dass sie in 18,6 Jahren die ganze Ekliptik durchwandern. In der einen Hälfte dieses Zeitraums umkreist daher der Mond seinen Planeten in Bahnen, deren Neigung gegen die verlängerte Ebene des Erd-

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