Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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— 13 — Zeitunterschied zwischen seinem Eintritt in die optische Axe des Fernrohrs und dem Durchgang eines Fundamentalstem» ermittelt wird. Der Astronom theilt nämlich den Sterntag,°der die Zeit einer vollen Umdrehung der Himmelskugel umfasst und um 235,91 Sekunden kürzer ist als der mittlere Sonnentag, gleich diesem in die herkömmliche Anzahl von Stunden, Minuten und Sekunden (1* — *24h^l440««— 86400s), s0 dass 15° des Aequators einer Stunde Steruzeit oder 0,9972695 St. mittlerer Zeit entsprechen. (Eine Tafel zur Verwandlung der Steruzeit in mittlere und umgekehrt findet mau im Anhange zu „Wega's Logarithmisch-Trigouometrisches Handbuch", bearbeitet von Dr. C. Bremikcr.) Beträgt nun z. B. der Winkelabstand des Fuudameutalsterns vom Friihlingspuukte 5°, so hat ein Himmelskörper, der lh spater als jeuer oder Ii« früher die Absehensliuie des Teleskops kreuzte, 20* bezw. 350° Rektaszension. Das zweckmässigste Instrument dieser Art ist der sogenannte Meridiankreis. Auf zwei mit keinem Theile des Gebäudes, nicht einmal mit dem Fussboden in Berührung stehenden Pfeilern ruht, gegen jede Erschütterung geschützt, wagerecht in festen Lagern die Axe eines horizontal nach Süden gerichteten Fernrohrs, welches sich nicht anders als in der Ebene des Ortsmeridians drehen lässt und daher auf irgend einen Himmelskörper eingestellt, durch den Bogeu, den es dabei beschreibt, und dessen Werth au einem an derselben Axe befestigten und folglich die Drehung mitmachenden Kreise abgelesen werden kanu, zunächst die Mittagshöhe (so. nennt man den Abstand eines kulminierenden Sterns vom Gesichtskreise) angiebt, von der man dann nur die Aequatorhöhe oder den Bogen zwischen Pol und Zeuith (s. S. 6) abzuziehen braucht, um die entsprechende Deklination zu erhalten. Zur Bestimmung der graden Aufsteigung aber bedarf es bei dieser Einrichtung keines Fundamentalsterns mehr. Ein leiser Druck auf einen Knopf — genau in dem Augenblicke, in welchem das Bild des Sterns im Fadenkreuz des Refraktors erscheint — und der Registrierapparat, der sowohl mit dem Instrumente als auch mit der Uhr der Sternwarte in elektrischer Verbindung steht, verzeichnet, auf die Sekunde, ja auf den Bruchtheil einer Sekunde den Zeitpunkt seines Durchgangs, aus welchem sich seine Rektaszension von selbst ergiebt, da die Uhr so eingerichtet ist, dass ihre Zeiger jedesmal, wenn der Frühlingspunkt durch den Ortsmeridian geht, mit welchem Moment das Observatorium den Sterutag beginnt, auf 0h 0m 0S stehen. Ist z. B. auf einem unter 32° 8' nördlicher (oder südlicher) Breite liegenden Orte ein Fixstern um 19 Uhr 47 Min. 51,3 Sek. Sternzeit durch die Absehenslinie eines 72° 13' 17" gegen die horizontale Ebene geneigten Fernrohrs gegangen, so hat derselbe .15 (19° + 47' + 51,3") 296° 57' 49,5" grade Aufsteigung und 72 23* 17" — (R—32° 8') 14° 31' 17" positive (bezw. negative) Abweichung. Der doppelte Vortheil der Passage-Instrumente besteht nun, abgesehen von der Entbehrlichkeit eines zweiten Kreises, hauptsächlich darin, dass ihr Fernrohr sich nur in einer Richtung, in der Ebene eines Deklinationskreises nämlich zu drehen braucht, wodurch einerseits deren Bauart wesentlich vereinfacht, andererseits eine festere Aufstellung derselben ermöglicht wird. Mehr noch als der Meridiankreis ist auf unseren Sternwarten das Acquatoreal in Gebrauch, welches dieser Vortheile entbehrt und dennoch, wie schon sein Name sagt, in seiner ganzen Einrichtung auf dem Koordinatensystem des Aequators statt auf dem der Ekliptik beruht. Es hat gleich der alten ^Armillarsphäre je einen Kreis zur Ablesung der Rektaszensionen und der Deklinationen, wie denn auch sein Fernrohr sich um zwei verschiedene Axen dreht, von denen die eine der Weltaxe, die andere dem Aequator parallel ist. Allein dieses Instrument dient in erster Reihe einer fortgesetzten Beobachtung der Himmelskörper und ist zu diesem Behufe mit einem Uhrwerk versehen, durch welches ihm eine gleichmässige Drehung ertheilt wird, die es befähigt, der Bewegung des eingestellten Sterns längere Zeit hindurch genau zu folgen. Da ist eine Einrichtung, wie sie dem Astrolab eigentümlich ist, eher störend als forderlich, auf alle Fälle aber überflüssig; denn um die Pole der Ekliptik vollzieht sich wohl die oben erwähnte säkulare Bewegung des Sternenhimmels, die tägliche dagegen findet parallel zum Aequator statt. Erat in zweiter JAme dient das Aequatoreal der Ortsbestimmung, jedoch weniger der absoluten,