Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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— 8 — uns der Herbst und bei ihnen der Frühling sich einstellt, um nach Verlauf eines Vierteljahres hier dem Winter, dort dem Sommer zu weichen, unter deren Herrschaft das Tagesgestirn die letzten drei Zeichen durchlauft. Die Namen der zwölf Zeichen und die Reihenfolge, in welcher sie am Horizonte auf- und niedersteigeu, prägt man sich am besten mit Hilfe des folgenden Verses ein: Sunt aries, taurus, gemini, cancer, leo, virgo, Libraque, scorpius, arcitenens, caper, amphora, pisces. Es ist ferner gebräuchlich, das Azimut vom Sudpunkte aus über Westen, Norden und Osten von 0° bis 359° 59' 59, 99 ..." zu zählen, Rektaszeusion und Länge aber vom Frühlingspunkte aus über Süden, Osten und Norden (nach der Ordnung der „Zeichen") zurück nach Westen, weshalb man den Kolur der Aequiuoktien auch den ersten Meridian nennt. Höhe, Abweichung und Breite eines Himmelskörpers zählt man in der Regel von der Gruudebene aus nach beiden Richtungen hin von 0tt bis 90° und unterscheidet je nach seiner nördlichen oder südlichen Lage zum Aequator, bezw. zur Ekliptik eine positive und eine negative Deklination, eine nördliche und eine südliche Breite. Bisweilen wird statt der Höhe die Zenithdistauz oder der Bogen zwischen Zenith und Stern angegeben, au Stelle der Abweichung aber der Bogen zwischen Nordpol und Stern oder die Poldistauz, welche vom Nordzum Südpol von 0° bis 180° gezählt wird und demnach im Aequator 90° beträgt. Misst z. B. in Figifr 1 der Bogen OT 350 und TS 27 °, so sagt man, um den Ort des Sterns S zu bestimmen, er habe 35° Azimut und 27° Höhe oder 63° Zenithdistanz, bezw. 825° grade Aufsteigung und 27° positive Deklination oder 63° Poldistanz, bezw. 325° Länge und 27° nördliche Breite. Ermittelt wird die Grösse der Bogen TS und OS entweder durch Beobachtung oder durch Rechnung. Der erstgenannte Weg ist bequemer und fuhrt auch schneller zum Ziele,, ist aber jedem versperrt, der nicht über die erforderlichen, sehr kostspieligen Instrumente verfugt, und kann überhaupt nur eingeschlagen werden, wenn der Stern über unserem Horizonte sichtbar ist. Der zweite Weg ist umständlicher und meist auch mühevoller, hat aber den Vortheil, dass er nicht allein, unabhängig von der Gunst des Wetters und dem Besitz von Apparaten, jedermann jederzeit offen steht, sondern auch die Möglichkeit bietet, den Ort des Himmelskörpers für jeden noch so fernen Zeitpunkt der Vergangenheit wie der Zukunft mit Sicherheit zu bestimmen. Im Uebrigen müssen beide Methoden, mit der gehörigen Sorgfalt durchgeführt, dasselbe Ergebniss zu Tage fördern, denn alle Ortsangaben, ob sie nun auf Messung oder Rechnung beruhen, auf Horizont, Aequator oder Ekliptik sich beziehen, haben den gleichen Ausgangspunkt im Zentrum der Himmelskugel, mit anderen Worten: die beiden den Ort eines Sterns bestimmenden Bogen gehören zu je einem Winkel, dessen Scheitel im Mittelpunkt der Erde liegt. Dieser ist vom Auge des Beobachters auf der Erdoberfläche rund 6370 km entfernt, denn soviel beträgt ungefähr die durchschnittliche Lauge des Erdmdius *). Das ist freilich eine quantite negligeable, wo es sich um Himmelskörper handelt, die wie die Fixsterne viele Billionen Meilen von uns entfernt sind. Anders aber, wenn der Ort der Sonne, eines Planeten oder gar de» Mondes bestimmt werdeu soll, dessen Entfernuug von der Erde höchstens bis auf 407000 km, also kaum 64 Erdhalbmesser anwachsen kann, im Mittel aber nur deren 60 Vi misst. Hier ist der Unterschied zwischen den Winkeln, unter denen der Himmelskörper einerseits vom Mittelpunkte und andererseits von der Oberfläche der Erde aus erscheint, so beträchtlich, dass man ihn in Rechnung ziehen muss. ,Zählt doch der Winkel, unter welchem der Halbmesser unseres Trabanten von uns gesehen wird, schon 15', um wie viel mehr seine Parallaxe, d i. der l) Die Erde hat wie schon Newton theoretisch nachgewiesen und spätere Gradmessnngen bestätigt haben, keineswegs die Gestalt einer Kugel, sie ist vielmehr ein an den Polen abgeplattetes Ellipsoid. Nach BesseTa Ermittelungen niisst der Radius des Aequators 63773OT m, die halbe Erdaxe dagegen nur 6356079 m. Neuer* Messungen ergaben für diese ^ein Mehr von 78 m und für jenen ein solches von 853 m. Demnach betragt der Halbmesser einer Kugel vom Rauminhalt der Erde 6370877 in (nach Besse! 6370287 m).