Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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der Ortsmeridiau, ferner Bogen DL die Pollu»he oder geographische Breite des Ortes, OL (-Winkel OAL OBL) seine Aequatorhöhe, Winkel AOM BON - Bogen AM - BN) Fig. 1. die Schiefe der Ekliptik, Bogen AP die Abend weite derselben und Winkel APO ihre Neigung gegen den Gesichtskreis. Mau sieht auf den ersten Blick, das* dieser Winkel im Kugeldreieck AOP durch die Seite AP und die Winkel AOM und OAL bestimmt ist, seine Grosse also, da die letztgenannten Winkel einfür allemal gegeben sind, lediglich vom Werth der Abendweite abhängt. Der durch den Stern S und die Pole C und D gehende, mithin gleichfalls auf dem Aequator AOB senkrechte Kreis CSTD, wird Stuudenkreis genannt, weil uns sein jeweiliger Abstand vom Ortsmeridian, wenn wir nur die Kulminationszcit' des Sterns kennen, zuverlässiger als die beste Uhr die Stunde anzeigt, aber auch Abweichuugs- oder Deklinationskreis, weil an ihm die kürzeste Entfernung zwischeu dem Stern und dem Acquator gemessen wird. Den Abstand des Punktes T, in welchem der Stuudenkr.eis den Aequator schneidet, vom Meridian, nennt mau den Stuudenwinkel, seinen Abstand vom Frühliugspunkte die Rektaszension oder grade Aufsteigung des Sterns. In unserer Figur, in welcher Ortsmeridian und Kolur der Aequiuoktien im Kreise GOLD zusammenfallen, entspricht TS der Deklination oder Abweichung des Sterns S und Bogen OT sowohl seinem Stuudenwinkel als auch seiuer Rektaszension. Ist dagegen in derselben Figur Kreis AOB der Horizont und O dessen Südpunkt, mithin C das Zeuith, D das Nadir, Kreis COD der Ortsmeridian, B der Ost- und A der Westpunkt, so heisst CSTD der Höhenkreis, TS die Höhe und OT das Azimut des Sterns S. Stellt endlich AOB die Erdbahn und O wiederum den Frühlingspuukt dar, so dass wir in C und D die Pole der Ekliptik, in A und B die Wendepunkte nnd in ACBD den Kolur der Solstitjen vor uns haben, so bezeichnet mau CSTD als Breiteukreis TS als die Breite des Sterns S und OT als seine Länge. Nach uraltem Herkommen theilt mau den Umfang des Kreises zunächst in 360 gleiche Bogen, welche Grade genannut werden, diese sodann 'nach dem Sexagesimalsyatem in kleinere und immer kleinere Bogen, so lange die Genauigkeit der Rechnung es erfordert. (1° 60' — 3600" 216000"' 12960000"" 777600000""' u. s. w. In neuerer Zeit werden nur Grade, Minuten und Sekunden in ganzen Zahlen angegeben, kleinere Bogen und Winkel durch Bruchtheile einer Sekunde nach dem Dezimalsystem ausgedruckt.) Die Ekliptik wird ausserdem nach Anzahl der Monate eines Jahres in zwölf grössere Abschnitte zerlegt, deren jeder 30 0 zählt und nach dem Sternbilde benannt wird, in welchem er liegt. Da der grössere Theil dieser sogenannten Zeichen Thiernamen trägt, so nennt man die Erdbahn zuweilen auch Thierkreis oder Zodiakus. Richtiger wird diese Bezeichnung dem ganzen die: Ekliptik eiuschliessendeu Gürtel beigelegt, in welchem die Bahnen sänuntlicher Planeten unseres Sonnensystems liegen. Nach ihrer Lage zum Aequator heissen die ersten sechs Sternbilder nördliche, die anderen südliche Zeichen; die zwischen dem 90. und dem 270. Grade liegenden werden absteigende, die übrigen sechs dagegen aufsteigende Zeichen genannt, weil in diesen das Tagesgestirn uns Bewohnern der nördlichen Hemisphäre, auf welcher ja auch die Wiege der astronomischen Wissenschaft stand, immer höher aus dem Süden heraufsteigt und die Nächte kürzer werden, wogegen es in jenen immer tiefer nach Süden hinabsteigt, wodurch die Nächte täglich länger werden. Die Sonne beschreibt nämlich nicht wie die übrigen Fixsterne bei der scheinbaren Tagesbewegung eine geschlossene dem Aequator parallele Kreislinie, sie bewegt sich vielmehr, da sie gleichzeitig auch in der Ekliptik vorrückt, wie in einem Ungeheuern Schraubengewinde ein halbes Jahr lang aufwärts und ein halbes wieder abwärts. Solange sie durch die ersten drei Zeichen sich bewegt, haben wir Frühling, und die Bewohuer der südlichen Hälfte der Erdkugel haben Herbst, worauf för uns der Sommer und für jene der Winter beginnt, die so lange dauern, bis die Sohne in das siebente Sterabild-eintritt, mit welchem Augenblicke wieder bei