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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1898-01-01 · 16.1898 · page 8

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
16.1898
Date
1898-01-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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IRI
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die Tagundnachtgleiche (das Aequiuoktium) eintritt. Derjenige von ihnen, den unser Planet mit dem Beginne des Lenzes erreicht, wird Friihlingspunkt geuaunt. Zwischen beiden in der Mitte, von jedem derselben einen vollen Viertelkreis entfernt, liegen in der Ekliptik die Solstitial- oder Wendepunkte, durch welche die Erde am Anfange des Sommers und des Winters geht. Der dieselben mit den Polen der Weltaxe verbindende Kreis geht zugleich durch die Pole der Erdbahn und steht daher sowohl auf dieser wie auf dem Aequator senkrecht, wahrend der die Aequinoktiaipuukte mit den Weltpolen verbindende Kreis nur auf letzteren senkrecht steht, mit jeuer dagegen einen Winkel bildet, welcher ihre Schiefe zu einem rechten ergänzt. Heide Kreise fuhren den seltsamen Namen Kohire {xdXovQot Stümpfe), vermuthlich vreil sie zum Theil am unsichtbaren Himmelsgewölbe sich befinden und daher am Horizonte abgestutzt erscheinen, was freilich keineswegs eine blondere Eigenthümliehkcit dieser in den Polen unter einem rechten Winkel sich kreuzenden Kreise ist, von denen der eine als Kolur der Solstitieu, der andere als Kolur der Aequiuoktien naher bezeichnet wird. Der auf der einen Seite vom Aequator, auf der andern von der Erdbahn begrenzte Bogen des Kolurs der Wendepunkte ist stets der Schiefe der Ekliptik gleich und ebensowenig wie diese eine unveränderliche Grösse. Vielmehr erfahren beide, abgesehen von einer periodischen, mit der Nutation zusammenhangenden Schwankung, welche freilich, wie wir spater (S. 19) sehen werden, nicht nur au sich sehr geringfügig ist, sondern sich auch noch auf einen Zeitraum von nahezu 19 Jahren vertheilt, eine ziemlich beträchtliche säkulare Veränderung. Wie eine Vergleichuug des von Tschu-Kong (vor 3000 Jahren Kaiser von China) gefundenen Werthes mit den Resultaten späterer Messungen gezeigt hat, und neuere Beobachtungen bestätigt haben, ist die Neigung zwischen Ekliptik und Aequator in einer fortwährenden, ungleichmässigen Abnahme begriffen, die man der Einwirkung der übrigen Planeten zuschreibt, deren Anziehung die Erde aus ihrer Bahn zu locken trachtet und dieses beharrliche Streben mit einigem Erfolge gekrönt sieht. Auf Grund dieser Annahme hat der berühmte französische Astronom Lagrange Berechnungen angestellt, die zu dem Ergebniss führten, dass die gegenwärtige Verminderung der Schiefe, wie sie vor Jahrtauscuden nach einer Periode der Zunahme begonnen, so auch nach Jahrtausenden ihr Ende erreichen wird, um aufs Neue einer allmählichen Zunahme zu weichen, auf welche wiederum nach weitern Aeoueu eine Zeit der langsamen Abnahme folgen wird. Niemals aber werden Erdbahn und Aequator zusammenfallen oder auch nur sich um mehr als ein Viertel ihres grössten Abstandes einander nähern, denn-auch die säkulareu Schwankungen ihrer gegenseitigen Neigung bewegen sich innerhalb gewisser Grenzen, die zwar erheblich weiter auseinanderliegen als die der periodischen Aenderuugen, dafür aber einen um so viel grössern Zeitraum umfassen. Der Gesichtskreis wird vom Aequator unter einem Winkel geschnitten, dessen Werth von der geographischen Breite des Ortes abhängt. In dem einen der Schnittpunkte sehen wir in den Aequiuoktien das Tagesgestirn aus dem Schosse der Nacht emportauchen, in dem andern an denselben Tagen von uns scheiden. Dieser ist der West-, jener der Ostpunkt, und zwischen ihnen liegt, vou beiden gleich weit entfernt, zur Hechten der Süduud zur Linken der Nordpunkt, wenn wir das Gesicht gen Morgen wenden. Nach den Tagundnachtgleichen geht die Sonne, sehnige—wir Bewohner der nördlichen Erdhälfle des Frühlings uns erfreuen, an jedem Tage nördlicher, solange er dagegen auf der südlichen Hemisphäre weilt, au jedem Tage südlicher auf und unter, bis sie in den Solstitieu ihre grösste Entfernung vom Ostwie vom Westpuukte erreicht, zu denen sie. dann im Laufe des Sommers und des Winters allmählich wieder zurückkehrt. Alle anderen Fixsterne, sofern sie nicht etwa im Aequator stehen, sehen wir je nach ihrer Lage .zu demselben theils nördlich und theils südlich, aber täglich an derselben Stelle über unserem Horizont erscheinen und unter demselben verschwiuden, ihre Morgenuud ihre Abendweite — so nennt man den Abstand eines auf- oder untergehenden Himmelskörpers vom Ostbezw. Westpunkte — nimmt nicht wie die der Sonne mit jedem Tage einen anderen Werth an, sie ist vielmehr, weun wir von den unmerklichen Aenderuugen absehen, welche eine

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