Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 16.1898
- Date
- 1898-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Einleitung. Kat>. XI §§ 7-17. Um sich im unermessliehen Welträume zurechtzufinden, denkt man sieh um den Mittelpunkt der Ilinunelskugel ACBD (Figur 1) senkrecht auf einander zwei Kreise AOBuudCOD gezogen, die sich in zwei entgegengesetzten Punkten schneiden müssen, von denen in unserer Zeichnung nur der eine O sichtbar ist. Vou diesem oder seinem Gegrnpunkte O* auf der andern Halbkugel ausgehend, theilt man beide Kreise in eine beliebige Anzahl gleicher Bogen und bestimmt die Lage jedes Ortes am Himmel, z. B. den des Sterns S, indem man seine Entfernung von jeder der beiden Koordinaten AO u. CO angiebt. Mit anderen Worten, man legt durch den Ort des Sterns und die Pole der Grandebene C und D den Kreis CSD, der dieselbe in T schneidet, und druckt den Abstand des Punktes S von AO wie. von CO durch den Werth der Bogen OT u. TS aus. Uuter all den zahllosen Himmelskreisen, die man zur Grundlage eine» »ülchen Koordinatensystems wählen kann, sind besonders drei vou hoher Wichtigkeit für uus: Horizont, Aequator und Ekliptik, weil sie zum Wechsel der Tages- und der Jahreszeiten in Beziehung stehen, der wiederum seinerseits nicht allein auf die Eutfaltuug aller menschlichen Thätigkeit, sondern auf das Gedeihen alles organischen Lebens überhaupt einen ebenso tiefgreifenden wie weitreichenden Einfluss übt. Der Horizont oder Gesichtskreis ist die Grenzlinie zwischen dem sichtbaren und dem unsichtbaren Theil der Himmelskugel, an ihm geht die Sonne auf und geht sie unter, von seiner Lage häugt das Klima wie die Lange der Tage und der Nachte ab. Der Himmelsäquator ist jene Kreislinie, in deren Ebene die Erde sich um ihre Axe dreht, und Ekliptik nennt man die Bahn, in welcher unser Planet die Sonne umkreist. . Der Horizont, auf den schon die ältesten Beobachter in grauer Vorzeit ihre Wahrnehmungen am Himmel bezogen — werden wir doch vou der Natur selbst zur Befriedigung unseres Orientierungsbedüfnisses auf diesen Kreis gewissermasseu hingewiesen, den einzigen, den der irrende Blick im weiten Welträume findet — ist gleichwohl für diesen Zweck am wenigsten geeignet, denn alle auf ihn zurückgeführten Angaben gelten nur für eine bestimmte Gegend und auch in dieser nur für einen gewissen Zeitpuukt. Jeder Ort der Erdoberfläche hat einen andern Gesichtskreis, und selbst an einem und demselben Orte sehen wir infolge der Axeudrehuug unserer Erde das Bild des nächtlichen Sternenhimmels fortwährend wechseln. Besser erfüllt der Aequator die wichtigste Forderung, die wir an eine Gruudebeue für allgemeine Ortsbestimmungen, d. i. für solche, die allenthalben die gleiche Geltung haben, in erster Reihe stellen müssen. Seine Lage zu den Gestirnen ist unter jedem- Himmelsstrich dieselbe. Zwar ist sie infolge der Prä Zession und Nutation (s. S. 14—15) sowohl eiuer beständigen Verschiebung als auch periodischen Schwankungen unterworfeu; diese sind indes so geringfügig, und jene geht so laugsam vor sich, dass beide Erscheinungen füglich nur für grossere Zeiträume in Betracht kommen. Für solche wählt mau am besten die Ekliptik zur Grundebene, die denn auch von allen Kreisen sich am meisten für unsern Zweck eignet, denn ihre La^e zum Sternenhimmel ist keinerlei neuueuswertheu Veränderungen ausgesetzt, weder periodischen noch säkularen, sie ist und bleibt dieselbe aller Orten und zu allen Zeiten. Himmelsäquator und Erdbahn schneiden sich uuter einem W:nkel, den man als Schiefe der Ekliptik bezeichnet, in zwei einander diametral gegenüberliegenden Orten, welche Aequinoktialpnnkte heissen, weil jedesmal, wenn die Erde in einem derselben angelangt ist,