Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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— 24 — die einst der Ewige selbst den von ihm Gerichtelen zugesichert: „TfflMÄW »Tn« "38 "pölrv 7037 inaan Deine verlassenen Waisen will ich erhalten, und Deine Witt wen mögen nur auf mich vertrauen!" — Und so möge jetzt unsere Klage in stiller Ergebung dahinströmen zur Ehre des Heimgegangenen. Wir wenden auf ihn an das Prophetenwort, mit dem einst sein priesterlicher Urahn gepriesen wurde, das Wort: „www KitBJ vh miyi WD3 nnvi ne« rrnn Die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde und kein Falsch auf seinen Lippen". TPti» min"' die Lehre der Wahrheit! Was soll das heissen? Giebt es denn eine min, die nicht neu, die nicht Wahrheit ist? Gewiss nicht, m. ThJ Die Thora ist immer die Wahrheit, aber auf den Menschen und seine Auffassung kommt es hier wie überall an. Sein Geist kann von ihr ein falsches Bild aufnehmen und wieder ausstrahlen, besonders wenn er sie nicht ganz, sondern nur von einer Seite zu überschauen vermag. Wohlan, diese Ganzheit seiner Auffassung ist es eben, die wir an dem Verewigten rühmen, wenn wir sagen: „die Lehre der Wahrheit war in seinem Munde". Er gehörte nicht zu jenen Gelehrten, von denen die Weisen sagen: Kvb\vnp lü\y pro pip top »Si 7W rat dass sie wegen der Einseitigkeit ihres Wissens ewig im Vorhofe verbleiben und in das Innere des Heiligtums nicht gelangen können"; denn er, unser verewigter Freund, war heimisch auf allen Gebieten des jüdischen Schrifttums, besonders aber auf dem weiten „Meere" der' talmudischen Wissenschaft herrschte er in wahrhaft königlicher Machtvollkommenheit. In dieser Wissenschaft, die in den letzten Jahrzehnten trotz der geringen Anzahl ihrer Pfleger zu hoher Blüte gelangt ist, zählte unser Freund zu den hevorragendsten Gelehrten, und auf dem besonderen Gebiete, das er hier durchforschte, galt er geradezu als Pfadfinder und Entdecker— wir meinen: die ebenso interessante wie umfassende Litteratur der nachtalmudischen Responsen. Merkwürdig! auch seine Fachwissenschaft war symbolisch für die Auffassung, die er vom Judentum gewonnen hatte. Denn wenn irgend etwas beweisen kann,, dass das Judentum nicht in der Klause entstanden und auch niemals, auch in den Zeiten der Bedrängnis nicht, auf den engen Bezirk der jeweiligen Glaubensgemeinde eingeschränkt blieb, so beweisen das diese Responsen. Denn diese Responsen enthalten die Antworten auf die Anfragen, welche aus allen Ländern, oft aus den entlegensten Gemeinden, an die jeweiligen rabbinischen Autoritäten gerichtet wurden. Diese stete Berührung aber mit neuen Verhältnissen, dieses Eingreifen in den Kampf des drangvollen Lebens, schützte die Lehre vor dem Stillstand und erhielt sie dauernd in Bewegung und Entwickelung. — Zu dieser umfassenden Litteratur, die der Verewigte schon seit Jahrzehnten erfolgreich bearbeitete — viele kleinere und grössere Schriften geben davon Zeugnis — lieferte er in den letzten Jahren die Krone seiner Schriften, die „Einleitung in die Responsen der Gaonen", wodurch dieses Gebiet für die Detailforschung erst erschlossen wurde. Wie fruchtbar aber diese Studien gemacht werden können, nicht blos für die Wissenschaft des Judentums, sondern auch für die politische und für die Cultusgeschichte aller Länder, in denen Juden geweilt, das wird erst ersichtlich werden, wenn das grössere Werk erscheinen wird, das er im Auftrage der historischen Commission für die Geschichte der Juden in Deutschland ausgearbeitet hat, dessen Veröffentlichung er aber nicht mehr erleben sollte. Allein, m. Th., so hoch wir auch den Verewigten als Gelehrten schätzen, höher steht uns der Ruhm, den von ihm künden mit den Worten: „Hiera sstöi kS nSiyi Kein Falsch war auf seinen Lippen". Was er lehrte, das lebte er; zu der Ganzheit seines Wissens gesellte sich die Einheit seines Charakters. Wie er die Jahre seines hiesigen Lehramtes für die glücklichsten seines Lebens hielt, so fühlte er sich gehoben und im Glauben an Israels Zukunft gefestigt, wenn er das gottesdienstliche Leben und den religiösen Eifer in allen Kreisen unserer Gemeinde beobachtete. Und obwohl er sich in seiner Milde und Verträglichkeit von jeglichem Parteigetriebe, fern hielt, so billigte er doch von ganzem Herzen alle jene Bestrebungen des jüngeren Geschlechtes,, welche auf die Hebung und Verinnerlichung der Religion abzielen. Er war eben nicht nur ein