Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 14.1896
- Date
- 1896-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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^- 23 — Trauer-Rede, gehalten an der Bahre des verewigten Docenten Herrn Dr. Joel Müller, den 8. November 1895. ^Von Rabb. Dr. S. Maybaum. Hochgeehrte Trauerversammlung! Wieder ist Einer aus der kleinen Gemeinschaft jüdischer Gelehrter dahingegangen, und tief ergriffen stehen wir hier an seiner Bahre, innig verbunden mit seinen Hinterbliebenen in gemeinsamer Trauer und zu gemeinsamer Klage. Es ist eine kleine Trauerversammlung, wie sie gewöhnlich sich einfindet, wenn einer von den p» uy, von den „Stillen im Lande" dahingeht, aber was ihr an Zahl gebricht, das ersetzt sie an Wärme und an Innigkeit des Gefühls. Es sind Genossen in der Wissenschaft, Genossen im Lehramte, es sind die Leiter und Schüler unserer Lehranstalt, es sind die Freunde und Verehrer des Heimgegangenen, die sich hier eingefunden, und während die einen an sich erfahren die Wahrheit des alten Wortes: „in« miann Sa Jtnn n&plrmann Es erbebt die Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit, wenn einer aus ihrer Mitte dahingeht", klagen die andern: „prWKPö vhi pain by San Wehe, dass die Entschlafenen so schwer zu ersetzen sind!", und noch andere trauern und seufzen mit dem Psalmdichter: „jni antt \)öö npmn Du hast mir den Freund und Genossen entrissen!" Und dabei haben wir doch nur an uns und noch nicht an diejenigen gedacht, die dem Herzen des Verewigten am nächsten standen. O, was haben sie erst verloren! — Eine der wohithuendsten Verheissungen Gottes an Abraham, dessen Lebensbild in unserem Wochenabschnitte abgeschlossen wird, ist die Verheissung: „naie nanttt napn oibera jmstc bat Mian nnw Du aber wirst in Frieden eingehen zu deinen Vätern, im glücklichen Greisenalter wirst Du begraben werden". Denn was kann versöhnender sein als der Tod nach einem kämpf- und erfolgreichen Leben-, das geschmückt war mit der Krone des Greisenalters? Dieser versöhnende Abschluss fehlt uns aber an dieser Bahre. Oder was meint Ihr? Wurden die letzten Stunden dieses Sterbenden von keiner Sorge getrübt, wenn er auf seine bekümmerte Gattin und seine weinenden Kinder blickte? O, über das Elend des jüdischen Gelehrtentums! Wann wird Israel endlich lassen von der Verkehrtheit, die man schon in alter Zeit an der babylonischen Gemeinde tadelte, wann wird es erkennen, dass alle die grosssperecherische Liebe zum Judenthum eitel Lüge und Täuschung ist, so lange die Träger seiner Wissenschaft nicht nur nicht ohne Sorge leben, sondern nicht einmal in Frieden sterben können! — Doch lasst uns die Erbitterung niederkämpfen im Hinblick auf den Verewigten, der sich auch hier durch seine Frömmigkeit zum Frieden durchgerungen. Ich kann das wohl bezeugen, denn ich habe den Worten des Sterbenden gelauscht, und was er mir da zugerufen, das klang wie der freudige Widerhall jener tröstlichen Verheissung,