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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1896-01-01 · 14.1896 · page 21

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
14.1896
Date
1896-01-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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- 20 — wie man sagt, eingeübt werden. Dann kann sogar die Aufmerksamkeit durch die Gewohnheit ersetzt werden, d. h. durch geistige Reflexbewegung (67), wie wir ja sogar fremde Sprachen so beherschen können, dass wir an die Regel nicht denken. 70) Die Aufmerksamkeit kann sich ihrer Natur nach immer nur auf einen Punkt richten; sonst würde sie sich zersplittern. Nun bewegen sich im ßewusstsein während jeder Arbeit mehrere Reihen; nicht auf diese alle zusammen kann sich die Aufmerksamkeit beziehen, nur muss sie dieselben allemal wenigstens schwingend beherschen. Ja wir vollziehen manche Arbeit ganz ohne Aufmerksamkeit und Bewusstheit und dennoch durch den Zweck beherscht. Der buchstabirende, schreiben lernende Schüler sieht allerdings jeden Buchstaben, jeden Strich desselben aufmerksam an, und zieht jeden Strich vollbewusst. Darum entgeht ihm der Inhalt (wie jedem Corrector der Druckerei). Der Geübte liest und schreibt ohne den Buchstaben bewusst werden zu lassen; er denkt nur den Inhalt mit Aufmerksamkeit. Wir gehen und setzen die Beine zweckmässig, den Schritt je nach dem Hindernis ändernd, ohne zu wissen, was wir tun, doch durch das Ziel geleitet, das selbst nicht in jedem Augenblicke bewusst ist. Darum überschreiten wir auch oft das Ziel, wenn wir in einem Gedanken vertieft sind. Die vier Species des Rechnens muss das Kind mit Bewusstsein lernen. Das Facit der Factoren aber muss von Tag zu Tag mehr Sache des Gedächtnisses werden. Immer freilich wird sogar mit angestrengter Aufmerksamkeit gerechnet, welche aber auf das Exempel im Ganzen gerichtet ist, nicht auf jedes einzelne Facit zweier Factoren. Darum verrechnen sieh auch grosse Rechner, weil ihre Aufmerksamkeit auf ein tiefes Problem gerichtet ist, aber nicht auf das Einmaleins. Gang: des Unterrichts. 71) Der Lehrer soll, das wissen wir, alles was im Geiste des Schülers gegeben ist, erweitern, berichtigen, erhöhen; der Boden muss da sein, auf dem er bauen kann, und den er voraussetzt. 1) Der Schüler bringt Bereitschaft mit, welche noch nicht genügt; für jeden besondren Gegenstand des Unterrichts hat der Lehrer die ergänzende Vorbereitung zu geben. 2) So erst schafft sich Letzterer in Ersterem das volle Interesse, die nötige Aufmerksamkeit und findet nun Empfänglichkeit für das was er darbieten will. 3) Was der Lehrer dem Schüler gegeben hat, soll aber auch fest in demselben haften, d. h. nicht nur getreulich im Gedächtnis sitzen bleiben, sondern es soll eine Macht werden sei es für weiteres Lernen, sei es für den Willen und das Gemüt. Dazu muss das Empfangene in der organisirten Verstellungs-Masse seine bestimmte Stelle erhalten, logisch nach dem Masse seiner Allgemeinheit, also nach seiner mannichfaltigen Verbindung, psychologisch nach seinen Associationen und seinem Werte, wodurch es Macht und Herschaft erlangt. Coneentration. Harmonie. Formale Bildung". 72) Wenn den Vorstellungen innerhalb der kleineren, und dann wieder der grösseren, Verbände die ihnen gebührende Macht verliehen ist; wenn auch alle Verbände unter einander lügisch und sachlich in Zusammenhang gebracht sind, obwol zunächst nur durch Association, dann aber dadurch dass sie von einer allgemeinsten, wertvollsten Vorstellung sich beherschen, leiten lassen; wenn es also keiner Gruppe an reicher (ideal genommen: erschöpfender) Mannichfaltigkeit, aber auch nicht an Ordnung, und also an Reizbarkeit und Empfänglichkeit gebricht; wenn alle Gruppen schliesslich einer höchsten formalen Gruppe gehorchen: dann ist die erwünschte Coneentration erreicht. Die Harmonie bei dieser Coneentration liegt darin, dass jeder Verband zunächst sich selbst regelt, und jede Gruppe von Verbänden abermals ihre eigne Leitung erhält, die Herschaft der einen Gruppe aber die Wirksamkeit der andren nicht stört, weil schliesslich Alles von Einem abhängt: dann ist die Harmonie da. 73) Und ist dies beides, Coneentration und Harmonie, relative Macht und Unterordnung, nicht

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