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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1895-01-01 · 13.1895 · page 67

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
13.1895
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 67)
Language
German
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IRI
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— 66 — Die Lehre von der Seelenwanderung hat zur Zeit der Gaonen auch uDter den Juden Anhänger gefunden, so dass Sa'adja sich genölhigt sah, ihnen gegenüber Stellung zu nehmen. So wie manche muhammedanische Schriftsteller die Anhänger dieser Lehre gar nicht als Muslime betrachten wollen, meint auch Sa'adja, dass die Asfcäb al-tanäsuch unter den Juden nur dem Namen nach, aber nicht in Wahrheit Juden seien1). Er spricht ebenfalls von solchen, die eine Wanderung der Seelen2) in den menschlichen Körpern angenommen haben und von solchen, nach denen die Seelen ebenso in die Körper von Thieren, wie in die von Menschen kommen können. Sie alle sind, meint Sa'adja durch irrige Erwägungen zu ihrer Ansicht geführt worden, die in vier Puncten zusammengefasst werden können. Zum Theil sind es Leute, die einer von jenen kosmogonischen Theorien huldigen, die wir schon widerlegt haben3). Auch glaubten sie zwischen manchen Eigenschaften von Menschen und zwischen denen gewisser Thiere eine Aehnlichkeit gefunden zu haben und daraus folgerten sie, dass in den betreffenden Menschen Seelen jener Thiere wohnen. So soll im sanftmüthigen Menschen die Seele eines Schafes, im bösen diejenige eines Eaubthieres wohnen. Sie verkennen aber, dass die Substanz der Seele durch den Körper, in welchem sie wohnt, nicht verändert werden kann4). Auch suchen die Anhänger dieser Lehre sie durch den Gedanken der gerechten Weltregierung Gottes zu schützen5), endlich haben manche sie sogar in der heiligen Schrift wiederzufinden geglaubt6). — Es fällt dem Sa'adja nicht schwer, auch die Gründe, welche von der Gerechtigkeit Gottes und aus der Schrift hergenommen sind, zu widerlegen. Aber nicht nur im rabbanitischen Judenthum, sondern auch bei den Karäern wurde gegen die Lehre von der Seelenwanderung angekämpft. Von Josef al-Basir wird ihr ein besonderes Capitel gewidmet7), welches davon zeugt, mit welchem Ernst die Frage von den Mu'taziliten behandelt wurde. Josef al-Basir meint, die Anhänger der Seelenwanderung wären durch die Annahme zu ihrer Ansicht geführt worden, dass die Leiden nur dann berechtigt sind, wenn das leidende Wesen sie verdient hat. Aus diesem Grunde nehmen sie an, dass der Geist des Rindviehes einst in einem anderen Körper gesündigt und seine gegenwärtige Leiden verdient habe. Dagegen spricht aber, nach J. al-Basir, dass der Mensch gegenwärtig keine Ahnung davon hat, dass sein Geist einst in einem anderen Körper war und welche Sünden er damals begangen hat, und das ist doch unmöglich, dass er solches vergessen hätte, l; Amänät S. 207. KjJj^Ju ^j+^+Zj q^/> Milal I 136 a. vAäj .X+^V* L1& _^S=Ü! (-y8 JJ^s UL*ws Ü~JJ C5U f^L3 ^S>\ ^y> . ULäS jJls: *JjÄJuJt ^3 <_S%£>j 2) Jehuda Ilm Tibbon übersetzt i5'lä>of mit npr.j?n. Der spätere Terminus ist bvhs. Im Arab. wird gewöhnlich der Terminus äjw'uLj gebraucht. ■') Sa'adja meint, die 2—5 Theorie, die er im ersten Capitel seines "Werkes, Am. S. 41 ff. behandelt hat. Dass Dualisten der Lehre von der Seelenwanderung gehuldigt haben, sehen wir auch am Beispiele des Kahtabi. 4) Ebenso sagt Ibn Hazm in der Widerlegung der Anhänger der Seelenwanderung Milal I 36 b. y>3{ £^JJ\ jj' JutoS. ^Lis^i v^ÄJ gJjÄW yo,, (jA^jj g^äll uäJL> £i aJl 0i. ^yüt ^> Uit ^jlj^Üt Sj_j£\JJ i^oaäii »jas: &as j'wÄj *i »jaLssdl tXtaso jS> L\S> iüibü jjJ^ iLA^> ^I^äJI (j^-a-b .*&bl3 ü-c> 0L*J^i iy*^> H^iJ C5^ o&UJf ^3 lübii vJ&LÜl 0I t^^M, ^Ls aJLc iüüLs^xU yHtJ b5 j^Xii \&f>y>} „JJbtJt ä^Xjj jj^-SSÜI «^r-^ ^3 olX$>L&-»Jt v^JUaJ jj>- +\* vJLbli 5) Einwürfe, wie diejenigen des Sa'adja scheinen Ahmed b. Nänüs zur Modificirung der Anschauungen seines Lehrers geführt zu haben. ") S. Bacher, Die Bibelexegese der jüdischen Religionsphilosophen, S. 41. A. 4. ') Muht. 90a.

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