Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1895-01-01 · 13.1895 · page 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
13.1895
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2273546-2273571--0512-2274280
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 60 — gebracht. Seine Ketzerei bestand darin, dasserdie schönen Individuen einer jeden Art als die Incarnation der Gottheit betrachtet hat, so dass wenn er und seine Genossen ein Geschöpf von schöner Form sahen, bückten sie sich vor ihm, ferner hatte er die Ansicht, dass wenn Jemand nach seiner Weise Gott erkannt hat, so sei ihm Alles erlaubt.— Die Hulmänijja scheinen also einer pantheistischen Doctrin gehuldigt zu haben, die auch im Islam in manchen Fällen zum Libertinismus geführt hat. Es ist auch zu bemerken, dass die Darstellung al-Bagdädis dadurch an Glaubwürdigkeit gewinnt, dass nach ihm Abü Hulmän ein Perser war, denn einem solchen ist der Dienst der Creatur sehr wohl zuzutrauen. Ai-Bagdädi erzählt auch, er habe mit einem Anhänger der Hulmänijja eine Unterredung gehabt, der für seine Ansichten sogar Koränverse ins Treffen zu führen gewusst hat, und dass er ihm die Unsinnigkeit seiner Ansichten nachzuweisen gesucht habe. — Ich vermuthe, dieser al-Hulmäni sei mit dem bei Juda Hadassi und Ahron ben Elia identisch1). Die frommen Kädi's werden gewiss gründlich dafür gesorgt haben, dass die libertinistischen Anschauungen verschwinden und daraus wird es wohl zu erklären sein, dass nach den späteren Berichten die Hulmänijja nur weit, irgendwo hinter Aethiopien oder im hohen Norden, dicht an der Grenze des «Jägüg und Mägüg zu finden seien. Sehlus S. Immer mehr schwinden nach Maimonides die Spuren des Kaläms aus der jüdischen Literatur. Die Juden in den christlichen Ländern sind auf die hebräischen Uebersetzungen arabischer Werke angewiesen und solche sind in Folge des Urtheils des Maimonides nur von den Philosophen angefertigt worden. Wer hätte es auch für der Mühe werth gehalten, sich nach den Werken der „Medabberim", wie sie in der hebräischen Literatur nunmehr hiessen, umzusehen, oder sie gar zu übersetzen2). Eine Ausnahme bilden manche Schriften al-Gazali's, was er aber nur den Makäsid zu verdanken hat. Aber auch in den Ländern des Islams kümmerte man sich nicht mehr um den Kaläm. In Jemen, wo die Autorität des Maimonides schon in seinem Leben eine ausserordentliche war, geht alles den Weg, welchen der „Führer" gewiesen hat. Abü Mansür al-Damäri, der Verfasser des homiletischen Werkes3) „Nur alzulm" lässt in einem Dialoge den Mutakallim und den Philosophen ihre Ansichten aussprechen4). Es handelt sich im Dialog hauptsächlich um den Vorwurf des Maimonides, den er den Mutakallimün machte, dass sie in ihrer Beweisführung ohne Rücksicht auf die Natur der Dinge nur ihrer Phantasie folgen und um den Beweis dessen, das der blinde Glaube, der nur der Autorität folgt, nicht genüge5). Natürlich siegt der Philosoph, der damit schliesst, dass es den Mutakallimün genügt, was Maimüni am Schlüsse des ersten Theiles vom „Führer" ihnen gesagt hat. Der Mutakallim studirt dann bei dem „Forschenden" Philosophie. — Die Bemerkungen Simon Düräns über den Kaläm gehen auf Maim. und Averroes zurück. Von diesen stammt die Verurtheilung des Kaläms6) obwohl er in der Begründung derselben von Maim. in merkwürdiger Weise abweicht7). Von Averroes stammt auch Einiges in der Polemik gegen den Islam8). J) »as*? wäre dann aus 'aaSn oder wa^n geworden. 2) Levi ben Gerson sagt "t nian'ra ed. Leipzig, S. 152, Tvyvnth* r.a nvtm omp'SK r.jn nscS uax;* Sy lsoeyn «Si ib -jus j»k T2Ti ir.ia nna m*pnn n»n» n6i nson nra ]»yab tosnn HKiaa ort nijnn ihn »a nStnjroni. 3) Eine Bearbeitung des Werkes und Auszüge aus demselben bat der selige AI. Kohut geboten in Proceedings of the tnird biennial Convention of the Jewish Theological Seniinary^Association, New-York 1892. 4) Das. Appendix, S. XXXV ff. 5) Vgl. Bachja's Herzenspflichten, Einleitung. 6) matt pa ed. Livorno 3 a. ') Das. zhyn vrva nsian ann tya onw ntv n»ana ww na«»» n»wj? nnana »"kh ronnra c^pS »im;>m. H) \xy\ nrp ed. Steinschneider S. 9. Hebr. Beil. zum Magazin für die Wiss. d. Judenthums 1881. Zu S. 18, wo Sure 24,35 angeführt wird, vgl. Maf. VI, p. 393 ff. S. auch Kaufni. Attr. S. 209. Zu S. 24 X^pjt <y Al-Igi S. 12.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.