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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1895-01-01 · 13.1895 · page 46

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
13.1895
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 46)
Language
German
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— 45 — ■oben ausgeführt haben, ist die Entstehung des Kalams anders zu erklären, wir werden aber Gelegenheit haben zu bemerken, dass die erwähnte Wahrnehmung des Maimonides in Betreff des späteren Kalams eine richtige war. Auch die Anschauung des Maimonides scheint nicht begründet zu sein, dass es nur zufällig war, dass Eabbaniten und Karäer den Mu'taziliten sich angeschlossen haben1). Welche Schwireigkeiten hätten diese in der Erklärung der religiösen Documente zu überwinden gehabt, wenn sie As'ariten .gewesen wären! Es ist überhaupt kaum denkbar, dass die Anhänger einer Religionsgemeinschaft im Mittelalter mit einer heiligen Schrift, in denen die Schriften der Propheten Platz nehmen, einer fatalistischen Weltanschauung, wie die der As'ariten huldigen können. Auch das ist zu beachten, dass die jüdischen Mutakallimün durch Zweifel und durch die Angriffe von Ketzern zur religiösen Speculatior. getrieben wurden und sie suchten die Waffen zur Vertheidigung ihrer Lehren bei denen, die ihnen die stärkeren, vernünftigeren und zuverlässigeren zu sein schienen. Gaonen und Karäer hielten die Mu'taziliten für solche, ebenso wie Maimonides die Aristoteliker. Haben wir die Anschauung Maimüni's über die Entstehung des Kalams und über die Ursache des Einflusses, welchen der Mu'tazilismus auf die Juden ausgeübt hat, nicht annehmen können, so können wir doch seine Mittheilungen über die Lehren der Mutakallimün nur bestätigen. Auf Grund seiner Kenntniss der as'aritischen Kalam werke konnte er wohl behaupten, dass in diesen Manches der kirchlichen Literatur, Manches wieder, wie die Atomcnlehre2) und die Lehre vom „leeren Räume" voraristotelischen Philosophen entlehnt ist. Von überall her trugen sie zusammen, meint M. die Elemente ihrer Anschauungen, um nur zu einem bestimmten Resultate zu gelangen, und dabei gaben sie sich der Selbsttäuschung hin, dass sie in ihrer Denkarbeit unbefangen waren. Die alten Mutakallimün waren recht gründlich, „sie haben die Krankheit mit ihrer Wurzel entfernen wollen", und deshalb haben sie ihre Behauptungen aufgestellt, die von den Späteren mit Unrecht als unnütz betrachtet werden. Aber das Alles hilft Nichts, meint M., denn die Wirklichkeit richtet sich nicht nach unseren Vorstellungen, sondern unsere Vorstellungen haben sich nach der Wirklichkeit zu richten. Das verfassen die Mutakallimün und darum folgen sie Alle der Methode, dass sie die Schöpfung der Welt zu beweisen suchen, und dann knüpfen sie ihre Ansichten von der Einheit und Unkörperlichkeit Gottes au die Lehre von der Schöpfung der Welt. — In der That ist dies der Gedankengang aller uns zuganglichen Kalamwerke. In der Darstellung der Ansichten der Mutakallimün über das Dasein, die Einheit und Unkörperlichkeit Gottes werden wir derjenigen des Maimonides folgen, indem wir den betreffenden Beweisen die von Maimonides vorgeführten 12 Prämissen voranschicken und dieselben beleuchten, dann werden wir die an mehreren Stellen des „Führers" berührten Lehren des Kalams zusammenstellen. Die erste Präraisse der Mutakallimün ist, dass die Welt aus einzelnen Substanzen, d. h. aus Atomen besteht, die für sich keine Quantität besitzen, bei ihrer Zusammensetzung aber zum Körper werden, der eine Quantität besitzt. Zwei Atome geben nach manchen Mutakallimün zwei Körper. Die Atome sind einander vollkommen gleich und ein jeder Körper ist aus ihnen zusammengesetzt, nicht durch Vermischung, sondern nach ihrer Lage. Die Existenzformen sind: die Zusammensetzung, Auflösung, Bewegung und Ruhe. Die Vernichtung ist nach ihnen nichts anderes, als die Auflösung der Atome. Die Formulirung dieser Prämisse entspricht am meisten derjenigen, welche wir bei Al-Guwejni Imäm al-Haramejn finden8). Es ist aber selbstverständlich, dass die Atomenlehre bei den Mutakallimün J) Freilich ist nicht mit Joel und Guttmann, a. a. 0. S. 12, anzunehmen, dass dies deshalb geschehen ist, •weil die Mu'taziliten „sich von der allzusklavischen Abhängigkeit von den Lehren des Koran freigemacht hatten und •dadurch aufhörten, speeifisch-muhammedanische Religionsphilosophen zu sein". 2) Zur Gesch. des As'aritenthums, S. 101. Die Atomenlehre spielt bei Johannes Philoponus eine grosse Rolle. Bei demselben finden wir für das Atom den Ausdruck fiiptxa öuaia (s. Joh. Damasceni Opera, ed. Lequien II S. 101), welcher dem arabischen v3.ftii .Pj^Jt und dem hebr. man nsyn entspricht. Johannes Philoponus "wird auch von muhammedanischen Aristotelikem angeführt, s. Steinschneider, Alfäräbi, S. 122. :<) Irsäd 4 b. u^^ü U U**^Ug ay^*% 'iSjSÜ} £U£>3f o**^-

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