Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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— 44 — •dieser Sultan sehr rechtgläubig war und sich zur Lehre al-As'ari's bekennend, einen Eifer für die Sache der „Ahl al-hakk" hatte. Er hörte schon in Aegypten, was sich in Damaskus zugetragen hatte und als er hierherkam, kam er zusammen mit dem Sejch 'Abd al-'Aziz und ersuchte diesen, er möge ihm über die ganze Sache schriftlich Bericht erstatten. Der Sejch Hess durch seinen Sohn den Bericht fertigstellen, welcher dann von al-Malik al-Kamil durchgelesen wurde. Er merkte sich die Sache und als er mit al-Malik al-Asraf zusammenkam, sagte er ihm: 0 Fürst!1) Ich habe gehört, dass zwischen den Safi'iten und Hanbaliten in der Frage des Gotteswortes ein Streit ausgebrochen ist und dass die Entscheidung des Sultans angerufen wurde. Was hast Du in dieser Angelegenheit gemacht?" Da antwortete al-M. al-Asraf: „0 Fürst! Ich habe beiden Parteien verboten über die Frage zu disputiren." Das war das Ende des Streites. Der Bericht zeigt uns, dass manche Fragen des Kalams in den Ländern, wo Maimonides sich aufhielt, brennende Tagesfragen waren und wie die theologischen Parteien bestrebt waren, die Machthaber für sich zu gewinnen, um die Gegner unterdrücken zu können. Wir ersehen auch aus ihm, dass nicht lange nach Maim. der Sultän Aegyptens selbst ein As'arit war. Für die Ejjübiden aber ist es bezeichnend, dass wenn sie auch für die eine oder die andere Partei eingenommen waren, so waren sie zu solchen Verfolgungen in ihrem Interesse doch .nicht geneigt, wie sie in der muhammedanischen Welt zu wiederholten Malen vorgekommen sind. Unter diesen Verhältnissen werden wir es aber recht begreiflich finden, dass Maim im „Führer" seinem Schüler, oder wenn dies nur eine Einkleidungsform ist, den Denkenden seines Volkes über das System der Mutakallimün Aufschluss ertheilen wollte. Nach den angeführten Thatsachen werden wir es auch für selbstverständlich erachten müssen, dass wenn Maimonides eine systematische Darstellung des Kalams geben wollte, er zuvörderst denjenigen der As'ariten vor Augen hatte, deren Bücher ihm in Menge zugänglich waren, deren Lehre von den Sejchen in den Moscheen von Kairo vorgetragen wurde, nicht aber von den Ansichten der Mu'taziliten, die um diese Zeit wohl wenige Vertreter hatten2) und die immer mehr als ketzerische verfolgt wurden. Es bedarf wohl keines besonderen Beweises, dass Maimonides in der Lage war, die Anschauungen der Mutakallimün kennen zu lernen. Gewiss hatte er diese nicht nur aus den Schriften ihrer Gegner, der Aristoteliker gekannt, schon aus dem Grunde, weil es in Kairo unter den Muhammedanern, mit denen Maimüni zu verkehren Gelegenheit hatte, viele eifrige Anhänger des as'aritischen Kalams gegeben haben wird, bei denen man nicht mit einer aus den gelegentlichen Bemerkungen der Peripatetiker geschöpften Kenntniss des Kalams auskommen konnte. Nachdem die betreffenden Stellendes „Führers" schon dargestellt worden sind3), beschränken wir uns auf die Hervorhebung der einzelnen Puncte und weisen hin auf die Stellen uns zugänglicher Kalämwerke oder sonstiger Schriften, welche, wie wir sehen werden, die Darstellung des Maimonides vollkommen rechtfertigen. Anders verhält es sich freilich mit seiner Ansicht über die Entstehung des Kalams. Er hat die Verwandtschaft zwischen den Anschauungen des Johannes Philoponus und des Jahja Ibn 'Adi und zwischen denen der As'ariten, oder auch der späteren Mutaziliten bemerkt und dies führte ihn zur Annahme, dass der Einfluss der Kirchenliteratur die Entstehung des Kalams bewirkt hat. Wie wir j.Uas> idaLoRj!» äaxsL&j! ^cy>- jüj \^jS Jo»x> Li t^läj £J aJÜt &^>j .j»Lai?J iä5ÜL>J £±2fiiS. [»^büt XJLL*w8 ^J> £&£>\ ^ys ^XäjJaJl ^xk* Jo»i> L ^Ui v-^xJLo U Li ^jüf Die hier erzählten Ereignisse haben nur zwischen den Jahren 1228 und 1238 stattfinden können, denn die Herrschaft al-Malik al-Asrafs begann erst nach 1228 und al-Malik al-Kämil starb im Jahre 1238, da aber die Bewegungen, die hier geschildert werden, nicht plötzlich entstehen, sind die auf dieselben bezüglichen Daten wohl geeignet, den Stand der theologischen Bewegung auch zur Zeit des Mahn, zu beleuchten. 1) Aus der Stelle geht hervor, dass auch der Sultan von Damaskus den Titel iXij3» führte, nicht nur derjenige von Aegypten. Vgl. Vullers, Lexicon persico-latinum, s. v. 2) Dass es zur Zeit des Maim. noch Mu'taziliten gegeben hat, geht daraus hervor, dass Räzi, Maf. V S. 713 über ein Gespräch mit einem Mu'taziliten berichtet. •') G-uttmann, Das religionsphilosophische Sj'stem der Mutakallimün, Breslau 1885, dessen allgemeine Behauptungen aber vielfach der Berichtigung bedürfen.