Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 43)
- Language
- German
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— 42 — Moses ben Maimon. Es ist eine merkwürdige geschichtliche Thatsache, dass im westlichen Islam gegen den Kaläm,, auch gegen den as'aritischen, in den weitesten Kreisen der Bevölkerung eine Abneigung herrschte. Die biographischen Schriftsteller des muhammedanischen Spaniens, wie IbnBaskuwäl, Ibn al-Abbär, Al-Dabbi, wissen zwar viel von Exegeten, Fukahä', Asceten und Dichtern zu erzählen, aber der Kaläm hat dort keinen hervorragenden Vertreter gehabt. Der westliche Islam hatte wohl in seiner besten Zeit eine hochentwickelte materielle Cultur, aber die Erscheinungen des Geisteslebens zeigten nicht jene wunderbare Mannigfaltigkeit, wie in dem östlichen Islam1). Dies zeigt sich besonders auf dem religiösen Gebiete. In Spanien war das freie Hervortreten der ketzerischen Richtungen, wie wir es in Bagdad und Basra, wo sich Ideen verschiedener Provenienz durchkreuzten, beobachten können, durch den Fanatismus der Traditionsgelehrten unmöglich gemacht worden. Welchen Geistes diese waren, können wir am Beispiele lbn Hazms sehen. Aber eben dieser Umstand trieb die Denkenden einer viel radicaleren Weltanschauung zu, wie z. B. die der Mu'taziliten war und ihm ist es zu verdanken, dass während im Osten nach al-(jazali eine ganze Reihe von as'aritischen Dogmatikern auftritt, die Denker Andalusiens dieser Vermittelungstheologie den Rücken kehren, und der Philosophie der Peripatetiker sich zuwenden. Dem Fanatismus der Orthodoxie ist es zuzuschreiben, dass der Averroismus in Spanien erstanden ist, der dann auch in christlichen Ländern eine Quelle religiösen Freidenkerthums geworden ist.2) Aus unserer bisherigen Darstellung ergiebt sich, dass die Rabbaniten in Spanien die Lehren der Mu'taziliten in erster Reihe aus der Darstellung der Karäer kennen gelernt haben, aber manche Vorstellungen des Kaläms sind durch andere Quellen zu ihnen gedrungen. Dass ihnen der as'aritische Kaläm bekannt war, beweist das erste Capitel von Bachja's Herzenspflichten und die kurze Darlegung seiner Lehren bei Jehuda Halewi8). Doch sehen wir, dass sobald sie mit den Schriften der „Lauteren" und mit neüplatonischen oder aristotelischen Schriften bekannt werden, diese bei ihnen mehr Anklang finden. Und so beginnt mit Abraham Ibn Däwüd die Herrschaft der Aristoteliker im Judenthume, welche den Einfluss des Kaläms vollständig verdrängt. Abraham Ibn Däwüd scheint ihm noch nicht jene Antipathie entgegengebracht zu haben, wie Maimonides, Josef lbn Zaddiks Polemik wird mehr darauf zurückzuführen sein, dass er karäische Werke vor sich hatte, der scharfe Gegensatz zwischen Kaläm und Philosophie tritt erst bei Maimonides zu Tage. Schon im Mischnacommentar finden wir abfällige Aeusserungen über die erkenntnisstheoretischen Anschauungen der Mutakallimün4), über die Eintheilung der Gebote in Vernunft- und Offenbarungsgebote. Wir wissen, dass Maimonides mit einem Schüler des lbn Bäga verkehrt hat und das war eben der Kreis, in welchem Maimonides Gelegenheit hatte, die Anschauungen der Mutakallimün gründlich verachten zu lernen. In Aegypten und Syrien musste hingegen der as'aritische Kaläm um die Zeit, als Maimonides dort lebte, sehr viele hervorragende Vertreter gehabt haben und ihre Lehre wurde durch die Ejßübiden sowohl in Syrien als auch in Aegypten begünstigt. Muhammed b. Hibet Allah b. Mekki al-Hamawi, dessen Rechtsgutachten in ganz Aegypten nachgesucht wurden, schrieb für den Sultän Säläh al-Din ein Lehrgedicht (Urgüza), in welchem er den as'aritischen Kaläm darstellte und das den Titel „Hadä'ik al-fusül wa-gawähir al-usul" führte5). J) Ausfuhrlich ist dies von Goldziher in seiner ungarischen Abhandlung über die Stellung der Araber in Spanien in der Entwickelungsgeschichte des Isläms („A spanyolorszägi arabok hetye az iszläni fejlödese törteneteben". Abh. der ung. Akad. d. Wiss. 1. Sect Bd. VI Nr. 4) dargelegt worden. Characteristisch ist für die Stellung des Kaläiu.s in Spanien die Aeusserung des Ibn 'Abdal-Berr bei al-Babbi, ed. Cordera et Bibera S. 146. J^i oLsuö iXJ^ o*0"** ^5 &)3 r^55 O* j***® Z**^ (J> ***** .&£S ÄÜäÄJU, y^lf J»P5 f-UlxJi Lit», ^UiseJt Eine andere das. angeführte Aeusserung lautet: JOLc ^jjP^t J^t .5 Uyuoi gXJl. %S>^! J^l jJÜÜf* JjCs r^ÜÜf J^J LüIäaoJ jSUj y£JU 2) S. Goldziher in ZDMG. Bd. 41, S. 638. 84, 97. . fX*3t iJ \ *) S. ZDMG. Bd. 42, S. 622. 4) Einleitung zum Abotcomni I. ■') Ibn al-Subki II S. 212.