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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1895-01-01 · 13.1895 · page 32

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
13.1895
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
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— 31 — geltend, dass die Ansicht schon aus dem Grunde unrichtig ist, weil wir von uns selber wissen, dass wir uns der Schmerzen, die wir als Kinder beim Geprügeltwerden gefühlt haben, noch erinnern können. Aber damit er die Widerlegung sich nicht so leicht mache, wird von J. al-Basir noch Folgendes bemerkt. Bekr würde Recht haben, wenn die Bedingungen der Wahrnehmung und der Erkenntniss identisch wären, wenn also das Kind ebenso wenig Wahrnehmungen, als eine Erkenntniss besitzen würde. Nun ist aber zwischen der Wahrnehmung und zwischen der Erkenntniss wohl zu unterscheiden. Es ist eine Eigenschaft eines jeden lebendigen Wesens, dass es Dinge wahrnimmt, vorausgesetzt, dass es gesund ist und dass die Hindernisse, welche der sinnlichen Wahrnehmung entgegenstehen, entfernt werden. Wenn wir also auch zugeben, dass das Kind keine Erkenntniss besitzt, so sind doch alle Bedingungen der Wahrnehmung bei ihm vorhanden. Wenn aber Jemand einwenden würde, dass der Mangel an Vernunft ebenfalls ein Fehler ist, durch den die Wahrnehmung unmöglich gemacht wird, so ist darauf zu erwiedern, dass unter den Fehlern, deren Entfernung eine Bedingung der Wahrnehmungen ist, nur Fehler der Sinnesorgane verstanden werden können, deren das wahrnehmende Subject zur Wahrnehmung eines bestimmten Wahrzunehmenden bedarf. Zur Wahrnehmung ist eben ausser dem Substrate des Lebens und dem Leben noch etwas anderes nothwendig, nämlich, dass das Substrat des Lebens zur Wahrnehmung eingerichtet sei, wie z. B. das Auge und das Ohr. Freilich steht die Sache in Betreff der Erkenntniss anders. Diese ist wohl ohne Vernunft unmöglich, aber sie bedarf auch der sinnlichen Wahrnehmung, während letztere unmöglich der Erkenntniss bedarf. Wenn ich Etwas wahrgenommen habe, so habe ich es auch erkannt, wenn ich es aber nicht wahrnehme, habe ich auch keine Kenntniss davon. — Die Vernunft ist wohl eine Bedingung der Erkenntniss, aber nicht der Wahrnehmung, und es wäre eine irrige Behauptung, dass so wie zur Erkenntniss die Vernunft nothwendig ist, so sei sie auch zur Wahrnehmung nothwendig. Denn die Erkenntnisse hängen mit einander zusammen, so dass aus der einen eine andere folgt, aber unsere Speculation zwingt uns nicht, dass wir von der Mücke Erkenntniss haben und nicht von dem Elephanten, denn wir können von ihnen nur durch die Wahrnehmimg Kenntniss erlangen. Die Wahrnehmung ist aber der Weg zur Erlangung der Kenntnisse, und kein Weg führt zu ihr, sondern sie ist eine nothwendige Eigenschaft des Lebenden. Daraus folgt notwendigerweise, dass die Wahrnehmung wohl auch ohne Vernunft stattfinden kann, dass also die Kinder die ihnen zugefügten Schmerzen fühlen. An einer anderen Stelle1) macht J. al-Basir Bekr gegenber die Bemerkung: „Wisse, dass die Bosheit nicht deshalb hässlich ist, weil derjenige, der die böse That erleidet, mit Vernunft begabt ist, auch nicht, weil er ein menschliches Wesen ist, sondern weil sie (an sich) böse ist, da nun die Kinder ebenso Schmerzen fühlen wie der Vernünftige, — was ich im Gegensatze zu den Bakrija behaupte, — so folgt daraus nothwendig, dass dies mit ihm nur aus demselben Grunde geschehen darf, wie beim Vernünftigen, zu seinem Nutzen, oder um Leiden zu verhüten, denn dass das Kind die Leiden verdient ■hätte, ist ausgeschlossen". Diese Bemerkung macht dem sitÜichen Bewusstsein der Mu'taziliten alle Ehre. Zur Zeit, da in der Kirche die Lehre von der ewigen Verdammniss der ohne Taufe gestorbenen Kinder unbestritten war, haben die Mu'taziliten alles im Himmel und auf Erden nach ihrem sittlichen Urtheil bestimmt. „Was ') Mul.it. 88 a. Uf**if cjS ^lile ^^uJt a\S g^jü JlkSl 0* ^JLc^ w ^jo Joub Qt iüyCJi dji v_£L> JJbL*Jf ^JUT Jü&Jf pS'ü Us Üb a\S Jo Jsjlj auA^JL*. UJ J»ftbi| ^äiya vJjls^UO*^ 6\ _y->1ö t)3l*iu JotÄJ aJ U Jiixlt jLi=<y y5üö ^5 X+a^JLs Eine derjenigen der Bakrija ähnliche Ansicht äusserte der mu'tazüitische Dichter al-'Atawi, -wie Josef al-Basir »nB r.a>ana HS. Leiden Nr. 41. Bl. 124a, berichtet. Hier heisst es: yrvnmtewnapa rratn rna:n >a mx\ .vhy ipvn vaym «in p »a nc«i [?rt] tba ruy» jtß'V^'ntpSX mm .man na »in cna fejhxti) ^Qjpfcts man »Saa o'Ban awa» iap -n» panpn »a y»in m ^smi inaa p nnv jn b'k ni^a v? jn* xhi n»npa \b nrb ipan. Jos. al- Basirnennt also al-Atawi einen Bösewicht, weil er angenommen hatte, dass Gott den Kindern Schmerze»zufüge, ohne sie dafür zu entschädigen, lieber al-Atawi (so, und nicht Atija ist zu lesen) s. Fihrist 1180. Agäni XX S. 56ff.

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