Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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— 28 — hervorheben, wobei es sich ebenfalls zeigen wird, dass trotzdem Josef Ibn Zaddik kein Mutakallim ist, diese eigenartige Theologie des Islam auf ihn doch nicht ohne Einfluss geblieben ist. — Der vierte Abschnitt des „Mikrokosmos" zerfällt in zwei Theile, von denen der erste von Verdienst und Schuld1), der zweite vom Wesen der Belohnung und Bestrafung im Jenseits und was damit zusammenhängt, handelt. Schon die Beweisführung2) in Betreff der Pflicht, den Geboten Gottes zu gehorchen, zeigt den Einfluss des mu'tazilitischen Kaläms. Wir sind, sagt Ibn Zaddik ebenso wie die Mu'taziliten, aus Dankbarkeit verpflichtet, die Gebote Gottes zu erfüllen, die Sünde ist ein Zeichen des Undankes3) und eine Leugnung der Wohlthaten Gottes an uns. Wenn aber jemand fragt, wozu uns Gott Gebote geoffenbart hat4), so ist darauf zu erwidern, dass dies aus demselben Grunde geschehen ist, aus welchem er seine Geschöpfe geschaffen hat. Nun wird von Ibn Zaddik ausgeführt, dass alle Wesen von Gott nur zu ihrem eigenen Frommen geschaffen wurden5) und hieraus folgert er, dass dem Menschen die Gebote deshalb geoffenbart worden sind, dass er durch deren Beobachtung den Lohn des zukünftigen Lebens verdiene. Dieser Lohn kann aber dem Menschen nicht ohne Verdienste zukommen, denn dann müssten wir auch das natürlich finden, dass der Mensch ohne Schuld bestraft würde6). Auch die Frage kann gestellt werden, dass wenn Gott weiss, dass der Bösewicht ihn erzürnen und die ewige Strafe verdienen wird, wozu habe er ihn dann geschaffen. Darauf ist zu erwidern, dass das Vorherwissen Gottes den Bösewicht durchaus nicht zwingt, das Böse zu thun7), denn im entgegengesetzten Falle würde der Mensch nicht frei sein, wenn er sündigt, was die Ansicht des Gabariten ist8). Wenn aber Gott seine Geschöpfe zu ihren Handlungen zwingen würde, so wäre es nicht gerecht, den Gerechten zu belohnen und den Bösewicht zu bestrafen. Dies gliche dem Vorgehen dessen, der seinen Knecht ins Gefangniss wirft und ihm dann unter Androhung der Todesstrafe befiehlt, er solle am andern Tage in einer viele Parasangen entfernten Stadt sein. Dies wäre gewiss eine Gewalttätigkeit, Gott aber tlmt kein Unrecht9), sondern es folgt nothwendig aus seiner Weisheit und unendlichen Güte, dass er den Schlechten mit derselben Vernunft und denselben Sinnen und Mitteln ausgerüstet erschaffe, wie den Frommen, ihm dieselben Gebote offenbare und ihn die Wege der Busse lehre, damit die Anklage x) Arab. iLyczjuJ!», ^'^Jl -) Zur Definition der Sünde jap cbi$ ed. Jelliuek, S. 57, 'ui 1121 maam vsn» ncna "isian Sim nr -,en nvayn papi vgl. oben S. 24 Anm. 9. 3) S. 58. nyua m»Ban *on it thzh (1. "Diem "ndtvi) iDiaai HD»ai miayn »a*3j?o s»sw lS nKiinn nanjn .(arab. q^^lJI j^*1qO n,w"> c'J^i a'aa*? nmin» p» bzvnv w nemanm ti' »man'(arab. aU*j) Denselben Gedankengang finden wir bei Sa'adja Amänät S. 114. 119. Die Pflicht der Dankbarkeit ist bei den Mu'taziliten ein beliebtes Beispiel für die Pflichten, welche von der Vernunft geboten werden, Mul.it. 75 b. jtJ^ v.j^o ^JlxJli . «Lij^O La (j^x>J j»Ltjf (^kr"t s^**+it J^äi|s j^atUit «UJtÄil 4) S. 59 heisst es: cipa naa1-» pi nnyiam nacn lea pm »p^na pbn naaS iaa bivh pn an» nna-6 nta nx»b> ty »vn maipano. Ebenso werden bei Sa,adja, Amänät 117, die Beispiele für die „Offenbararungsgebote" bezeichnet: ^LiiÄ^lj fU^lj jjr*-*"^ U"i-^i (yA qLmJJ .J^CaäSj üUcb'L, c^AAjuf j.L{ .^O ^yi fpJ J^yüäÄ^ .^cLbJi (jaju JJ'i 5) S. 60 Z. 6 ist nach cnaiaf? das "Wort nrjr-Ai ausgefallen. °) Die Frage, weshalb Gebote geoffenbart wurden, wird auch bei Sa'adja, Am. 155 Z. 8 aufgeworfen und ebenso beantwortet, wie von Ibn Zaddik. Ueber die Abhängigkeit Jos. b. Zaddiks von Sa'adja s. Guttniann, die Philosophie des Salonion b. Gabirol S. 42 A. 5. Muht. 108 a findet sich ein ganzes Capitel darüber, warum dem Ungläubigen Gebote geoffenbart werden, das mit folgenden Worten beginnt: a-iu^t ^-y» £»*j % £y*j^. ^\ £j *JLe U-o Ii! ,Jlet #(0«JI IÄ5> Q| ^^XÄj 8) S. 60 Z. 2 v. u. »mann p nnr D'jrao nv.t? nyira maia o-mn n»n p n«i .»mann p scheint die Uebersetzung von (jrj^>Jl f>Xs* zu sein. °) Muht. 70b findet sich ein Capitel: xjLsw* jüI t_j'u.