Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
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Aus derselben Quelle stammt die Bemerkung ßachja's, dass in Betreff des Einheitsbekenntnisses Herz und Zunge übereinstimmen müssen1). Wir meinen damit nicht, dass im Judenthume vor Bachja solches nicht gefordert worden wäre, sondern, dass er durch die muhammedanische Literatur dazu angeregt wurde, es in seiner Weise auszusprechen. Manche Anschauungen, welche aus Kalämwerken stammen, hat Bachja dem Werke des Sa'adja entlehnt. Dies ist der Fall bei seiner Annahme von den vier Quellen der Erkenntniss2), bei seiner Eintheilung der Gebote in Vernunft- und Offenbarungsgebote3) und bei mancher anderen theologischen Anschauung. Von dem Einflüsse des Kalam zeugt natürlich besonders das Gapitel über das Einheitsbekenntniss, in dem wir eine Combination neu platonischer Ansichten mit Anschauungen, welche dem Kalam entlehnt sind, begegnen. Der Inhalt derselben ist schon dargestellt worden4), wir beschränken uns daher, nur noch auf einen Punct hinzuweisen. Die zweite Prämisse, nach welcher Alles, was ein Ende hat, auch einen Anfang haben müsse und das, was aus Theilen besteht, unmöglich unendlich sein kann, steht zwar mit der Annahme der Mutakallimün,dass es kein Unendliches, weder dem Räume, noch der Zahl nach geben kann, im Zusammenhange aber ihre Begründung weist auf philosophische Einflüsse hin5). Dasselbe gilt von der ersten und dritten Prämisse. Josef Ibn Zaddik. Der Umstand, dass die in Spanien bekannt gewordenen karäischen Schriftsteller der Lehreder Mu'taziliten huldigten, war, trotz des Beispiels des Sa'adja, nicht geeignet, bei den ßabbaniten für diese Schule Sympathien zu erwecken. Und so finden wir, dass diejenigen, welche den Inhalt ihres religiösen Bewusstseins systematisch zu bearbeiten bestrebt waren, ihren Wissensdurst eher an den Schriften der Ichwän al-safä, oder der muhammedanischen Aristoteliker stillten, als dass sie sich dieser auch von ihrer muhammedanischen Umgebung verdammten Schule zuwendeten. Dies gewahren wir auch bei Josef Ibn Zaddik. Dieser wird durch Maimonides mit Recht als Anhänger der „Lauteren" bezeichnet, er zeigt auch einen starken Widerwillen gegen die Mutakallimüu, deren Ansichten er vielleicht nur aus den Schriften des Sa'adja und des Karäers Josef al-Basir kannte. Nichtsdestoweniger hat er manchem Gedanken derselben unter seinen Anschauungen Platz gegeben und es steht ausser allem Zweifel, dass die letzten zwei Abschnitte seines „Mikrokosmos" seine religiösen Lehren in demselben Rahmen behandeln, in welchem sie von Mu'taziliten und den ältesten As'ariten behandelt worden sind- Während der dritte Abschnitt die Fragen des „Tauhid", des Einheitsbekenntnisses behandelt, ist der vierte den Lehren gewidmet, welche sieb auf die gerechte Weltregierung Gottes beziehen. Auf seine Abhängigkeit vom Kalam, insofern sie sich im dritten Abschnitt zeigt, ist schon von Kaufmann6) hingewiesen worden. Wir wollen daher hier nur Einiges aus dem vierten Abschnitte x) Bachja II. S. die obeu S. 16 angeführte Stellen. Al-Nasafi, Bahr al-kaläm 33 r. 0\ XäynJl Uf UüOuaxftj ^LJÜb Jj*$\ qUj^U Laif, ^Li^H., *j5yiJi ^äXi <A^>yü'i Ut Ä^ta.s>jiLJ si^xS £j }LoUo>jj v^JLälü Ich citire nach cod. Warner 6612, welche Hs. ein dogmatisches Werk des Nasafi unter dem Titel gJ! äU*wJf J^l üä>L*-ä enthalt. Das Werk ist aber, wie mir Herr Dr. Geyer, der meine Excerpte mit der Hs. der k. k. Hofbibliothek in Wien N. F. 266 zu vergleichen die Güte hatte, mittheilt, mit dem Bahr al-kaläm identisch. 2) Einleitung. 3) III, 3. 4) Schmiedl, Studien, S. 60ff. Kaufmann a. a. 0. S. 37 ff. 6) Kaufm. das. S. 40 A. 3. Eine Darstellung dieser Annahme finden wir auch bei Chasdai Crescas, Or Adonai 11, in der Behandlung derselben Prämisse des Maimonides. Schemtob b. Josef hat in seiner Erklärung zu More II, 1, Prämis. al-Gazäli's ceiorpen nuiö ausgeschrieben. Auf Schemtobs Ausführungen beziehen sich die Bemerkungen Spinoza's in seiner Ethik I Prop. 15. Scholion. c) Attributenlehre S. 259 ff., wo auch die Stellen des Compendiums von Josef al-ßasir, die J.b. Z. vor Augen hatte, angeführt werden.