Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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— 15 — Die Willensfreiheit kommt nach Sa'adja vor der Handlung zur Geltung, wo es dem Menschen noch freisteht, etwas zu thun oder zu unterlassen, denn wenn dies mit der That gleichzeitig stattfinden würde, so könnte die Freiheit ebenso eine Folge der That, wie die That eine Folge der Freiheit sein, würde aber die Freiheit nach der That zur Geltung kommen, so müsste es möglich sein, dass der Mensch das Geschehene ungeschehen raachen könnte, was aber absurd ist1). Die Bemerkung ist nur dann verständlich, wenn wir wissen, dass über die Frage der xclLx**t bei den muhammedanischen Theologen sehr viel verhandelt wurde und dass Sa'adja in dieser Frage einer mu'tazilitischen Anschauung gefolgt ist2). Die orthodoxen Theologen und auch manche von denen, die als Ketzer betrachtet worden sind, behaupteten, dass die Willensfreiheit gleichzeitig mit der That bethätigt werde, viele Mu'taziliten, dass dies vor der Handlung stattfinde, andere wieder, dass die Freiheit sowohl vor, als auch gleichzeitig mit der That zur Geltung komme. Die Ansicht des S. stimmt mit derjenigen des A bü-l-Hud ejl al-4Alläf überein. Für die Willensfreiheit hat Sa'adja Beweise, welche der sinnlichen Wahrnehmung, der Vernunft, der Schrift und der Tradition entnommen sind. Der erste Beweis ist, dass der Mensch es an sich selbst erfährt, dass er sich für die eine oder die andere That entschliessen kann3). Die Beweise, welche er der Vernunfterkenntniss entnimmt, sind, dass eine Handlung nicht von zwei Handelnden herrühren kann, was aber der Fall wäre, wenn Gott an den Thaten der Menschen Theil haben würde4), ferner, dass wenn die Thaten der Menschen von Gott vorher bestimmt wären, so hätten die Gebote und Verbote keinen Sinn. Auch könnten die Menschen für ihre Sünden nicht bestraft werden, vielmehr gewesen, dass so wie der Mensch, dessen natürliche Leidenschaften seine Natur besiegen, niedriger steht als das Thier, so muss auch der Mensch, dessen Natur von seiner Vernunft besiegt wird, höher stehen als die Engel, che einen solchen Kampf nicht zu bestehen haben. S. Al-Igi, S. 239. Die Bemerkung des Sa'adja über Hiob I, 6, s. John Cohn, Das Buch Hiob übersetzt und erklärt vom Gaon Sa'adja, S. 19. Die Anführungen dieser Bemerkung bei Simon Düran und Abr. Ibn Ezra das. S. 8. 15. Bacher, Abr. Xbn Ezra als Grammatiker, S. 13. Guttin ann a. a. O. S. 160 A. 1 bemerkt nicht, dass Abr. Ibn Ezra eben gegen diese Stelle des Emünöth polemisirt Die Frage wird auch im Pentateuchcommentar des Jefet ben 'Ali behandelt. S. Münk, Melanges, S. 473.!) Amänät 151. *d»yüf3 JotäiJ DUo^S ^JaxS Jotäil J^ä 0j£i Qi V^SU Äclbx*^ 0? U=ji oj]^ 2) Müal I 177 a. Xajlk t^&Xs UUÜ k\fl> <y (j*U3l v_äJU=>| s, Js^su $S ^Oüüt r^ÜGj 0Ui^f Dt ^fA XäjU> 0^)5 *J xdhxjJ 3 tJ3 «JUst jJk* DUü^f 0\ L^fvXol vi>Jläs ^y&&f ÄftjLbJt vi^ö^Äsi idxs Js£>\ Uj j»xäj LgJ XcLLäj*^ äö aJ J^f ^jd\jb vj>3 iJv^j x*Jt *axs*j JoüJi y\ 0yCü 3 L# ayä jsl\ zAkz^ti JotäJi J^ä Jouüt L$j ^jZi ^\ ÄcüaÄ**.!*! dI ^s>y c^Jüjj . . (jy*^ ji^KlSS ^jöslj Xi-Jt Jjtäit J^jS KüLiaÄ^^I ^1 ääjiIj c^Jü» . . . "&>-jJb ^sjJjItj Xi^CxJl djS ^L*ä^5l *öy>yA iJJi Jljäj (J3&\ Jf&3 ^MJvjbJi jtZ*+$\ y&i 6j£ d**sü \diaJ Jotail J^jj^Jf J^.^U JuA-^Ji jLäj *}jX r ,» i? ^» fPjüi} C5j^5 jlbxft 3s+s. j+x*3 ^Islas. £/> ^g^äj^ v\j $3 aJLb* "$\ qj^J J«*äJ^ Xftbx^i o-^' »Jj*0*^ iS***^ ' JjtäJt v3jt Das. I 179 a ist ein ganzes Capitel XcliaÄ^f La <—>b Mafätih III 17 aüjÄxJt j>^?- ' gJt JoüiJ J^3 X*Lfctf*3t 0i x^J »J^ 8) Maf. V S. 713 wird eine Bemerkung al-Gazäli's aus dem Ihjä 'ulüm al-din angeführt: >i>Iä q13 ^Uä o^JJs «5yJI voXä ^jtj JjtäJI c>jvXä JoüJl vi^xi; ^^^^5 C5^^ iß C^*^ ,gJ5 iüc vLs^ t5jt^ ^5 «^1* JoeäJLs i^jäJJ ^^Lc 4) Mubtawi Bl. 102 ff. TJeber die von mir benutzte Hs. dieses Werkes des Josef al-Ba§ir s. die Abhandlung Frankl's im V. Berichte der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, S. 5ff.