Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 13.1895
- Date
- 1895-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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— 9 — anzunehmen, ein anderer aber hat „den Sprung" angenommen1), und ein dritter behauptete, dass viele Atome mit vielen anderen Atomen zusammenfallen2). Ich habe mir den Einwurf überlegt und fand ihn trügerisch, denn die Theilung eines Dinges bis ins Unendliche ist wohl denkbar8), in actu aber nicht möglich, denn das Ding wäre viel zu klein, als dass wir etwas damit anfangen, oder es gar zertheüen könnten. Wenn nun die Zeit durch eine (gegenwärtige) Existenz nur in Gedanken, aber nicht in Wirklichkeit getheilt würde, so würde dies den Beweis als zweifelhaft erscheinen lassen, wenn aber die Existenz die Zeit in Wirklichkeit theilt, so dass dies auch bei uns stattfindet, so ist die erwähnte Behauptung keine Widerlegung unseres Beweises." Nachdem Sa'adja die Lehre von der Schöpfung aus Nichts dargelegt, werden von ihm dreizehn Ansichten über die Entstehung der Wolt vorgeführt, die er zu widerlegen sucht. Diese Anschauungen oder Elemente derselben sind zwar grösstenteils bei den alten griechischen Philosophen zu finden und es ist auch möglich, dass manche dem Sa'adja durch die Schriften des Aristoteles bekannt geworden sind, aber gewiss haben viele dieser Anschauungen auch unter den Zeitgenosson des Sa'adja Anhänger gehabt4). Von der zweiten Ansicht, nach welcher Gott die Welt mit Hülfe geistiger Potenzen geschaffen hätte5), sagt Sa'adja selbst, sie hätte auch unter den Juden Anhänger gehabt, auch die in dritter ,rU>t 4^St y5ÜLj 0^ s-y$ü Igj 0^£j 0t iUJt ^SUj Jj^o Natürlich stammt die Atomistik des Kai am auch von Demokritos, von dessen Anschauungen die Mutakallimün die Ansichten vom „Vollen und vom Leeren" (j^UM» »^LiaJ!), und von der Existenz des Nichtseienden entlehnt haben. Die Quelle scheint Arist. Metaph. I 4 zu sein. Der Name für „Atom": bl ^j^* entspricht dem gr. ämfiov. Die Bezeichnung Oä!1 ist späteren Ursprunges. Ueber die dem Demokritos entlehnten Anschauungen s. Zeller, die Philosophie der Griechen, I S. 846, 849. Gegenüber der Ansicht, dass die Privationen etwas Existirendes seien, verhält sich Sa'adja ablehnend. Hierin widersprach er der Ansicht der meisten Mu'taziliten, aber nicht aller Mutakallimün, denn die As'ariten verwarfen diese Ansicht. Die Belege hierfür s. unten im Cap. über Maimonides. An der von Guttmann a. a. O. S. 83 A. 2 angeführten Stelle des Sarastäni ist von dieser Frage gar nicht die Rede. *) Bekanntermassen die Anschauung al-Nazzäms, s. Guttmann, a. a. O. S. 43 A. 1. Die Anschauung wird von al-Bagdädi bezeugt, Fark 49 a, 54 a, Ibn Hazm, Milal II 200. <_a^»o \X*^a jj{ jlä 4 Sjäbif p^UGf DüCa r~^Jt g£u« jUI 0i ^j.hj 0\S rlkü! ^aJKä+JJ ^y* rJÄ .gJi jUJt C\£> u^Juj DUC» 2) Das scheint mir der richtige Sinn der Worte: ».^if H^3*^ 211 se^ und die Ansicht wird durch die Bemerkung Milal II 198b erklärt: j»L*j>.bU ^b ^^AjIä!{ Js^^u yi\ jü> .vX>!j 0'Xa 0by^ 0u~>Uäj ^^MM^füi 0i »JaÄÜi »Ä* lS^3 «uiMxji 0yt 3) Die Theilbarkeit der Körper bis ins Unendliche hat al-Nazzäm angenommen, Fark 53 a. "ay&'mJf *^Lutoäjf p^>b l*3x>U £j üll\ *Jb>t v5j-ä-i^ kXS1 £j+*> XjLfci ^it j.L*Jüb ajyj Ä-^VjUaä . Lgj UiLc pXxtit 4) Für das Verständniss der Stelle ist besonders lehrreich das Capitel Milal I 13 a, q5 }\3 ^y* ^le ^ibüf lX^-I» jiJ't 8;jJ»-*5 jJLxit J^cli Aus diesem erfahren wir, dass Muhammed b. Zakarijä' al-Räzi, dessen pessimistische Anschauungen auch Maimonides erwähnt (More III, 12), in seinem "Werke (*^*^> gegen welches Ibn Hazm ein besonderes Werk geschrieben hat, unter persischem Einflüsse stand. Bl. 13b heisst es: KjoU+Jj; XjJ^yJj} iUiLajjJi iüuif f&j** CS^ V**3 «uöUJt Käj&tt U|j L^-JJCvsb fX*§ viO^Vs <g}y**$\ vio^ p$ JsjLao £ju£xS{ iu^b j^JLiLäJj Sa'adja polemisirt also, wie in der Regel die Mutakallimün, gegen die Anschauung alter Gnostiker. 5) S. das Responsum in Harkavy's vswirh p-DT IV S. 199, Nr. ytv undor»*un nnwn ed. Lyck, Nr. 28. Zur richtigen Erklärung der Stelle s. Bacher, die Bibelexegese der jüd. Religionsphilosophen S. 15. 2