Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1895-01-01 · 13.1895 · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
13.1895
Date
1895-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2273546-2273571--0455-2274223
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 3 — wurde unabhängig von ihm in neuerer Zeit von A. v. Kremer1) insofern bestätigt, als auch Kremer „die Wissenschaft des Kaläms" unter dem Einflüsse der Lehren der orthodoxen Kirche entstehen lässt. In der That lassen sich zwischen den Anschauungen der Mutakallimün und denjenigen mancher Kirchenväter, wie z. B. Johannes üamascenus manche Berührungen nachweisen2), aber dies ist nur bei den späteren Mu'taziliten und As'ariten der Fall. Bei den Begründern der mu'tazilitischen Bewegung, wie Wäsil b. 'Ata, und 'Amr b. 'Ubejd, finden wir aber nichts, was mit Bestimmtheit auf den Einfluss der christlichen Dogmatik hindeuten würde. Hingegen lassen sich die Hauptpuncte der muHazilitischen Anschauungen in der voraufgegangenen jüdischen Literatur nachweisen und es gibt bestimmte Daten bei arabischen Geschichtschreibern, welche die Lehren der Mu'taziliten auf das Judenthum zurückführen. Die Hauptpuncte der Lehre der Mu'taziliten bezogen sich auf die Einheit und Gerechtigkeit Gottes3). Durch die schärfere Fassung des monotheistischen Gedankens kamen sie dazu, die Eigenschaften Gottes zu leugnen, anthropomorphistische Aeusserungen des Korans und der Tradition zu allegorisiren4)* die Ewigkeit des Korans zu leugnen5)'und durch ihre Anschauung von der Gerechtigkeit Gottes wurden sie zur Behauptung der Willensfreiheit gezwungen. Dass man im Judenthume, trotz mancher crassen Authropomorphismen des babylonischen Talmuds im Allgemeinen bestrebt war, die Anthropomorphismen zu meiden, beweisen zahlreiche Erscheinungen der Literatur von den Tikküne1 söferim bis auf die Umschreibungen der letzten Ausläufer der Targumliteratur6). Ueber die Lehre vom Geschaffensein des Korans finden wir bei Ibn al-Athir7), die Aeusserung, Bisr al-Marisi hätte die Lehre vom Geschaffensein des Koran von Gahm b. Safwan, dieser von Ga'd b. Adham, Ga'd von Aban b. Sam'än, Abän von Tälüt, dem Neffen des Lebid b. al-A'sam dem Juden entlehnt, Lebid aber lehrte das Geschaffensein der Thora nnd der erste der ein Buch darüber geschrieben, war sein Neffe Tälüt. Wir legen wie anderswo, auch hier kein Gewicht auf diese Traditionskette, wenn wir auch nicht glauben dass die Nachricht späten Ursprunges ist. So viel beweisen jedenfalls die Bemerkungen Ibn al-Athirs, dass man in manchen muhammedanischen Kreisen die Anschauung hegte, die Lehre vom Geschaffenr) Culturgeschichte des Orients unter den Chalifen, II S. 402. Ich war ebenfalls dieser Ansicht und habe ihr in einer ungarischen Abhandlung Ausdruck gegeben, bis mich die Aeusserungen niuhammedanischer Schriftsteller auf eine andere Spur führten. -) In seinem Werke „De fide orthodoxa" findet sich (Opera, ed. Lequieu II S. 127) ein Capitel Ilept roü rt iort 0eoc. Gleichsam ein Capitel i^juJt ^J*. Das. S. 263. Ilept marstag. Der Inhalt des Capitels erinnnert an den Streit der Mutakallimün qUj^I ^Jü S. 144. Ilept r&v autfiartxmg &ni Beoü Xeyoixevtov. Hier werden anthropomorphistische Ausdrücke der Schrift erklärt. Ln XII. Cap. S. 146 wird ein Stück aus dem Werke des Pseudo¬ Dionysius Areopagita nepi tu>v &siaiv ovofidztav «U-wt) angeführt. 3) A. v. Krem er, Geschichte der herrschenden Ideen des Islams, S. 27 ff. Houtsma, De strijd over het dognia in den Islam tot op al-Ash'ari, S. 42 f. 55 f. 4) Allerdings finden sich solche Erklärungen auch bei den Kirchenvätern, aber zur Leugnung der Eigenschaften Gottes konnten die Mu't. unmöglich unter christlichem Einflüsse kommen. 5) Diese Anschauung vom Geschaffensem des Gotteswortes kann nicht christlichen Ursprunges sein. Johannes Damascenus bespricht in den Fragmenten seiner Atdke^tg SapaxrjvoS xai Xpumavoü (Opera II S. 466 u. ff.) auch die Frage, was unter dem „Gottesworte" zu verstehen sei. Er gibt dem disputirenden Christen den Rath, er solle den Saracenen zum Eingeständnisse bringen, dass Christus im Koran iteu/ia xai Aoyog Ssoü genannt wird (Sure III 34, IV 169, XIX 35) dann frage er ihn, ob der Logos geschaffen sei, oder nicht, „rä l&yta xuptou xttaxd etat» äxrtora; raüra ydp TtpoßdXXovzut .... &£Xo>Teg äizodsi^at xrunöv elvat xov Xo^ov tom ©eoö onep 6ux iartv. Daraus folgt, dass von den Muhammedanern, mit welchen dieser Kirchenvater zu verkehren Gelegenheit hatte, die Ewigkeit des Koräns geleugnet wurde, aber auch, dass wenn die Muhammedaner Etwas von den Kirchenvätern entlehnt haben, so war es die Lehre von der Ewigkeit des Gotteswortes, nicht aber die Lehre der Mu'taziliten vom Geschaffensein des Korans. Auch die Ansichten, welche von Joh. Dam. im Capitel nepi mariuig S. 263 ausgesprochen werden, stehen im Widerspruche mit der Ansicht Wäsil b. 'Atä's. 6) S. die Bemerkungen Geiger's, Jüdische Zeitschrift IX S. 96ff. Maybaum, die Anthropomorphismen und Anthropopathien bei Onkelos, S. 8 ff. Jahrbücher für protestantische Theologie Bd. XYII S. 262 ff. 7) Al-ta'rich al-kämil z. J. 240, ed. Büläk VII 26. ^SJ\ <^fcJf ^^c^lt o^ilk aö^ij ,2Ü5*\ijJt jy&sLa Läj^Xij ojJlb -äSJJ ^Jü*o »1^5 oiJbsu Jyb p*Lo J_^--iJ» 1*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.