Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 62)
- Language
- German
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- 61 - „"Wie stolz müsste nicht ein Vorstand um sich blicken, wenn er auftreten und sagen könnte, auch in denjenigen Fällen, in welchen es sich darum handelt, solche mit Einkommen verbundene Stellen zu vergeben, bei denen es nicht sowohl auf einen an grober Arbeit gewohnten Körper, als vielmehr auf einige geistige Bildung ankommt, finden sich in der Gemeinde Männer, welche, selbst wenn sie zu weit höheren Stellen geeignet sind, doch auch die niedrigen zur Ehre der Gemeinde und der gesammten Religionsgesellschaft annehmen.* Nein, darin läge gar keine Veranlassung „stolz ran sich zu blicken"! Es darf Jacobson wohl zugegeben werden, dass ein Makler, der an der Börse ausgespielt hatte, sich zum „Beglaubten" der jüdischen Gemeinde nicht eignete, für einen Z. aber war diese Stellung hinwiederum zu niedrig, und es wäre geradezu eine Schande für die Berliner Gemeinde gewesen, wenn sie einem Manne von solcher Bedeutung keinen anderen Wirkungskreis einzuräumen vermocht hätte. Dies Gefühl scheint wohl auch auf das Votum der Majorität nicht ohne Einfluss gewesen zu sein1). In dem Schreiben, welches die Aeltesten nach vollzogener Wahl an Z. richteten, heisst es zum Schlüsse". „ Uebrigens ist es der ebenso wahrhaftige wie innige Wunsch unseres Collegii und jedes einzelnen Mitgliedes desselben, jede sich nur irgend darbietende Gelegenheit eifrigst walu-zunelrmen, um Urnen eine Ihrer würdige Stellung zu conferieren"(?). Und ebenso nachdrücklich wird in der „Berichtigung14, welche der Vorstand am 20. Juli infolge eines Angriffes in der „Allgem. Zeitung des Judentums" vom 13. Juni ebendaselbst veröffentlichen liess, auf die Unangemessenheit dieser Stellung hingewiesen und zum Schlüsse noch hervorgehoben, dass der Vorstand sich um so weniger von dem Vorwurfe des Berichterstatters, verdienstvolle Männer nicht zu achten, getroffen fühle, „als er bereits früher Gelegenheit gehabt hat, dem Herrn Dr. Zunz seine persönliche Teilnahme zu beweisen, und die Majorität desselben nicht minder als die Minorität von dem Wunsche beseelt ist, der Thätigkeit dieses Gelehrten ein würdiges Feld anweisen zu können." Das Jahr 1837 ging nicht zu Ende, ohne dass der Vorstand diese seine öffentliche Kundgebung zur That gemacht hatte. Schon am 31. Juli erschienen die Herren J. Levy und W. Meyer bei Zunz, um ihm die Mitteilung zu machen, dass ihm der Vorstand die Leitung des neu zu errichtenden Seminars für jüdische Lehrer zu übertragen beabsichtige. Es hatte aber damit folgende Bewandtnis. Das bisherige Seminar der Talmud-Thora-Stiftung genügte schon vom Tage seiner. Gründung nicht2) den Anforderungen, die an eine solche Anstalt gestellt werden müssen. Aber trotzdem die verfehlte Einrichtung dieser Anstalt dem Gemeinde-Vorstände nicht unbekannt war3), konnte und wollte er sich doch nicht zur Re-!) Diese Vermutung stützt sich nicht blos auf spätere Aeusserungen des Vorstandes, sondern auch auf eine Thatsache aus dem März desselben Jahres. Denn schon am 31. März 1837 hatten die Mitglieder des Schulvorstandes Wolters, Meyer, J.Moser und Levy dem Vorstande d. jiid. Gemeinde den Antrag unterbreitet, das sogenannte Seminar der Thalmud-Thora zu schliessen und ein neues Seminar im Anschlüsse an die Knabenschule unter der Leitung Zunzens zu eröffnen. 2) „Auf Antrag des Vorstandes der Thalmud-Thora vom 10. Sept. 1833 wegen Gründung einer Bildungsanstalt für jüdische Lehrer, ist derselbe unter dem 25. desselben Monates und Jahres aufgefordert worden, den Enichtungsplan und den Etat der Anstalt einzureichen. Der Vorstand der Thalmud-Thora hat dieser Aufforderung nicht genügt, gleichwohl aber die Anstalt eröffnet, Lehrer bei derselben angestellt und einem bei dieser Anstalt beschäftigten, als Oberlehrer bezeichneten Schulamts-Candidaten Moritz Loebell ein zum öffentlichen Gebrauch bestimmtes Zeugnis am 17. d. J. ausgestellt u Aus einer Zuschrift des Provinzial-Schul-Collegii an den Vorstand der Thalmud-Thora vom 18. Nov. 1836. 3) In dem Bericht der Vorsteher der Gemeindeschulen an den Vorstand der jüd. Gemeinde vom 7. Dee. 1835 können die Berichterstatter „nicht verhehlen, dass das Seminar in seinem gegenwärtigen Zustande in vielen, besser mündlich zu entwickelnden Beziehungen sehr unvollkommen, und so lange nur als interimistisch zu betrachten ist, als ..... Vgl. für diese ganze Darstellung Acta d. jüd. Gemeinde, betreffend das Seminar, Jahr 1835, Littr. S, No. 353.