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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 61

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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IRI
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— 60 — für die Sache der Juden erschienen Ebenso lauteten die Briefe von Jos. Schulze, Varnhagen und Alex, v. Humboldt. Hengstenberg verfolgte mich in seiner L. Z., und berliner Juden, die mir es nicht genug danken könnten — so heisst's in dem Briefe eines achtbaren Gemeinde-Gliedes — haben mir gedankt, nicht ganz wie G. Riesser, sondern auf eine andere Manier: statt der Geschenke und Ehrenbezeugung haben sie mich abgewiesen zur Verwunderung selbst der Christen, die es vorher für unmöglich nachher für niedrig erklärten. Aber warum bin ich ein Gelehrter, für welchen .... Juden keine Sympathie haben? Ist ja für mich gesorgt, wenn ich nur immerzu Bücher schreibe, die mich ernähren. Schade nur, dass die Litteratur nicht wie die Zuckerhüte durch Dampf produzirt wird, und dass diejenigen, die also reden, weder meine Bestrebungen unterstützen noch meinen Unterricht suchen, weder, meine Bücher lesen noch sie kaufen. Man sieht mich nicht auf ihren B'illcn und ich koste nichts von ihrem Wein« Die offenen Hände und die offenen Tafeln sind für Comödianten und Kriecher. Ueberdies hat ein Liebhaber von Hasenbraten mich für keinen guten Jüd erklärt, weil ich a) von jeher Leben und Geisteskräfte für die Juden verwende, b) infolge dieser Treue — die zu erschüttern es nie an Anlass und Aufforderung gemangelt hat — ohne Amt bin, c)----d) mehr weiss als die guten Jüden, e) nicht mit einem Sohn prahlen kann, der Professor geworden, weil er sich hat taufen lassen. — Indessen ich kann mich ja auch taufen lassen, dann erhalte ich Ämter und Ehrenstellen, und die guten Jüden wären dann meine ersten und besten Freunde. —......Auch hier hasst mich eine Partei, weil ich ihr an Unwissenheit und Schlafngkeit nicht gleich zu kommen vermag: ich könnte ihren unreinen Absichten sowie ihrem Glänze hinderlich werden. Dass vornehmlich diese Leute gegen mich gearbeitet haben, ist mir hinlänglich bekannt. Ich habe jeden Schritt vermieden, der so aussehen könnte, als solle er Stimmen erobern oder entziehen. Namentlich habe ich meinen Freund, Herrn J. M. nirgend verdrängt, und nur solche Herren gesprochen, von denen mir bekannt war, dass sie ohne mein Zuthun mir gewogen waren. Ob Herr M., der mir eine Stelle zu bewirken mich schriftlich versichert hat, mir Stimmen abwendig zu machen gleichfalls vermieden hat, habe ich Grund zu bezweifeln. Vermuthlich aber bestehen in solchen Geschicklichkeiten die rechten und unleugbaren Verdienste um Juden und Judenthum.- Solche kann ich freilich nicht aufweisen, und wiewohl ich einen Band füllen könnte mit den mir gewordenen öffentlichen und brieflichen Lobeserhebungen, so habe ich doch noch kein Programm davon gedruckt- Vielleicht wäre es am gerathensten, ich ändere meinen Lebensberuf, werde Collecteur oder Ignorant, dann würde ich schon im Rathe der Weisen sitzen, hätte Geld und mithin auch Freunde. — Wenn auch Religion und Philosophie trösten und erheben, so bilde ich mir nicht ein, dass deren Kraft sich überall an mir bewähre. Darum verberge ich weder diese meine Gefühle noch schäme ich mich ihrer. Mögen andere sich schämen! Ist ein bttteres Wort mit untergelaufen, so haben Sie Nachsicht, denn ganz kann die Empfindung nur von einem gleichen Standpunkte aus beurtheilt werden. Aber kaum werde ich hinzuzufügen nötig haben, dass für Sie, hochzuverehrender Herr, mich der lebhafteste Dank durchdringt, indem ich wohl beherzige, wie Sie von höheren Interessen geleitet, an dieser Angelegenheit . Theil nehmen, der Ausgang Ihnen daher wohl leid sein wird. Doch gewiss ist es so recht: vielleicht zu allgemeiner Besserung. Und dass ich an Sie diese Zeilen richte, bitte ich als einen Beweis des Zutrauens und der Hochachtung zu betrachten, mit der ich die Ehre habe zu sein etc. So zutreffend auch manches in diesem Briefe sein mag, in der Sache selbst war Z. nicht im Rechte. Vor allem hatte sich die Minorität nicht ruhig vom Kampfplatze zurückgezogen, wie Z. liier klagt, sondern zwei ihrer Mitglieder hatten die ßechtsgiltigkeit des Beschlusses bestritten und ihre Unterschrift verweigert „unter Vorbehalt einzulegenden Protestes"'). Der Führer der Majorität Joel Wolff Meyer sah sich dadurch veranlasst, schon am 19. Mai eine ausführliche Begründung seines Votums zu den Akten zu geben, worauf sodann auch Jacobson, als Führer der Minorität, seine gegenteilige Ansicht in weiterer Ausfünrung schriftlich darlegte und den Akten einverleiben Hess. Aber war denn das Amt eines „Beglaubten" so geartet, dass man es überhaupt einem Manne wie Z. auch nur anbieten durfte? Z. hatte offenbar keine genaue Kenntnis von den Obliegenheiten dieses Amtes, wie sie in der den Akten beigefügten „Instruktion für den Beglaubten der jüdischen Gemeinde Berlin" aufgeführt sind; aber die Vorsteher mussten sie haben, und es ist darum kaum zu begreifen, wie Jacobson in der Begründung seines Votums sagen konnte: J) Vgl. Acta d. jüd. Gemeinde, betreffend: das durch den Tod des Isaias Isaac Jaffe erledigte Amt eines Beglaubten etc. Jahr 1837, Litt. B. No. 393.

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