Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 60)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273569--0435-2274202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 59 — arbeitung eines Gutachtens über die Namen der Juden aufgefordert. Schon am lö. Oktober') überreichte er dem Gemeinde-Vorstände sein Gutachten, das sodann am 7. Dezember in Buchform mit dem Titel „Namen der Juden" ausgegeben -wurde.2) Er erhielt dafür vom Vorstände ein Honorar von 200 Thlr. und erntete von allen Seiten die freudigste Anerkennung. Da er nun auch die Leitung der Bibelübersetzung, zu der er von Veit schon am 5. März aufgefordert worden war, am 1. Mai übernommen hatte, so fühlte er sich wenigstens vorläufig so befriedigt, dass er am 24. Oktober den Antrag zur Uebernahme eines Amtes bei der Gemeinde in Metz ohne weiteres ablehnte3). Aus solcher Stimmung heraus schrieb er am 20. November an Fischel in Prag, dass er zufrieden sei, an Wessely eo. die, dass er in Berlin zufrieden und heiter lebe und am 21. ejusdem an S. M. Ehrenberg, dass er keiu Misanthrop werden würde. Aber diese zufriedene Stimmung hielt nicht lange an. Seine durch die vielen Lobeserhebungen der letzten Zeit gesteigerte Hoffnung auf irgend eine amtliche Stellung bei der Gemeinde, durch die er dauernd von seinen Subsistenz-Sorgen befreit werden könnte, wollte sich nicht erfüllen; er war in der Hauptsache noch immer auf den kargen Ertrag seiner litterarischen Thätigkeit angewiesen. In dieser Bedrängnis entschloss er sich am 24. April 1837 den Rat seiner Freunde M. Jacobson, R. S. Gumpertz und D. J. Riess zu befolgen und sich um die durch den Tod Isaac Jaffes erledigte Stelle eines „Beglaubten"4 (föS3) bei der jüdischen Gemeinde zu bewerben. Seine Freunde hatten ihm damit, wie es auch gekommen wäre, einen schlechten Dienst geleistet. Zunächst erwies sich ihre Voraussicht, dass ihm die Stelle nicht entgehen könne, als eine falsche. In der entscheidenden Sitzung des Vorstandes stimmten nur Jacobson, Lehmann und Benda für Z., während Meyer, Burg, Meyer LT. (Joel "VVolff) und Behrend den Makler Isaac Moser wählten. Die Erbitterung, die sich in Folge dessen des bedrängten und ohnehin leicht erregbaren Mannes bemächtigte, brachte ihn völlig aus dem Gleichgewichte, und er gewann seine Ruhe erst wieder, nachdem er folgenden Brief an M. Jacobson geschrieben hatte: An M. Jacobson, 22. Mai 37. Ein Ew. bekannter Herr (D. J. R.) äusserte vor 4 Wochen, dass wenn ich nicht den Posten eines Beglaubten erhielte, es zu einer Revolte in der Gemeinde käme und er mache den Anfang. Ich sehe jedoch von Beiden nichts. Man hat sich am 18. d. vom Kampfplatz ruhig zurückgezogen und es dem Gerücht überlassen, mir den Erfolg meiner Bewerbung bekannt zu machen nach der bekannten Erfahrung, dass 1 Feind thätiger ist als 10 Freunde. — Als die Verordnung gegen die jüd. Namen erschien, war grosser Lärm unter den Juden, obwohl Niemand sich rührte. Mein Buch erschien, und ringsum erscholl das Lob meines Muthes, meines Ficisses u. s. w. Es hiess, die Juden in Preussen hätten bei dieser Sache die Augen auf mich gerichtet: seit langer Zeit sei kein so vortreffliches Buch J) Dass er sich aber doch schon früher mit der Materie beschäftigt hatte, beweist folgende Notiz seines Tagebuches zum 2. Juli 1834: „Mündliche Anzeige an Buchhändler Levy, dass ich eine Arbeit über die jüdischen Namen vorhabe." 2) Er überreichte das Werk R. S. Gumpertz, dem es gewidmet war, mit folgendem Begleitschreiben: Berlin 9. Dec. 36 (roa m). »Zu H213n rnty und rt3fön r03n überreiche ich Ihnen beifolgendes Büchlein, welches unter mehreren Namen auch den Ihrigen enthält und also schon hierdurch einen Werth hat. Ich wünsche, dass Sie noch lange im Stande seien, die Vorschrift tfyty) naV 13 JVJffi an demselben zu erfüllen, da dies ein Beweis heiterer Stimmung und kräftiger Augen sein würde. Aber auch wenn Sie gar nichts darin lesen, vergessen Sie wenigstens einen der darin vorkommenden Namen nicht, den des mit Hochachtung und Liebe Ihnen zugethanen Z.« Femer überreichte er je ein Exemplar den Herren: M. Jacobson, Geh. Ob. Regierungsrath Dr. J. Schulze, Prof. N e.a n d e r, W. B e e r, A. v. H u m b o 1 d t, Varnhagen v. Ense, Prinz v. Schönaich-Carola t h (dessen Bekanntschaft er in Franzensbad gemacht hatte). 3) Nach einer Notiz seines Tagebuches. Näheres über die Qualität des Amtes und darüber, von wem der Antrag ausgegangen, konnte ich nicht erfahren. .... 8*