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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 59

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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IRI
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— 58 — eine ngm in modernem Styl gehalten hat, eine Predigt halten. Aber für so viele Leistungen hat der gute Dr. Sachs kein Geld, kein Silber, keine Kuchen, keine Möbel, bis jetzt nicht einmal einen Besuch des Herrn Präsidenten erhalten. Mittwoch Abend kam der Dr. Sachs hier an; ich ging noch am selben Abend in den Kaufmanns-Verein, um Herrn L. von der Ankunft des Dr. Sachs in Kenntniss zu setzen. Was möchten Sie nun erwarten, dass Herr v. L. zur Aufnahme des Dr. S. sogleich für Vorbereitungen traf? „Lieber Dr. Wessely", war seine Antwort, „während der Krönungszeit bin ich kein Präsident, und will ich auch nichts vom Gultus wissen. Verwenden Sie sich an Pollak." — Mit dieser Antwort ging ich weg, ohne ihm ins Gesicht g—ckt zu haben. — So blieb nun der Herr Dr. Sachs bis zum Dienstag der kommenden Woche bei mir, ohne dass sich jemand um ihn, um seine Wohnung kümmerte. Und da ich mich überhaupt nicht gern zum Sündenbock, am wenigsten aber zum Narren des Vereins möchte gebrauchen lassen, so drang ich endlich darauf, dass doch etwas für den Dr. Sachs geschehen möchte, worauf ihm Herr Kuh eines der Zimmer der Madame Löw, neben Willners einräumte, welches er mit seiner Schwester bis jetzt bewohnt. — Sie sehen also, wie wenig Prag seine Natur verläugnet. Prag bleibt eine rimn TJ?, und ich bleibe dabei .... Das Verderben liegt auch tiefer, als in den Oberjuristen öder dem besoldeten Vorstande, und ich würde es dem Referenten über Prag in dem letzten Hefte der Geigerischeh Zeitschrift gerne verzeihen, dass er meiner so hinwerfend erwähnt, ja ich würde ihm sogar seine Anerkennung meiner gültigen Ansprüche auf Hombergs Stelle erlassen haben, wenn er nur eben diesen tiefer liegenden Grund der hiesigen Verderbtheit gehörig eruirt und beleuchtet hätte, als dessen nothwendige Folgen jene so tief gesunkenen und verfallenen Institute hier angesehen werden müssen. — Landau hat allerdings resignirt, und scheint sich besondern in der Rolle eines Augustus zu gefallen. — Wie. ernst es.'ihm mit dieser Resignation sei, können Sie nun schon daraus entnehmen, dass wenige Tage, nachdem er resignirt hat, eine Bittschrift gerichtet an das Präsidium der Regierung, auf die Veranlassung des Oberjuristen Kauders zur Unterschrift bei den einzelnen Vereinsmitgliedern cirkulirte, in welcher gebeten wird, dass das Präsidium die Resignation des Herrn L. nicht annehmen möge, indem der Abgang eines solchen Mannes, dessen Ruf als tiefer Forsche rund Gelehrter im In- und Ausland rühmlichst anerkannt ist, und dessen Verdienste um die Israeliten-Gemeinde in Prag allseitig gewürdigt werden, unersetzlich sei etc. (wörtlich). Und sollten Sie es glauben, dass dieses Gesuch, wie man mir versicherte,- über 80 Unterscriften hatte? — Kann eine tiefere Erniedrigung gedacht werden? — Nun genug von den hiesigen Angelegenheiten. Ich zweifle, ob Sie Geduld genug haben werden, meinen uhzusammenhängenden und schlecht geschriebenen Brief ganz durchzulesen, wiewohl Ihre Geduld durch Daren 9monatlichen hiesigen Aufenthalt sich ja so bewährt hat. Indessen was Sie nicht lesen, wird die liebe Frau Doktorin lesen, uid vielleicht trägt es dazu bei, sie in ihren jetzigen Verhältnissen heiterer zu stimmen (da ein gewisser Missmuth in ihren wenigen Zeilen nicht zu verkennen ißt), wenn sie das Treiben hier in der Ferne hört. Da Lud. Pollak bei meiner Abreise von hier nach Marienbad, noch in Polen war, so konnte ich früher hinsichtlich der Dmen von Rapoport überschickten Schriften nichts verfügen. — Doch hat sie nun Pollak bereits vor einigen Tagen über Dresden nach Leipzig geschickt. Wenn Sie selbige nicht schon erhalten haben, so können sie gewiss nicht lange mehr ausbleiben. Leben Sie recht wohl1, bleiben Sie gesund und heiter, und behalten Sie lieb Ihren Sie verehrenden und mit ganzer Seele ergebenen Die liebe Frau Doktorin grüsse ich vielmal, ich denke Do»:. Wessely. viel an sie mit Liebe und Freundschaft. Am 8. Juli 1836 war Z. wieder in Berlin. Man kam ihm-hier von allen Seiten aufs freundlichste entgegen. D. J. Eiess forderte ihn am 22. Juli auf, ihn wöchentlich einige Male zu besuchen, wofür er sich zu einem jährlichen Grehalte von 300 Thlr. auf drei Jahre verpflichtete1). Am .5. August wurde er vom Gemeinde-Vorstande in Hinblick auf die bekannte königliche Kabinetsordre, welche den Juden die Führung christlicher Namen verbot, zur Aus-!) Zunz notirt in seinem Tagebuche: „Ich habe ihn in allem 100 mal besucht, zuletzt am 6. Januar 1838". — Zum 25. Januar 1838 notirt er: „D. J. R i e s s zeigt mir schriftlich und höflich an, dass ich ihn nicht ferner mit meinen Besuchen zu unterhalten brauche: D-yVH p "Anansr "7n2- Mein Nachfolger bei ihm heisst Dr. Cohn". " . .

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