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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 58

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 58)
Language
German
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IRI
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— 57 — An L. v. Lämel in Prag. 17. Mai 36. Hochgeehrtester Herr! Da ich unter den obwaltenden Umstanden keinen Wirkungskreis hier habe und mit meinem nutzlosen Verweilen niemandem gedient sein kann, so wünsche ich, dass der löbliche Vereins-Ausschuss mir freistelle, vom 1. Juni ab zu beliebiger Zeit von Prag wieder abzureisen, ohne dass ich dadurch irgendwie benachtheiligt werde. Bei dem Antheil, den Euer Wohlgeb. so gütig war, an meinem Interesse zu nehmen, darf ich wohl auch folgendes geltend machen. Wegen der abweichenden Umzugszeit in Berlin bin ich genöthigt, eine Wohnung daselbst schon vom 1. Juli zu nehmen und behufs der Einrichtung gehen meine Sachen schon den kommenden Monat dahin ab, so dass ich nachher hier ohne Bücher, Möbel und Hausgeräthe bin. Ferner erheischen meine Gesundheitszustände eine Badereise, und ich würde das Gegentheil einer Cur gebrauchen, wofern ich unter den beschriebenen Umständen noch Monate hier zubrächte. Daher würde ich's Euer Wohlgeb. besonderen Dank wissen, wenn Sie diese Angelegenheit gefälligst beschleunigen und nach meinem Wunsche, der sicherlich Interessen und Rechte eines Dritten nicht kränkt, beendigen wollten. Möchten Sie daher Gegenwärtiges unter Ihren Herren Collegen zirculiren lassen und das Resultat mir sobald als möglich anzeigen. Mit etc. Dieses billige Verlangen wurde Z. ohne Widerstreben gewährt, und so reiste Z. am 8. Juni1) von Prag ab, und zwar zunächst nach Franzensbad, woselbst er auf den Bat des Dr. Waldek in Berlin vier Wochen zum Kurgebrauche verblieb. Whglauben diese Episode aus dem Leben Z'. mit der nachfolgenden Schilderung aus einem Briefe des Dr. Wessely schliessen zu sollen, weil sie Z\ Abneigung gegen Prag in ausreichender Weise zu erklären vermag: Prag, 18. Sept. 1836. Mein hochgeehrter Herr! 2)....................................... Dr. Sachs war der Prodromos unseres Kaisers; er kam hier den Tag vor der Ankunft des Kaisers an. Natürlich, da man mit dem Empfange des Kaisers beschäftigt war, so konnte man auf seinen Empfang nicht denken, und es würde ihm höchst wahrscheinlich noch übler, als Ihnen (der Sie wenigstens ein kaltes Zimmer getroffen haben) ergangen sein, wenn er nicht so vorsichtig gewesen wäre, grade bei meinem Hause vorzufahren und bei mir abzusteigen, und ich aus Rücksicht für ihn, und nicht für den Verein, ihn nicht mit Bereitwilligkeit aufgenommen hätte. Ich kann nicht umhin, wie wohl Sie in Ihrem ersten Briefe gegen alle den Prager Kultus und Kultusverein betreffende Mittheilungen protestirten, doch eine kleine Schilderung von diesen Verhältnissen zu geben, um Sie zu überzeugen, dass Sie eine noch viel zu gute Meinung von den Kultus-Repräsentanten hatten. — Welche tüchtige Lektion dachten Sie bei sich, haben Sie diesen Leuten, durch.Ihr würdiges und kräftiges Entgegentreten, durch die Derbheit und Schonungslosigkeit, mit welcher Sie ihr Benehmen gegen Sie und ihr Verhalten gegen das ganze Institut geisselten, gegeben; „Sie freuen sich," sagen Sie in einem Ihrer Briefe, „solchergestalt indirekt Gutes bewirkt zu haben"; die Vereinsmitglieder selbst sahen ihr Vergehen ein; mit welchem Eifer werden sie nicht die Sünden gegen Sie in der Person des neuen Predigers gut zu machen streben, ihre Ehre wieder herzustellen suchen, so dachte ich, so dachte ein jeder Andere. — Aber wie wenig sehe ich nun von allen diesen Erwartungen und Voraussetzungen verwirklicht? Sie wurden doch wenigstens von den Ihnen entgegenkommenden Pollak und Beer in Ihre Kaninchenresidenz eingeführt; Sachs würde vielleicht keine rh"h Pl'h bekommen haben, wenn er nicht zu mir Zuflucht genommen hätte. Das Silber von Jerusalem, die für Sie bestimmt gewesenen Dukaten von Lämel, die prächtige Einrichtung vom Vereinsausschusse, die Kuchen und Blumen und alle die ausgesuchten Ehrenbezeugungen, das alles für Sie bereit war, welches Sie aber durch Ihre Sprödigkeit, Ihren Eigensinn (wie sie es nannten) verscherzt haben; alles dieses,- dachte ich, wird doch dem Dr. Sachs nun zu Gute kommen, der sich solche Vergehen nicht hat zu Schulden kommen lassen. Dr. Sachs hat wirklich nichts verabsäumt, er hat jedes Mitglied des Vereins wenigstens einmal, die Präsidenten mehrmal besucht; hat am Krönungstaye in der Meiselsynagoge gepredigt, ist jeden Tag zu fiin^p gegangen und n"n schon um 5 Uhr in Schul gewesen, wird nach dem Wunsche des Vereins in der Altschule, wo auf die Anordnung des Herrn Kuh n"l vor -ßitp njppn ein gewisser p}jü2?"i J) Seine Frau war bereits am 1. Juni direkt nach Berlin gereist. 2) Von diesem Briefe hat L. Geiger a. a. 0. S. 242 einen Teil des hier weggelassenen Anfangs mitgeteilt. 8

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