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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 56

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 56)
Language
German
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— 55 — mann weiss, dass ich nur auf 3 Jahre engagirt bin. Gesuch an das Polizei-Präsidium vom 2. Juni und dessen Attest vom 25. ejusd. Aber falls ich oder meine Frau, — die für sich das Bürgerrecht hat — reist, will ich hierüber klar und beruhigt sein. — Hierbei abschriftliche Auszüge der Präliminarien vom 20. Mai d. J. — Ad b) Ich wünsche ein Amt oder auch einstweilige Anstellung von 4—G hundert Thalern, wobai mir noch Masse bleibt. Auslagen und Geschenke mir anzurechnen, den Brief an Bar rasch zu adressiren: einliegenden Brief an die Eltern nur per Stadtpost zu befördern. Sein Entschluss, Prag zu verlassen, blieb wenigstens in Berlin nicht lange geheim; er selbst schrieb darüber an J. Moser1), Michael Sachs2) und Madame Ebers3) in Berlin und an Cand. jur. Carl Solbrig in Magdeburg4) Dass sein Vorgang von manchem seiner Freunde missbilligt wurde, ist begreiflich; er hätte sich vorher, zumal er zum Zwecke der Unterhandlung persönlich in Prag gewesen, auf seine Eignung für die Stelle prüfen sollen. Es wurden ihm Vorwürfe gemacht, gegen die er sich verteidigen musste, wie folgender, im Auszuge noch erhaltener Brief zeigt: An Dr. Ascherso n. Berlin, 20. Nov. 1835. „Ich habe keineswegs meinen Beruf darein gesetzt, der — unmittelbare — Erzieher der Juden, gar der Prager zu werden. 13 Jahre privatisirte ich und, was ich gewirkt haben mag, war ein Erfolg dieses Privatverhältnisses. Predigen und drgl. kann und mag ich wohl je zuweilen, aber mein Leben setze ich nicht daran, nicht die "Wissenschaft, nicht mein und meiner Frau häusliches Glück. Für ein einzelnes, zweifelhaft wirksames möchte ich nicht ein grösseres aufopfern. Ich müsste jünger, einseitiger, eiteler, unwissender und von Gaburt ein böhmischer Jude sein, um in dieser Stellung, ja in diesem Berufe mein Lebensziel zu finden." Dass das Brot hier zweifelhaft und ich selbst bei Soi'gen heiterer und freier gelebt habe als hier. — Prag hat meine Selbstkenntniss gereift, dies allein wäre schon des Versuches werth, den ich hier mache5). Zu Beginn des Jahres 1836 machte er endlich den Leitern des Vereins die Anzeige, dass er entschlossen sei, seine Stellung aufzugeben. Das offizielle Schreiben lautet folgendermassen: An den Vereins-Ausschuss in Prag. 1. Januar 1836. Hochzuverehrende Herren! Erwägungen, die in meiner Gesinnung nicht minder als in meinen Verhältnissen ihre Begründung haben, legen mir die Nothwendigkeit auf, das von Euer Wohlgeb. mir zugedachte, wichtige Amt, nämlich 3 Jahre oder auch länger an der Spitze des allhier zu stiftenden, verbesserten Gottesdienstes zu stehen, im ganzen nicht länger als ein Jahr zu behalten. Indem ich daher Kraft der Präliminarien vom 24. Mai 1S35 § 10, wo es heisst: „Der Herr pp. ... aufkündigen^ — am heutigen Tage aufkündige, wird das zwischen dem wohllöbl. Vereine und mir angeknüpfte Verhältniss *) 19. November. Der Auszug des Briefes lautet: „Dass ich hier nicht am Platze bin und wohl leiblich und geistig untergehen Avürde. Mein Kontrakt nur auf drei Jahre. Ich hotte auf baldige Erlösung. Dass M u h r den Dr. Frankel nach Berlin haben möchte, dies würde mich freuen-. 2; Eodem die: „Ich sehne mich hier fort, er möge statt meiner kommen . 3) 2G. November: „Sie sollen mir schreiben und mich besuchen. Dass Prag widerwärtig ist und ich mehr in Berlin im Geiste lebe als hier. Sophie [die Tochter der Mad. Ebers] soll mir dort eine Stelle von monatlich 50 fl. schaffen — nicht gerade als 2*1 und dergl. — und ich will ihr zu Füssen fallen____i; 4) 23. December: „dass ich im August 183G Prag wieder zu verlassen gedenke. Weder die Verfassung des Landes noch die Natur meiner Stellung, noch das eigentliche Treiben hier verträgt sich mit meinem innersten Wesen, und der geistige bisher erstrebte Erwerb würde in meinem hiesigen Thun zu Grunde gehn. Hier ein dreifacher Sklave sein — der allgemeinen chinesischen Prinzipien, des Druckes, der auf den Juden lastet, der mit meiner Gesinnung unverträglichen Rücksichten auf religiöse Vorurteile und Rohheit — scheint' mir bei weitem ärger als die blosse Sorge für die Subsistenz. Ich ziehe freiwillig letztere vor.....u 5) Aus einem Briefe an denselben Dr. Ascherson notirt Z das Folgende: An Dr. Ascher in Berlin. 6. März 1836. „Es ist allerdings schwer, von eines dritten Gesinnung und was solche in Conflict mit gegebenen Situationen für Ergebnisse bringen muss, sich eine deutliche Vorstellung zu machen, noch schwerer in seinem Urtheile gerecht zu sein. In jedem Falle ist mir Ihre Theilnahme sehr werth. Mein Aufenthalt hier wird als Ferment wirken".

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