Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2273546-2273569--0419-2274186- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 43 — haben. Und doch that es mir herzlich leid, dass Sie im Eifer für das im Werk stehende, die Sorge für Ihre Gesundheit hintansetzten, so dass ich last besorgen muss, an der Verlängerung Ihres Unwohlseins die unschuldige Ursache zu sein. So sehr ich daher eine baldige Beantwortung meines Briefes auch wünschen muss, so darf ich doch nicht gestatten, dass hierdurch Ihre Gesundheit im Geringsten leide. Dass ich in P. mit Sehnsucht erwartet werde, — ein Ausdruck, der mich mehr schüchtern als beherzt macht — und der Verein mich zu einer provisorischen Reise dahin einlädt, muss mir sehr schmeichelhaft sein. Wäre ich in einer unabhängigen Lage, so würde ich kein Bedenken haben, einer solchen Einladung sofort nachzukommen; da dies jedoch nicht der Fall ist, so führe ich hier nur aus 2 früheren Biiefen (d. d. 18. Jan. und 22. Febr.) folgende Stellen an, um die sich alles dreht: „Andererseits verbietet etc. etc. ... aufzugeben. — Alles kommt auf Inhalt etc. etc. ... darf." — Nach den Briefen des Herrn Prof. B. musste ich glauben, a) dass ich von dem Vereine zum Prediger gewählt bin, b) dass, nachdem meine Zustimmung im allgemeinen erfolgt, der Verein mit mir contrahire, und c) ich hierauf — wie es hiess im Mai — die Reise nach P. antrete. Jetzt aber scheint man zu warten, dass ich behufs der gegenseitigen Verständigung, erst eine vorläufige Reise mache, denn definitiv kann sie ja aus doppeltem Grunde nicht sein: weil jene Verständigung noch nicht gewiss ist, und kein hiesiges Verhältnis abgebrochen werden darf. Wenn ich dessen ungeachtet bereitwillig bin, nach noa zu einer mir festzusetzenden Zeit auf 2 bis 3 Wochen Berlin zu verlassen, um eine definitive Verständigung herbeizuführen, so geschieht dies sowohl in der Überlegung, dem allgemeinen Besten zu dienen, als aus Hochachtung des YiT gegen {yarv Dass auch die freundliche Einladung einen Theil an dieser EntSchliessung hat, will ich nicht verhehlen. In der Voraussetzung, dass meine in 10 Punkten vorgetragenen Wünsche, durch gegenseitiges Einvcrständniss bei meiner persönlichen Anwesenheit, ihre Befriedigung finden werden, will ich es unerörtert lassen, dass Sic nur 2 Punkten (1 u. 10), welche beiefc mehr den Verein, als mich berühren, Ihre Zustimmung gegeben, 4 aber (4, 5, fi, 0) schwankend ausgelegt, und 4 (2, 3, 8, 9) der Zukunft vorbehalten haben. Wenn ich aber überhaupt auf deutliche, entschiedene Feststellungen dringe, so geschiehet es, weil bei der Bestimmung von Rechten und Obliegenheiten, nicht der augenblickliche Einfall, nicht die vergängliche Neigung, nicht die Stimmung des Einzelnen das Gesetz dictiren darf. Ich enthalte mich jeder Auseinandersetzung über die mir mitgethcilten interessanten Details, sowie über die Stellung des Predigers, da dies zu den mündlich abzumachenden Sachen gehört, und ich voraussetze, der Verein werde in meine Ansicht von der vorzunehmenden Reise eingehen. Denn auf längere Zeit oder gar aufs Unbestimmte kann ich ohne vorherige feste Anstellung nicht von Berlin mich entfernen; wer sich in meine Lage versetzt, wird dies nicht anders möglich finden. Seien Sie daher gütigst mein Sachwalter bei dem Vereine, sowie bei der ehrwürdigen, unbekannten Dame; sie möge es nicht falsch auslegen, wenn ich Ihrer höflichen Aufforderung nur bedingt Folge leiste: ich darf aus Eitelkeit und Eigennutz keine bestimmte Pflicht übertreten. Setzen Sie mich daher so bald als möglich von dem Beschlüsse, diese projektive Reise betreffend, in Kcnntniss; die dazwischen liegende Zeit wird der Verein mit fördernden Massregcln auszufüllen wissen. Mit vollkommener etc. etc. (Meine Adresse.) An Mannheimer in Wien. 16. April 35. Dank für dessen Mittheilungeny dass ich in 3 Wochen höchst wahrscheinlich in Prag bin, wo die Sache sich entscheiden werde. Empfehlung für die durch Saalschutz' Abreise erledigte Stelle eines Religionslehres, von M. Sachs, „von tüchtigen Kenntnissen, geistvoll, gediegener Gesinnung und kräftig, der sehr bald mit einer neuen Uebersetzung der Psalmeu auftreten wird, die wohl mehr als Gewöhnliches leisten wird." An L. P o 11 a k in Prag. 22. April 35. Antwort auf die Briefe, die ich den 5. 12. 20. d. erhalten. .....„Ich bin Ihnen recht dankbar dafür, dass sie mir Gelegenheit gegeben, eines so wackeren Mannes (Di*. Schmelkes) Bekanntschaft zu machen. Meine Abreise ist aut den 4. Mai mit der Schnellpost festgesetzt und hoffe den 6. in Prag zu sein. Dies dem Verein mitzutheilen; den Dr. Frankel hoffe ich bei einer anderen Gelegenheit zu sprechen. Die Gesinnungen in der Rede — das Gebet — des Rabb. Kohn sind trefflich. Die Schrift des Peter Beer bis jetzt nicht erhalten und daher seinen Auftrag nicht vollziehen können. Bald werde ich ihm persönlich meine Aufwartung machen. Einen Obercantor weiss ich nicht: hier bilden sich die Juden eher zu Schauspielern als zu Cantoren aus, und kann letzteres dann erst möglich sein, wenn Chorgesang in Schule und Synagoge Regel wird. — Nachschrift vom 23., dass Dr. Sch. bei uns ist. 8*