Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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— 37 — sagte er, „dass wer einen Stein in einer Synagoge von seiner Stelle brächte, das- Jahr nicht ausleben würde", und bei Gelegenheit der Trauung des jungen Kreisrabbiners Dr. Z. Frankel aus Teplitz konnte er es sich nicht versagen, den Bräutigam in der Traurede vor Neuerungen und vor dem Umgänge mit Neuerern zu warnen1). Die Regierung in Prag, welche die Frage nicht selbständig entscheiden wollte, wandte sich an die Regierungen in "Wien und Pest um Auskunft über den daselbst bestehenden verbesserten Gottesdienst. Dadurch wurde die Entscheidung zwar um volle 18 Monate verzögert, aber sie fiel um so gewisser zu Gunsten des Vereines aus. Jetzt steckte sich Landau hinter die Stände-Besitzer der Altschul-Synagoge, die er veranlasste, gegen die beabsichtigten baulichen Veränderungen in der Synagoge Einspruch zu erheben. Aber auch dieses Hindernis wurde unter wohlwollender Unterstützung der Regierung durch einen Ausgleich mit den Stände-Besitzern beseitigt. Am 12. Februar 1835, dem Geburtstage Kaiser Franz I., wurde die Altschul-Synagoge dem Vereine in feierlicher "Weise vom Magistrate übergeben, und die „Widmungsfeierlichkeit" wurde durch die vom Leitmeritzer Kreisrabbiner Dr. Z. Frankel gehaltene „Widmungsrede"-verherrlicht. Nicht so sehr die Behörde — so betont ein Korrespondent Zunzens — die bis hinauf zum Gouverneur von Böhmen in grosser Anzahl bei der Feier vertreten war, als vielmehr die "Weiherede des bei allen Parteien beliebten Dr. Frankel gab der Sache die Sanktion, die zudem durch den Tod Samuel Land au's ihren gefährlichsten Gegner verlor und darum alsbald bei jedermann in unangefochtener Geltung stand. An diesem 12. Februar wurde nun zwar beschlossen, in den gottesdienstlichen Einrichtungen des neuen Tempels über die des "Wiener „Bethauses" noch hinauszugehen, — "Wien durfte ja für die Prager nicht mustergültig sein, — zuletzt aber war man doch noch froh, dass die Behörde das. Ausmass der "Wiener Reformen gewährte, die freilich nur in einem würdigern Verhalten der Synagogenbesucher, in einer edleren Vortragsweise der Gebete und in der Zulassung der deutschen Predigt bestanden. Die anfangs hochgespannten Erwartungen einzelner Mitglieder wurden allmählich, namentlich durch die alsbald eintretende Gleichgültigkeit der Führer sehr herabgestimmt, und nur durch die Acquisitum eines Mannes wie Zunz2), mit dem kurz zuvor die Unterhandlungen begonnen hatten, hoffte man das Interesse für den zu verbessernden Gottesdienst dauernd wach zu erhalten. Diese Unterhandlungen nun sind es, die in ihren wichtigsten Stadien durch die hier folgende Korrespondenz geschildert werden sollen: Eu. Wohlgeboren! (Ohne Datum.) Es ist ungefähr ein Alonath dass ich an Sie geschrieben3). Da ich aber Ihre Adresse nicht genau wusste, hat ein Freund diesen Brief an ein berliner Handlungshaus geschickt, um denselben Ihnen zuzustellen. Da aber weder der Freund von dem Handlungshause, noch ich von Ihnen bis itzt eine Antwort erhalten, so entstehet die Vermuthung, dass dieses Schreiben Ihnen nicht zu Händen gekommen seyn dürfte, und ich wiederhole dessen Inhalt hiemit noch einmal. Das sich hier ein Verein zur Verbesserung des Synagogenritus gebildet habe, werden Sie wahrscheinlich vernommen haben. Zu diesem Behüte soll hier ein Prediger angestellt werden, und die meisten Stimmen sind für Sie. Der Gehalt ist vor der Hand jährl. mit 800 fl. convent. Münze nebst freyer Wohnung bestimmt, und die Emolumente werden mindestens 600 fl. betragen. Mit dieser Summe lässt sich hier, wo die Lebensmittel sicher um den dritten Theil im Preise niederer als in Berlin stehen, für eine genügsame Familie gemächlich auskommen. Ich spreche hier aus eigener Erfahrung. *) Aus dem eben angeführten Briefe L. Pollak's. 2) Das Anerbieten J L. Auerbach's, in Prag eine Probepredigt, und zwar unter „völliger Verzichtleistung auf jeden pekuniären Vortheil" zu halten, wurde abge^hnt. 3) Da der Inhalt des ersten Briefes hier wiederholt wird, so habe ich blos diesen zweiten Brief Beer's zum Abdruck gebracht.