Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
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— 34 — Ernst ist, — damit Sie zu Protokoll genommen werden, damit mau sich zu äussern genötigt sieht; damit Sie in der Reibe stehen. Es wäre möglich. Ich wünsche es sehr. Thun Sie es. Sie können mir alles zur Besorgung zuschicken. Adieu, lieber Z u n z. Grüssen Sie ihre liebe Frau und denken Sie freundlieh Ihres Pinhas. Dr. Pinhas in Cassel 20. Nov. 34. Dass Sie, verehrter Freund, sich meiner noch erinnern, habe ich nach einem 2jährigen Stillschweigen kaum zu hoffen vermuthet. Um desto mehr danke ich Ihnen für Ihre freundliche Güte. Ihr Zutrauen beehrt mich mit einem Antrage, den Sie mir bereits mündlich gemacht haben. Aber bewerben und in Reih und Glied mit obscuris hominibus treten, werde ich nie, mich auch nie von jüdischen d*D31S examiniren lassen. Fühlt eine Gemeinde nicht das Bedürfnis eines tüchtigen Führers und beruft sie mich nicht — von mir geht keine Bewerbung aus. Ich hatte dies, gleichfalls auf Aufforderung mehrerer sehr achtbarer Freunde, voriges Jahr in Bezug auf Darmstadt gethan; die grössten Empfehlungen gingen dorthin ab u. s. w., und Alles ist in Stocken gerathen. Auch schicke ich keine Diplome etc., meine Predigten und meine Werke sind gedruckt. Lieber will ich fortfahren ärmlich und nebenbei nützlich für die Wissenschaft zu leben, als meine Müsse und Ruhe so nutzlos vergeuden. Ueberhaupt verstehe ich es nicht mich zu einem Amte zu drängen, ich habe deren mehr weggegeben als andere je gehabt. Wer mich nicht sucht, findet mich nicht. Da sich bereits z\rei Bewerber um das seit 12 Jahren erledigte Rabbinat zu Cassel streiten, und die Gemeinde, ut fertur, zwischen beiden getheilt ist, so mag ich nicht neuen Zank verursachen. Etwas anderes wäre es, wenn die Gemeinde einstimmig mir das Rabbinat angetragen hätte, dann würde ich, — falls man über das Einzelne ins Reine kommen könnte — darin einen höheren Ruf erkannt haben. — Dass ich schon von mehreren Orten1) dergleichen Aufforderungen ererhalten habe. So hatte Z. den Gedanken, sich ausserhalb Berlins nach einer Stellung oder einem sonstigen Erwerbe umzusehen, vollständig aufgegeben; er war jetzt vielmehr bestrebt, sich in Berlin seine materielle Lage durch neue Unternehmungen zu verbessern. Am 5. December kündigte er in den Zeitungen Vorlesungen über die Psalmen an, und der verhältnismässig grosse Zuspruch2), den sie fanden, erweckte in ihm frohe Hoffnungen für die Zukunft. Auch die Anerkennung, die ihm die Aeltesten für die von ihm am 29. Dec. in ihrem Auftrage an der Bahre David Friedländer's gehaltene Leichenrede durch ein schmeichelhaftes Anschreiben und die Anweisung auf 50 Thlr. in Gold kund gaben, zeigte ihm, dass Berlin denn doch der einzige Ort war, wo er sich schlecht und recht erhalten konnte. Da wurde er zu Beginn des Jahres 1835 aus seiner Ruhe aufgescheucht durch einen Antrag des „Verein zur Verbesserung des israelitischen Cultus" in Prag, der nach langwierigen Unterhandlungen seine Uebersiedelung nach dieser Stadt zur Folge hatte. Bevor wir aber die Korrespondenz, die hierüber geführt wurde, mitteilen, soll hier über die Entstehung dieses Vereins das Wichtigste zusammengestellt werden. Am 1. März 1832 erschien in der Prager Zeitung folgende Aufforderung an israel. Prediger! „Eine edle Dame seltener Grossherzigkeit, die jedoch nicht genanut sein will, hat die öffentliche „Bekanntmachung nachstellender Aufforderung gewünscht. „Das so sehr gefühlte Bedürfniss eines durch Abhaltung deutscher Predigten sich reiner enthaltenden Gottes-Dienstes und das Blühen ähnlicher Anstalten in den Hauptstädten Wien, Pesth und 1) Im Febr. 1834 war der Consistorialrabbiner Löb Carlburg in Krefeld in hohem Greisenalter gestorben und Z u n z wurde von Vielen als Nachfolger vorgeschlagen. Ferner hatte er nach einer Notiz seines Tagebuches erst am 15. Juni ej: a. einen Antrag „betreffend die Stelle in Gothenburg" erhalten. 2) Z. notiert hierüber in seinem Tagebuche das Folgende: [„Bis zu Ende verblieben 22 Hörer: D. J. Riess, Muhr, J. Moser, Rathenau, Ullmann, Eisenberg, Gotthilf, Stud. Gans, Dr. Schönberg, Dr. Cohen, Siebe, Th i 1 enius, A y e r s t, Gumpertz, W. Meyer, Zedner, P 1 esSt ner, A. Lewin, Landsberg, Herzfeld, Sammter, Bra m]. Andere Theilnehmer und Zuhörer waren : Prof. Gans, W. Beer, H. Beer, S. Friedeberg, M. Moses, Löwensohn, Rafalowitsch, F erb er, A. Hey mann, Dr. Rosenberg, Dr. Rubo, Ascher, Leyi-Lehfeldt, Stud. J. Cohen, Lehmann, M. Wolf, M; Sachs, Marcus fei d, M. Jacobson,. L. Riess.