Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 32

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 32)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2273546-2273569--0407-2274174
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 31 — er die Pflichten, die er mit seinem Amte zu übernehmen hat, getreulich erfüllen und keiner Gewissensmeinung hierüber zu nahe treten wird. An seinem Aeusseren wüsste ich durchaus nichts auszusetzen, und ich glaube auch nicht, dass man bei seinen Vorgängern und Amtsbrüdern in dieser Beziehung verwöhnt ist. Er ist freilich kein Adonis, ich denke aber auch nicht, dass dies gefordert wird. Ich könnte Ihnen allenfalls eine Personalbeschreibung von ihm geben, wenn man mehr von ihm verlangen könnte, als dass er grade gewachsen, von mittlerer Grösse und Pockennarben abgerechnet, in seinem Aeusseren nicht das geringste Entstellende hat, was ich Ihnen mit Gewissheit und ohne zu fürchten, Lügen gestraft zu werden^ verbürgen kann. Sein Aeusseres wie sein Inneres entspricht daher vollkommen den Zwecken, die Sie mit ihm vorhaben, und ich glaube kühn behaupten zu können, dass sich die Gelegenheit, einen solchen Mann zum Rabbinate zu bestimmen und zu gewinnen, nie und nimmermehr für Darmstait finden wird. Lassen Sie sich daher durch solche erdichtete Abgeschmacktheiten nicht irre machen, und erkalten Sie nicht in dem Bestreben, diesen Mann für Ihre Gemeinde zu gewinnen, welcher die Segnungen seines Wirkens nicht ausbleiben werden, wenn ihm die Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten anvertraut wird. Bei dieser Gelegenheit verfehlt nicht sich Ihnen und Ihrer werthen Frau Gemahlin freundschaftlichem Andenken zu empfehlen Ihr ergebenster Dr. M a n h a y n. Herrn Louis Schlösser, Grossherzoglich Hessischer Kammer-Musikus in Darmstadt. Frankfurt, den 15. Juni 1834. Herrn Dr. Zunz, Wohlgeboren in Berlin. P. P. Seit dem 3. Dez. v. J. habe ich von Ihnen, hochgeschätzter Freund! nichts gesehen noch gehört, und will hotten, dass Sie mir nicht böse geworden, weil sich unsre Angelegenheit so sehr über alle Erwartung und gewiss ohne mein Verschulden in die Länge ziehet, oder gar weil Ihnen meine Antwort — auf deren Inhalt ich mich jetzt nicht mehr entsinnen kann — missfallen hat. Damals glaubte ich, Sie recht bald bei uns zu sehen, und so durfte ich Ihnen nur Verschiedenes kurz andeuten, was ich Ihnen dann mündlich deutlich auseinander gesetzt hätte. Aber leider gewahrte ich erst späterhin, dass ich noch ziemlich weit vom Ziele war. Wie hätte ich mir auch vorstellen sollen, dass die jüd. Vorsteher zu D., die so ganz für Sie gestimmt schienen, und auf mein Betrieb zur Beschleunigung der Sache aufgefordert wurden, die Dummheit und Niederträchtigkeit begehen würden, auf das Präsentationsrecht zu verzichten, und die sämmtl. Eingaben aller Aspiranten dem Grossherzogl. Ministerio einzusenden, damit, diese hohe Stelle selbst wählen möchte — wobei sie jedoch derselben Sie mit vorzüglicher Empfehlung obenan stellten. Und wras geschah? Der ungeheuere Pack Schriften, Bücher und Zeugnisse etc. blieb dort 6 Monate ruhig liegen und ging dann wieder an die Judenschaft mit der Weisung zurück: die Vorsteher sollen zuvörderst in Verbindung mit den Deputirten der Landesgemeinden (als welche sich über ihre Zurücksetzung beklagt hatten) über jedes der sich gemeldeten Subjecte ihre Ansichten und Meynungen äussern. — Dieser Juden-Congress, der sieh wohl erbaulich und schön ausnehmen mag, hat bis heute noch nicht Statt gehabt; was den Juden, die inzwischen ihr Geld dabei sparen, nicht unlieb seyn kann. Die Vorsteher, denen ich schriftlich und rmündlieh ihre Absurdität und Feigheit vorgerückt, suchen sich mit dem erbärmlichen Geschrei zu entschuldigen, das die Pharisäer und Intriguanten unausgesetzt wieder sie erhoben: vorzüglich, sagen sie, hätte ein gewisser Halle von hier1) — der einst zu Leipzig wegen Ihrer dort gehaltenen Predigt mit Ihnen gestrittea — alle Welt aufgehetzt und Alles gegen Sie einzunehmen gesucht; sie, die Vorsteher selbst, wrären grössten Theils zwar immer noch für Sie gestimmt, aber sie hätten doch dem unbändigen Lärm nachgeben und so ihre eigene Selbstständigkeit wider Willen aufopfern müssen. — So stehen jetzt die Sachen. Das Uebrige wird die Zeit lehren. — Wer jetzt Gutes wirken will, hat wahrlich einen harten Stand, und hat schwere Kämpfe zu bestehen. Davon habe ich selbst, vielleicht mehr als Viele andere, die traurigsten und bittersten Erfahrungen gemacht, und kann in dieser Beziehung meine Lebensgeschichte wohl eine Leidenskette nennen. Ein ehrlicher Mann, ein Mensch unter Menschen zu seyn — ist an sich schon schwer genug; wie vielmehr jetzt in dem gleichsam transitoiischcn Zustande unter Juden. Da muss sich der Redliche mit beständiger Selbstverleugnung aufopfern, oder — da er nicht heucheln und schmeicheln kann — untergehen. Doch genug hiervon! Ihr auftichtig ergebenster J. J o h 1 s o n. *) Ein reicher Verwandter des Dr. Wrolff zu Koppenhageu und von dessen Familie in Darmstadt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.