Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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— 29 — 20 Louisd'or zu erhalten. Unangemessen ist es, W o 1 f f in Kopenhagen zu fragen. Etwas mehr Muth, -Zutrauen und Wärme würde mich besser anregeu. Dass ich die ima zu paskenen erhalten habe, mehrere Aussichten auch in Berlin sich eröffnet (?), und ich vor Januar Gewis.sh?it haben will: Nein oder J a! im letztern Falle die förmlich bestätigte Bestallung und alsdann gute deutliche Bedingungen. Mindestens 1100 fl. Mit einem grossen Titel soll mau nicht auf milde Gaben angewiesen sein. Er möchte nach Darmstadt und alsdann mir bald schreiben. — Uber das Gutachten aus Stuttgart. — Dass Dr. Wolf f in Kopenhagen mich über alle Candidatcn erhoben hat. (Vgl. den nächsten Brief). — Ein Vierteljahr ist schon mit Steuern vorübergegangen. — Ich biete ihm diejenigen meiuer Werke an, die ihm fehlen. — Hamburg 2d. Nov. 1833. Werther Herr Dr. Z u n z! « Ich habe die unverdiente Ehre, in einer sehr ernsten Angelegenheit über einen Mann befragt zu werden, den Sie und mehr noch.Ihre Frau aufs allcrgenaueste kennen: und ich wende mich daher kurz und gut an Sic, weil ich Sie für redlich genug halte, mir entweder gar nichts oder die unumwundenste Wahrheit zu sagen. Es schreibt mir nemlich mein schriftlicher Freund der Herr Rabbiner \X o 1 f f aus Copenhagen folgendes wörtlich: _Dcr Vorstand zu Darmstadt (bekanntlich W o l f f s Geburtstadt) hat sich bei mir Auskunft über „den Herrn Dr. Z u n z erbeten, der sich unter den Candidatcn für das dortige Rabbinat gemeldet. Seine -Gelehrsamkeit lässt keinen Zweifel über seine Fähigkeiten zu diesem Posten übrig. Was er indess als „Prediger rücksichtlich seines Vortrags, als Rabbiner rücksichtlich seines bisherigen Lebenswandels ist „oder seyn kann, darüber vermag ich nicht zu urtheilen, und muss Sie daher um genauere und zwar „baldige, womöglich umgehende Auskunft bitten. Pci-sönlich, nemlich was mich angeht, könnte „ich in der That nichts sehnlicher wünschen, als diesen tüchtigen Gelehrten zu diesem, namentlich zu „diesem Amte berufen zu sehen. Allein die Scicnz ist noch keine Pastoraltheologie oder Pastoralklng- -heit — nicht mit Schlauheit zu verwechseln, sondern seid listig etc. — Zwei Predigten habe ich bisher „nur von ihm gelesen, die Geist und Gewandtheit zeigen, aber auch einen gewaltig stürmischen Redner „ankündigen, bei dem es donnert und blitzt, der mit einem Worte zu sagen, wenn er so hitziger Natur „in der Praxis wie in der Theorie ist, zum Scelenhirtcn im sich reibenden Israel nicht taugt. (Ich muss hier einschalten, dass ich anderer Meinung bin, ein eifernder Pinchas und kein kälbernder Ahron ist uns jetzt noth). „Dazu kommt, dass man ihn gehört haben muss, wie er vorträgt, d. h. ob er überhaupt „unter die bessern Prediger gezählt werden darf. (Auch über die Predigten für J. bin ich ganz anderer Ansicht als der vom Beifall der Thoren berauschte Mann). „Nun kommt, was er als Rabbiner vermag. ..In Darmstadt, wenn auch nicht in der Residenz selbst, so doch in der zahlreichen Judenschaft der Um- „gegend hat es noch etwas mit ni33"l auf sich, und es kommen dabei uicht unbedeutende m^ss» in r"in*m "fiD'X vor« Wie passt dazu unser Zu uz? Hat er sich überhaupt je hierauf gelegt und muss er „nicht etwa sein bisheriges Leben, wenn er sich darauf einlässt, Lügen strafen? — Von allen übrigen „Candidatcn, die sich meines Wissens bisher gemeldet, ist keiner, der ihm auch nur im entferntesten „Sinne, soweit ich sie kenne, an die Seite zu setzen wäre. 0 lassen Sic mich doch ja bald ein Ausführliches über ihn wissen.- So weit ich Sic .kenne, glaube ich Recht zu thuu, mich an Sie selbst zu wenden und dazu habe ich mich sogleich bei Empfang des Woltt'schcn Schreibens entschlossen. Ich hätte mich zwar auch hinter bescheidene Grimassen verstecken und die Sache ablehnen können, aber wäre dies gewissenhaft gegen miiT bbli gegen Sie? Ich habe noch hinzuzufügen, dass Wolf Ts Brief, den er mir am 30. Oktober durch Vermittlung geschickt hat, mir erst heute zugekommen ist, weswegen ich um so mehr auf eine prompte Antwort, die Sie als ein trotz Paulus deutscher Mann gewiss bereit haben, rechnen muss. Uebrigcns freue ich mich sehr, dass eine Sic so ansprechende Wissenschaft nun zugleich Ihre ganze Lebensbeschäftigung wird, und gönne deshalb den jüdischen Doctrinairs herzlich den reichen Fang. Leben Sie recht wohl und erinnern Sie sich nebst Ihrer Frau Gemahlin Ihres Sio aufrichtig schätzenden Moses Martin II aar b 1 ei eher. An M. M. Haar bleich er in Hamburg, 3. Dezember 33. Die Angemessenheit des Befragten dahingestellt, erkläre ich: Wenn ich mich zu einem Posten melde, welches in meinem Leben bis jetzt selten geschehen ist, so fühle ich mich demselben gewachsen. Ich bin überdies nicht unbekannt und meine Bewerbung um die Stelle in D. wird nicht bloss von berühmten Männern unterstützt, sondern die dortigen Vorsteher haben selbst sich mit meiaen Grundsätzen über die Leistungen eines heutigen Rabbiners einverstanden erklärt. Demnach darf ich fordern,