Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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— 28 — Verehrtester Herr Vorsteher! Ihr geehrtes Schreiben vom 30. v. M. legt mir db* angenehme Pflicht auf, Ihnen mein Urtheil über den Dr. Zunz allbier als Bewerber um die Stelle eines dortigen Lanirabbiners mitzutheilen, und ich beeile mich dem mir eben so schmeichelhaften als in jeder Hiusicht werthen Vertrauen auf das Schleunigste zu entsprechen. Herr Dr. Zunz gehört.nicht allein, wie Ihnen sein ebenso gelehrtes als geistvolles Buch über die geschichtliche Entwiekclung des jüdischen Gottesdienstes und andere Schriftstücke bewiesen haben werden, zu den gründlichsten Kennern der jüdischen und rabbinischen Litteratur, sondern man darf, ohne Lügen gestraft zu werden, sagen, es giebt ausser ihm in Europa Niemanden, der mit Hülfe anderweitiger Kenntnisse so tief in das Wesen dieses Zweiges der Wissenschaft eingedrungen ist. Wären die Ansichten über die Anstellung jüdischer Glaubensgenossen nicht so oberflächlich und gemein, als sie sich in der Regel vorfinden, so würde Herr Dr. Zunz längst schon in einer Universitätslaufbahn ein Belohnung seiner uneigennützigen Bestrebungen gefunden haben. Neben diesem wissenschaftlichen Inhalt besitzt Herr Dr. Zunz eine grosse Gabe der Beredsamkeit, die er hinlänglich iu seinem hiesigen Predigeramte bewahrt hat, und von der die gedruckte Sammlung seiner Predigten ein Zeugniss giebt. Rechnen wir zu allem diesen einen ebenso redlichen als festen Charakter, der nur der Wahrheit und keiner Intriguc zugänglich ist, und der die besten Verhältnisse aufzugeben im Stande wäre, wenn sie in Widerspruch mit den Anforderungen seines festen Sinnes kämen, so habe Izh Ihnen im Ganzen ein treues Bild der Vorzüge gegeben, die diesen Mann auszeichnen. Wenn ich einerseits dem Vorstande der jüdischen Gemeinde zu Darmstadt Glück wünschen muss, eine solche Wahl getroffen zu haben, so würde ich mich andererseits eben so freuen, durch meine aufrichtige Beantwortung der mir gestellten Fragen zu diesem Resultate beizutragen. Indem ich Ihnen übrigens, meine Herren, noch ausserdem meinen ergebenen Dank für das in mich gesetzte Vertrauen ausspreche, habe ich die Ehre mit der grössten Ergebenheit zu seyn Ew. Hoehwohlgeboreu ergebenster Berlin, den 8, November 1833. Gans. Herrn Dr. Zunz, Wohlgeboren, in Berlin. Frankfurt d. 10. Nov. 1833. In der Voraussetzung, dass Sie, hochgeschätzter Freund! wieder einige Nachricht aus Darmstadt wünschen möchten, melde ich Ihnen nach den eingegangenen Erkundigungen, dass des II. Dr. Riesser's Empfehlung dort angelangt und gut aufgenommen ist. Die Vorsteher und der H. Ministerialrath v. K., mit. welchem d. H. Stajitrath Posen dieser Tage gesprochen, sind sehr gut für Sie gestimmt. Da jene aber in ihrer üffcntl. Aufforderung einen 3monatlichen Termin bestimmt haben, der erst mit dem 12tcn d. M. abläuft, so konnten Sic ihren Vorschlag an die Staatsregicrung nicht früher einreichen: und benutzten diese Frist, um sich näher nach Ihnen zu erkundigen. Diess mussten sieder Pharisäer wegen thun, die grosses Geschrei machen. — Hoffentlich werden wir dieses Gcziefer zum Schweigen bringen und recht bald einen vollkommenen Triumph feiern. — Die Gemeinde zu Offenbach will sich dem Rabbinat zu Darmst. anschliessen; wodurch die Besoldung und Einkünfte des Rabbiners pich bedeutend vennehren werden. Jedenfalls bitte ich Sie, jetzt keine Schwierigkeit wegen des Gehalts etc. zu machen, und diese Stelle, die sich in kurzer Zeit gewiss sehr verbessert, nach geschehener Wahl unbedingt anzunehmen. Sie haben hier ein ehrenvolles Amt, einen schönen ausgebreiteten Wirkungskreis ohne grosse Anstrengung, und eine sichere lebenslängliche Versorgung unter einer sehr humanen Regierung, deren höhere Beamte sämmtlich gut gestimmt sind. Da Sic meinen Pentateueh und Katechismus wohl bereits erhalten haben, so lege ich Ihnen hier auch jene Bemerkungen bei, deren ich früher erwähnt; vielleicht sind sie Ihnen das Porto werth. Dem H. Dr. Wohlwill in Hamburg schrieb ich neulich, warum wohl die löbl. Redaction des neuen Isr. Gesangbuchs nur von zwei Liedern spricht, die sie meiner Sammlung entnommen, da es doch deren wenigstens 16 sind, worunter Einige, die ich früher schriftl. eingesandt. — J. Johlson. An Dr. Johlson in Frankfurt a. M. 3. Dez. 33. Erklärung, dass ich wartend so lange geschwiegen, aber nun ist auch der November vorübergegangen. ---Wer das Predigen überschätzt, veiTÜckt den Standpunkt der Rabbiner. Da alle gut für mich gestimmt, die Antworten von Riesser, Gans u. Rubo günstig für mich sind und der Termin abgelaufen ist — wartet man wohl auf Dr. Wolff in Kopenhagen? Ansprüche und Misstrauen dürfen nicht zu weit getrieben werden. Ein 3-1 in Darmstadt ist kein Phönix, der Maimonides Gelehrsamkeit mit den Talenten des Demosthenes und Antinous Schönheit vereinige, um vierteljährlich