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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 24

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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- 23 — Hamburg, d. .9. Oetober 1833. Heim Kriegs-Kanzlei-Sekretair Lind heim, Wohlgeboren. Wohlgeborener, Hochzuverehrender Herr! In der Hoffnung, dass Sie sich meiner von der Zeit unseres kurzen aber sehr ertreulichen Zusammentreffens in Darmstadt im vorigen Sommer noch erinnern werden, mehr aber noch in der Zuversicht, dass eine Sache, welche die geistigen Interessen unserer Glaubensgenossen, für welche uns beide ein gleicher Eifer beseelt, auch dem Worte des Unbekannten ein freundliches Gehör bei Ihnen verschaffen würde, nehme ich mir die Freiheit, mich iu einer Angelegenheit an Ew. Wohlgeboren zu wenden, an welcher jene Interessen unmittelbar betheiligt rind, und welche mir deshalb lebhaft am Herzen liegt. Durch meinen sehr werthen Freund, Herrn Johlson in Frankfurt a. M. habe ich nämlich erfahren, dass von der Besetzung des Oberrabbinats zu Darmstadt durch den Herrn Dr. Zuuz in Berlin die Rede ist, und dass Sie als Einer der Vorsteher der dortigen Gemeinde eine Stimme bei dieser Angelegenheit haben. Mehrfache Wünsche bestimmen mich, die Vollziehung jener Wahl von ganzem Herzen zu wünschen.: ich erlaube mir daher, diesen Wunsch gegen Sie, hochverehrter Herr, auszusprechen und Ihnen die hauptsächlichsten jener Gründe darzulegen. Die genaue persönliche Bekanntschaft des Dr. Zunz, die mir im vorigen Jahre in Berlin zu Theil wurde, hat mir die Ueberzengung eingeflösst, dass kaum irgend Einer mehr als er den schwierigen Anforderungen gewachsen ist, welche die gegenwärtige Zeit, die Stimmung der Gemüther, die Divergenz der Meinungen an Denjenigen stellt, welcher ein solches Amt mit Ehren und zu allseitiger Zufriedenheit der Betheiligten ausfüllen soll. Sein heller Geist, sein philosophischer Kopf, seine vielseitige gelehrte Bildung bürgen dafür, dass er den Forderungen der Aufklärung genügen, dass er jedem Forlschritte zum Besseren zugethan sein wird; die Gründlichkeit und die Liebe, mit welcher er das Studium der rabbinischen Litteratur betrieben und diese zum Gegenstande sehr bedeutender und origineller wissenschaftlicher Forschungen gemacht hat, geben aber von der anderen Seite die nicht minder wünschenswertiie Bürgschaft, dass er das Alte genau kennt und mit der nöthigen Vorsicht und Schonung zu behandeln, auch denen, die am Alten hängen, durch Sachkenntniss und Liebe zur Sache sowohl zu imponiren als Vertrauen einzuflössen wissen wird. Zudem scheint es mir eine Ehrensache der jüdischen Gemeinden Deutschlands zu sein, einem Manne, welcher sich durch seine Schrift über die Geschichte der gottesdienstlichen Vorträge bei den Juden nach dem Urtheile der Sachkenner als der Erste seiner Zeit im Fache der jüdischen Litteratur und der Kenntniss des Judenthums bewährt hat, eine würdige und wirksame Stellung in ihrer Mitte anzuweisen, auf welcher er seinen Glaubensgenossen zum Nutzen und zur Zierde gereichen könne: eine Stellung, .welche er in Preussen bei der traurigen Versunkenheit, in welcher sich dort in Folge des traurigen Verfahrens der Regierung die jüdischen Kultus-Angelegenheiten befinden, anzunehmen zu aufrichtig und zu wohlmeinend war. Sollten Ew. Wohlgeboren glauben, dass meine Empfehlung oder vielleicht die Gründe derselben auf Einen oder den Andern einigen Eindruck machen könnten, so ersuche ich sie ergebenst, Ihren Herren .Kollegen dieses Schreiben mitzutheilen. Insbesondere bitte ich Sie, mich bei dieser Gelegenheit den Herren R. Pfungst und A. F. Mayer, die ich. vor einem Jahre gleichfalls in Darmstadt zu sehen die Ehre hatte, aufs beste zu empfehlen. Vor allem aber bitte ich Sie, hochverehrter Herr, die Freiheit zu entschuldigen, welche ich mir genommen, mich in dieser Angelegenheit an Sie zu wenden und die Versicherung der aufrichtigen Hochachtung zu genehmigen, mit welcher ich verharre Ew. Wohlgeboren ergebenster G. Riesser, Dr.1) Wohlgeborener, Hochgeehrtester Herr Doctor! Das verehrliche Schreiben vom 17. d., welches Ew. Wohlgeboren an unseren Dirigenten zn richten sich veranlasst sahen, haben wir mit Wohlgefallen entgegengenommen, und Sie zufolge Ihres darin ausgedrückten Wunsches auf die Liste derjenigen gesetzt, welche sich zu der hier erledigten Stelle eines Grosshl. Oberrabbiners und Predigers gemeldet haben. Wir überlassen uns sehr gern der angenehmen Hoflnung, dass wir uns bestimmt sehen möchten, Sie dem Grosshl. Staats-Ministerium, von welchem die Ernennung des Oberrabbiners abhängig ist, als denjenigen bezeichnen und empfehlen zu können, welcher diese Stelle mitdem besten Erfolge verwalten und den Forderungen entsprechen werde, welche unsere Staats-Regierung und wir an einen Mann machen müssen, durch welchen die Verbesserung des — l) Zu dieser direkten Empfehlung war Riesser von Z. am 7. Oct. aufgefordert worden, aber er suchte ausserdem die Cändidatur Z'. auch* noch dadurch zu förderu, dass er sich durch Vermittelung des Herrn Dr. Schönberg in Berlin von den Herren Stadlrath FriedUiudcr, Philipp Veit, D. J. Riess und S. R. Gumpertz Empfehlungsbriefe für Z. erbat, die er sodann durch Herrn Dr. Weil in Frankfurt a. M. dem Vorstande in Darmstadt überreichen Hess.

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