Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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— 21 — An II. Ministerialrats v. Kuder zu Darmstadt. Frft., dem 22sten Sept. 1833. Ew. Ilochwohlgeboren haben mir durch Ihr sehr geehrtes Schreiben vom lOten ds. grosse Freude gemacht, und ich weiss meinen innigsten Dank dafür nicht genügend auszudrücken; möchte es mir vergönnt seyn, dies besser mündlich zu thun, wonn Sie einst Müsse haben, und mir dann den Tag dazu bestimmen wollen! — Ihrem hochverehrlichen Wunsche gemäss, habe ich den H. Dr. Zunz in Berlin dringend aufgefordert, sich zu der Rabbinatsstelle anzumelden, was er nun auch gethan; und ich darf der jüdischen Gemeinde zu der Aequisition dieses in jeder Beziehung sehr würdigen Gelehrten gratuliren. Um II. Dr. Zunz zu diesem Schritte zu bewegen, sagte ich ihm, er hätte nicht zu besorgen, dass man zu Darmstadt einen Paläologen mit einem Barte suchen, oder ihm, dem vielseitig Gebildeten, die. erniedrigende und seiner unwürdige Zumuthung machen würde, sich erst von irgend einem Rabbiner ein Maturitätszeugniss zu verschaffen. Wenn ich nur 10 Jahre jünger wäre, oder wenn mir Gott meine Kinder gelassen hätte: würde ich mich selbst um dieses Amt bewerben, so widrig mir auch von jeher der Name Rabbiner ist, den ich so gern mit einem schicklichem Titel vertauscht sehen möchte. — Auch machte ich dem II. Dr. Zunz die Hoffnung, dass sein Gehalt verbessert, und die Gemeinde ihm wenigstens einige hundert Gulden, als Kosten seiner Reise und Einrichtung etc. von selbst noch bewilligen werde. Denn warum sollte ein heutiger gebildeter Rabbiner, der doch zugleich auch Prediger und jüdischer Schulinspektor seyn soll, nicht besser besoldet werden, als ein ehemaliger bärtiger Müssiggänger oder Kapuziner-Affe'). — Vom lten May 1820 bis Sept. 1822 verwaltete IL Dr. Zunz dss Predigeramt zu Berlin, d. h. bis zur Zeit, wo der dortige Tempel geschlossen werden musste2); dann predigte er öfters zu Hamburg und zu Leipzig. — Eine Sammlung seiner Vorträge ist im Druck erschienen (Berlin 1823. bey Schlesinger) und 1824 übernahm er die Stelle eines Directors der Gemeindeschule. „Wohl möchte ich (heisst es in seinem Briefe) zu dem Amte eines Oberrabbiners oder Predigers der israel. Gemeinde zu Darmstadt würdig befunden werden. Ueber die Wichtigkeit dieser Stellung und deren innigen Zusammenhang mit ächter Reform habe ich mich öffentlich ausgesprochen (Ueber Gottesdienstl. Vorträge, Vorrede IX. bis XL Seite 442 u. 450 bis 453, 475 etc.) und der schon sichtbar werdende Eifer für gründlicheres Wissen des jüd. Alterthums wird allmählig auf die Kultur und die Ueberzeugung der Juden, auf Amtsthätigkeit der Rabbiner, überhaupt auf die intellectuellen Institutionen Israels grossen Einfluss üben.----Ich übergebe meine Angelegenheit ganz Ihren Händen; Sie werden, wenn der Höchste es beschlossen hat, dieselbe meinen Wünschen gemäss zu Stande bringen. Hat aber einem Bessern die Gemeinde sich zugewendet, so soll man mich ihr nicht aufdringen; denn ich suche neben St lle und Gehalt auch einen Wirkungskreis, Liebe und Vertrauen. Möge der Himmel mir solche in Ihrer Nähe erwecken!'' Ew. Ilochwohlgeboren können sich das oben augeführte Werk des II. Dr. Zunz von dem Herrn Pfungst, Mitglied des dortigen Gemeinde Vorstands, zur gefälligen Einsicht geben lassen. Uebrigens glaube ich nicht, noch etwas anders hinzufügen zu dürfen, als den unmassgeblichen Wunsch einer baldigen Entscheidung und die gehorsamste Bitte: Ew. Hochwg. wollen gencigtest im Interesse der guten Sache Ihre gütige Verwendung, wie Sie es bereits gethan, auch ferner zu Gunsten meines Freundes eintreten lassen, und die Gesinnungen der aufrichtigsten Dankbarkeit und Verehrung genehmigen, womit gezkmend verharre Ew..... An Dr. Johlson in Frankfurt a. M., 2G. Sept. 33. Ihr gestern bei mir eingegangenes Schreiben vom 22. d. verpflichtet mich zu neuem Dank. Sie handeln für mich als für einen laugjährigen Freund, oder als wären Sie mir für wichtige Dienstleistungen besonders verbunden! Doch wenn der Himmel es will, dass mir in Ihrer Nähe ein Wirkungskreis eröffnet werde, will ich Ihnen dies selber sagen. Fürchten Sie nicht, dass ich mich gegen irgend Jemand biossgestellt habe; die in meinem ersten Schreiben berührten Punkte waren nur für Sie zu etwaiger Begegnung von Schwierigkeiten. Da ich übrigens, während meines 18jährigen Aufenthalts allhier, verschiedene Ämter bekleidet und aufgegeben und bei allen Bewegungen betheiligt war, so könnte es wohl sein, dass es hier und di jüdische Personen hierselbst geben könnte, die mir abhold sind und auf etwaige Erkundigungen meine Fähigkeit oder sogenannte Frömmigkeit bekrittelten und dergl. etwa als wenn Lord Eldon ein Gutachten über Brougham zu geben hätte 9"Dr6- Dies schwebte mir vor der Seele, als ich ihnen schrieb, dass Sie mich gütigst mit etwaigen......siegreich beseitige. Weder das Judenthum noch die Gemeinde, die mich aufnimmt, werden durch mich compromittirt werden. An der sogenannten ime, die ich doch wohl erlangen könnte, biegt mir nichts, und examiniren lasse ich mich von Niemand, dazu habe ich meine Bücher gesehrieben. Beiläufig bemerke ich noch, dass mein Werk bereits in Polen ins Hebräische übersetzt ist und ich die Uebersetzung bis auf die beiden letzten Capp. schon in Händen habe; der Druck soll hoffentlich nicht lange unterbleiben. Der Rabbiner pn pn« '"1 schrieb mir vor einigen Wochen: "frOHS "2 ^31 mwn flErm nan yiwrip J) Man sieht, der Parteihass der Reformer hielt damals dem der Orthodoxen die Wage. 2) Das ist nicht genau, der Tempel wurde erst in Folge der Kabinets-Ordre vom 9. Dez. 1823 geschlossen.