Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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— 20 — selbst wenn ich zu einer höheren Stelle berufen werde, nur meine Schwächen und Mängel vor die Seele treten. Aber ich erinnerte mich, dass falsche Bescheidenheit und furchtsamer Sinn uns nicht abhalten sollen, dem Allgemeinen nützlich zu werden, wenn ehrenwerthe Männer unsern Beruf dazu anerkennen, und wenn ich gleich an Talent und Tugend vielen nachstehe, so weiche ich doch keinem an Liebe zu meinen Glaubensbrudcrn, an Treue in der Erfüllung übernommener Pflichten; mit Vorsatz habe ich in meinem bisherigen Leben nicht dawider gefehlt. Was ein Oberrabbiner in Ihrer Gemeinde zu leisten hat, ist mir im Einzelnen noch nicht bekannt, doch glaube ich zu den wesentlichsten Leistungen fähig zu sein, obwohl der rechte Wirkungskreis erst an Ort und Stelle geschaffen werden dürfte. Ich bin daher so dreist, mich zu dieser Stelle in Vorschlag zu bringen, uud ersuche demgemäss Euer Wohlgeb., auch meinen Namen auf die Liste der Bewerber setzen zu wollen. Meine religiösen Gesinnungen betreffend, so verweise ich auf meine früheren Schriften (Ueber rabbinischc Literatur 1818, Raschi 1S22, Predigten 1823, Rede auf Mendelsohn 1829, Beleuchtung des Chiarini 1S30) vornehmlich auf mein grösseres Werk: „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, Berlin 1832," das jetzt in Polen ins hebräische übersetzt wird. Vielleicht ist es ihnen nicht unlieb zu wissen, dass ich 2 Jahre (1820—22) Prediger der jüdischen Gemeinde allhier, bald dararauf 4 Jahre {1825—29) Direetor der hiesigen Gemeindeschule gewesen und längere Zeit das Ehrenamt eines Vorstehers oder Curators der jüdischen Schulanstalt bekleidet, auch jene Aemter stets freiwillig niedergelegt habe. Religionsunterricht in Privatfamilien ertheile ich noch jetzt Als mein eigener Anwalt weiss ich nun nichts mehr zu sagen; es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, dass es mein sehnlichster Wunsch ist, auf eine Weise, wie die Stelle in Darmstadt sie darbietet, einer jüdischen Gesanimtheit meine geringen Kräfte zu widmen. Ist es der Wille Gottes, so wird jener Wunsch erfüllt werden; geschieht es nicht, so ist ein Würdigerer berufen, welchem ich mit Ergebung weiche. Sollten Sie nun, hochzuverehrender Herr, mein Gesuch berücksichtigen, so wrollen Sie gütigst mich mit den Obliegenheiten jener Stelle näher bekannt machen und mit Ihrer desfalsigen Antwort beehren. Mit aller Hochachtung habe ich die Ehre zu sein Euer Wohlgeb. ergebenster. Herrn Dr. Zunz Wohlgeboren in Berlin. Frankfurt a. M., d. 22. Sept. 1833. Hochgeschätzter Herr und Freund! Ihr sehr geehrtes Schreiben vom 17ten d. macht mir wahre Freude, weil es mich hoffen lässt, Sie bald in unsrer Nähe zu haben; und diese Hoffnung ist um so gegründeter, als mir gestern noch H. Pfungst dahier (den ich ebenfalls in dieser Angelegenheit sprach, weil sein Neffe, d. II. Pfungst zu Darmstadt, Mitglied des dortigen Gemeinde-Vorstandes ist) versicherte, dass von dieser Seite keine Schwierigkeiten zu befürchten, indem der Vorstand — dem wir desshalb ein Ex. Ihres Werkes zugesandt — und das Ministerium ganz für Sie gestimmt wären. An d. H. Referenten, Freiherrn v. Kuder schreibe ich heute noch, damit er die Sache beschleunige und Ihnen, wo immer möglich, einen bessern Gehalt und einige hundert Gulden für Reisekosten etc. auswirken möchte. Denn warum sollte ein heutiger gebildeter Rabbiner, der doch auch Prediger und Schulinspector zugleich seyn niuss, nicht besser besoldet werden als der bisherige bärtige Müssiggänger oder Kapuziner-Affe? — Von Ihrem schönen Briefe aber, mein lieber Freund! kann ich durchaus keinen Gebrauch machen — -qi ircn '-."fri? TD2 — und will hoffen, dass Sie an H. Lind heim weniger submiss werden geschrieben haben. iMir können Sie Alles sine fueo sagen, lapidi dixisti — aber wozu Andere in Ihre Verhältnisse einweihen, und die Juden merken lassen, dass man ihrer bedürfe? — Diesen und Jedem) den es betrifft, sage ich vielmehr, dass ich Alles anwenden wolle, um Sie zum allgemeinen Besten zu bewegen die Stelle anzunehmen. — Die Einzelheiten Ihrer Biographie, die Sie mir gütigst mittheilen, waren zwar nicht nöthig; aber ich werde sie doch theilweise benutzen. Nur muss ich bitten, dass Sie ja keinem Andern sagen, „Sie wollten sich erst mit -m'ffl TID*K *n vertraut machen." Mit solchen uuzeitigen Äusserungen könnten wir schön ankommen! — Allerdings ht dieser Vorsatz gut u. löblich, wenn er in der Stille ausgeführt wird (besonders da ich in Ihnen einst den Frankfurter Rabbiner zu sehen hoffe — der Gegenwärtige ist ein 75 jähriger Greis —) aber die Juden müssen sich damit begnügen, dass Sie selbst sich die iy"f|ö geben, und ein etwaiges. Ansinnen, sich diesen Titel erst von einem Bärtigen geben zu lassen, wollen wir als eine erniedrigende, Ihrer unwürdige Zumuthung zurückweisen; wie auch auf mein Anrathen d. H. A. Geiger von hier, Rabbiner zu Wiesbaden gethan. Dergleichen Aumassungen und Alefanzereyen müssen ernstlich bekämpft und beseitigt werden; und ich benutze jede Gelegenheit, diese ^3 »33^ aus dem Wege zu räumen, so wie ich auch diesen Punkt in meinem Schreiben an den H. v. Kuder wohlbcdächtig einflicssen lasse. Schliesslich muss ich Urnen noch bemerken, dass obenerwähnter 11. Vorsteher Pfungst von Darmstadt geschrieben, Sie brauchten nur zu Zeiten (also nicht jeden Sabbath) zu predigen. — Verzeihen Sie, lieber Freund! meine Offenherzigkeit und seyen Sie versichert, dass ich nichts unterlassen werde, was ich zu Ihrem Besten zu thun vermag. Mit den Gesinnungen der aufrichtigsten Hochachtung verharre Ihr ergebenster Freund J. Johlson. Ist Ihnen etwa meine deutsche Uebersctzung des Pentateuchs bereits bekannt? —