Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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— 19 — dass ich Ihren Brief meinem Gönner, dem Herrn Ministerialrat v. Kuder zur Einsicht mittheilen kann. Sie könnten darin auch — wenn Sie meine Ansicht theilen — von der Uniwechslung jenes ominösen Titels sprechen. — Sapienti sat. — Es haben sich schon viele Candidaten zu der Stelle gemeldet, die aber nur der erhält, dessen Gesuch ich unterstütze: ich werde also vor Allem Ihre geehrte Antwort — der ich entgegensehe — abwarten. Herzlich würde ich mich freuen, Sie in unsrer Nähe zu haben, und Ihnen recht oft sagen zu können, wie sehr ich mit wahrer Hochschätzung bin Ihr ganz ergebenster J. Johlson. An Dr. Johlson in Frankfurt a. M. 17. Sept. 1833. Hochgeehrtester Herr! Meinen herzlichsten Dank habe ich Ihnen für Ihre mir so wohlwollende Gesinnung abzustatten! Wahrlich ich habe in dem letzten Jahre, das für mich in mancher Hinsicht eine Prüfungszeit gewesen, mehr als einen sogenannten Freund zu dem Range gleichgültiger Bekannten herabsinken sehen, als dass es mir nicht sehr wohlthuen sollte, in der Ferne freundlicher, wirksamer Theilnahme zu begegnen. Machen Sie doch in Ihrem Briefe vom 2. d. mein Interesse zu dem Ihrigen! In der That war mir der Inhalt dieses Ihres Briefes sehr angenehm, und wohl möchte ich zu dem Amt eines Oberrabbiners oder Predigers der Israelitischen Gemeinde zu Darmstadt würdig befunden werden. Ueber die Wichtigkeit dieser Stellung und deren innigen Zusammenhang mit ächter Reform habe ich mich öffentlich ausgesprochen (Gottesdienstl. Vorträge, Vorwort IX. bis XL, S. 442 f., 450—453, 475 ff.), und der schon sichtbar werdende Eifer für gründliches Wissen des. jüdischen Alterthums wird allmählich auf die Cultur und die Ueberzeugungen der Juden, auf Amtsthätigkeit der Rabbiner, überhaupt auf die intellektuellen Institutionen Israels grossen Einfluss üben. Doch ich. ertappe mich aufs Doziren, ich setze also nur noch hinzu, dass ich jene ineinandergreifenden Entwickelungen allerdings als sehr bedeutend anerkenne, mir aber auch zutraue in einem angemessenen Wirkungskreise einiges zum Besten meiner Brüder beitragen zu können, und mehr sollte der Einzelne nie wollen. Ich habe in einem heute abgehenden Schreiben an Herrn Präses p. p. Lindheim mich förmlich um jene Stelle beworben und füge zu etwaniger Unterstützung meines Gesuchs für Sie folgende Data bei: Zwei Jahre (1820 Mai bis 1822 Sept.) war ich Prediger bei der hiesigen jüdischen Gemeinde, habe auch in Leipzig und in Hamburg gepredigt; eine kleine Sammlung meiner Vorträge ist im Druck erschienen (Berlin 23 bei Schlesinger). Auf den Wunsch der Aeltesten nahm ich im Jahre 1825 eine Stelle im Curatorium nebst dem provisorischen Directorat der Gemeindeschule an; letzteres behielt ich bis October 1820, erstere bis April 1830. Der Erwerb, den ich seit 1824 hatte, hörte mit dem Ablauf des Jahres 1831 auf. Ueber alle diese Lebensverhältnisse sowie auch über den Austritt aus den verschiedenen Funktionen kann ich die ehrenvollsten Zeugnisse beibringen nnd mich auf eine grosse Anzahl achtbarer Männer in und ausserhalb Berlins berufen. Das Lehrfach übe ich seit 23 Jahren und Religionsunterricht ertheile ich noch gegenwärtig. Meine religiöse Gesinnung habe ich in meinen Predigten und übrigen Schriften kundgegeben und die rabbinischen Kenntnisse zu Entscheidungen über Verbotenes und Erlaubtes würde ich in kurzer Zeit mir vertraut machen können. Doch genug dieser biographischen Einzelheiten. Es ist ein peinliches Geschäft von sich selbst reden 'zu müssen, und Sie werden mich mit der Nothwendigkeit entschuldigen, da ich vielleicht in Ihrer Gegend ganz unbekannt bin. Die Gewogenheit des Herrn Geheim-Rath Freiherrn v. Kuder, der auf Ihre Empfehlung Schritte zu meinen Gunsten gethan, hat mich beschämt, und ich darf Sie wohl bitten, diesem Ihrem Gönner meine achtungsvolle Erkenntlichkeit ausdrücken zu wollen. Ich übergebe meine Angelegenheit ganz Ihren Händen; Sie werden, wenn der Höchste es beschlossen hat, dieselbe meinen Wünschen gemäss zu Stande bringen. Hat aber einem Besseren die Gemeinde sich zugewendet, so soll man mich ihr nicht aufdringen, denn ich suche neben Stelle und Gehalt auch einen Wirkungskreis, Liebe und Vertrauen. Möge der Himmel mir solche in Ihrer Nähe erwerben. Schreiben Sie mir ja recht bald, machen Sie mich mit etwanigen Hindernissen bekannt, damit ich selbige, wenn meine Person sie veranlasst, siegreich aus dem Wege räume; vor Allem aber behalten Sie in gutem Andenken Ihren Ihnen achtungsvoll ergebenen Freund. An Lindheim in Darmstadt. Grossherzogl. Kriegskanzlersecretär und Präses des Israelitisch. Gemeindevorstandes. 17. September 1833. Hochgeehrtester Herr! Infolge einer mir zugekommenen Nachricht, die wohllöbl. jüdische Gemeinde zu Darmstadt betreffend, bin ich so frei, mich hiermit direct an Euer Wohlgeboren zu wenden. Es wurde mir nämlich geschrieben, dass daselbst gegenwärtig die Stelle eines Oberrabbiners und. Predigers unbesetzt sei und mir der Vorschlag gethan, mich zu derselben zu melden. Obwohl ich die besten Kräfte meines Geistes der Sache unserer Glaubensgenossen in Wort und Schrift stets gewidmet habe und die Wirksamkeit eines Volkslehrers in Israel für ehrenvoll und segenbringend halte, so zagte ich doch bei dem Gedanken, mich selber zu einem solchen Posten anzuempfehlen, da ich in der Kunst, um Aemter zu erobern und eigenes Verdienst geltend zu machen, ein Neuling bin; und mir, 3*