Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2273546-2273569--0394-2274161
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

- 18 — Noch am 26. August schrieb er an Steinheim: „Ich denke nicht mehr an Anstellungen und Beschäftigung. Man vertröstet mich auf einen Ruf, aber ich bin von Reichen und Freunden verlassen." Da erhielt er am 12. Sept. von Johlson in Frankfurt a. M. die Mitteilung, dass dieser ihn für das vacante Oberrabbinat von Darmstadt an massgebender Stelle empfohlen habe. Es ist nun nicht anzunehmen, dass sich Z. unter anderen Verhältnissen um ein solches Amt, das seinen Neigungen nur wenig entsprach, beworben hätte. Zum 14. Mai 1826 findet sich in seinem Tagebuche der Vermerk: „Aufforderung an mich aus Bielefeld, ich solle mich zum Rabbinate melden, 2/a der Stimmen hätte ich bereits" — aber er meldete sich nicht. Jetzt aber drängten ihn die Verhältnisse zur Annahme jeder Stellung, vielleicht hoffte er auch, in der vom Staate geordneten Anstellung unabhängiger als sonst in einem religiösen Amte wirken zu können — genug: er ergriff jetzt mit Eifer die Gelegenheit, die ihm dauernde Befreiung von allen Sorgen und ein ehrenvolles und gesegnetes Wirken zu eröffnen schien. Leider — oder sollen wir nicht in Hinblick auf die Entwickelnng Z.' lieber sagen: glücklicher "Weise!? — kam es auch diesmal zu keinem günstigen Austrag, wie aus nachfolgender Korrespondenz hervorgeht, die wegen ihrer Bedeutung für die Charakteristik Z.' und einiger seiner Zeitgenossen, und wegen des wichtigen Beitrags, den sie zur Kenntnis der Parteiverhältnisse liefert, in extenso mitgeteilt verden soll: Herrn Dr. Zunz, Wohlgeboren in Berlin. Frankfurt a. M., d. 12. Sept. 1833. P.P. Durch Herrn Dr. Riesser in Hamburg in Kenntnissgesetzt, dass Sie, Hochgeehrtester Herr Doctor! geneigt seyen, eine Ihren Talenten angemessene Stelle in unsrer Gegend anzunehmen, säumte ich nicht, den Grossherzogl Hessischen Geheimen Ministerialrath Freiherrn vonKuder zu Darmstadt — der, als Referent in jüdischen Angelegenheiten, mich längst schon seines Vertrauens würdiget — zu ersuchen, Urnen zu einer solchen Stelle zu verhelfen; worauf er mir gestern schrieb: „Mit dem Ober-Rabbinat dahier ist ein ständiger jährlicher Gehalt von 700 Gulden nebst freier Wohnung verbunden und ein weiteres Einkommen für Casualien von mindestens 400 Gulden, dem isr. Religions-Gemeinde-Vorstand dahier ist zugestanden, wegen Wiederbesetzung dieser Stellung seine Wünsche zu äussern. Derselbe ist von dem besten Geiste beseelt, und daher sein dringendes Anliegen, einen recht tüchtigen Mann in Vorschlag zu bringen; er hat sich darum auch mit der Bitte an mich gewendet, ihn darin mit Rath zu unterstützen. — Nach Allem, was Sie mir vom H. Dr. Zunz in Berlin bemerkt haben, müsste in demselben, wenn er auch noch ansprechendes Aeussere besitzt und einnehmenden Prediger-Vortrag hat, nun vollständig jener Mann gefunden seyn; u. trachtet er nach einer solchen Stelle wirklich (worin er im Stande ist, für seine Religionsgenossen ausserordentlich viel Gutes und Erspriessliches zu stiften—) so belieben Sie, ihn ungesäumt aufzufordern, sich dessfalls an den hiesigen isr. Religionsgenieinde-Vorstand, insbesondere an dessen Präses, Grossherzogl. Kriegskanzlei-Secretair Lindheim — in der Weise zu wenden, dass er sich zur Uebernahme dieser Stelle geneigt erklärt und das Ansinnen stellt, ihn dazu in Vorschlag zu bringen. Ich habe bereits den H. Lindheim auf Herrn Dr. Zunz — nach Ihrer Empfehlung und Anpreisung — aufmerksam gemacht, auch versprochen, denselben zur bemerkten Anmeldung zu veranlassen; was ihn mir verheissen Hess, mit dem Vorschlage an die Staats-Regierung noch einige Zeit zurückzuhalten. Entspricht H. Dr. Zunz den Erwartungen — woran ich nach Ihrer Schilderung keinen Augenblick zweifle — so eröffnet sich seiner Thätigkeit ein grosses Feld und seinem Fortkommen die schönste Aussicht; und mit allem Eifer werde ich zur Bearbeitung dieses Feldes und zur Verwirklichung dieser Aussicht das Meinige, so viel an mir ist, thätigst beitragen."--- Ich schätze mich glücklich, Hochgeehrtester Herr Doctor! Wenn Ihnen diese Nachricht Freude macht und Sie diese Ihnen hiermit angebotene Stelle annehmen wollen, in der Sie nach meiner Ueberzeugung ungemein viel Gutes in dem verwaisten Israel stiften und selbst auf ganz Süddeutschlajid heilsam wirken können. Denn die Grossherzogl. Regierung ist für die Bildung und überhaupt für die Sache der Juden (deren sie circa 22000 im Lande hat) sehr gut gestimmt, und Ihre Stelle wird sich ohne Zweifel bald bedeutend verbessern. — Wäre ich nur 10 Jahre jünger, oder hätte mir Gott meine Kinder gelassen; so würde ich keinen Anstand nehmen, den vielfach an mich ergangenen Wünschen gemäss, selbst Rabbiner zu werden, so widrig mir auch von jeher dieser nichtssagende Titel war, und den ich oft schon mit „Prediger" oder „Inspector" zu vertauschen vorgeschlagen. — Bemerken muss ich Ihnen noch, dass Herr Lindheim (Grossherzogl. Kriegskanzlei-Sekretär u. Präses des isr. Gemeindevorstandes) ein Jude ist. Wenn Sie sich bei ihm zu dem erledigten Rabbinat hoffentlich recht bald — melden: so schreiben Sie gefälligst auch an mich; und zwar auf eine Weise,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.