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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 17

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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IRI
…/2273546-2273569--0392-2274159
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— 16 — Und schon am 21. Oktober verhandelte hierüber das Curatorium in Gegenwart des Kommissars des Gemeinde-Vorstandes, Herrn A. Muhr und beschloss wie folgt: „In Erwägung, dass Herr Dr. Zunz, seiner Erklärung zufolge, die ihm von den Aeltesten der Gemeinde übertragene interimistische Leituug der vereinigton Anstalten wegen seiner anderweitigen Verhältnisse nicht bestreiten kann, und es daher dringend nothwendig ist, sie von einem Anderen versehen zu lassen; dass ferner der bisher bei den beiden Anstalten beschäftigt gewesene B. Auerbach hierzu am geeignetsten scheint, wurde Letzterer persönlich vorgeladen und gab die Erklärung ab: dass er in dem Vertrauen, dass das Curatorium ihn bei der definitiven Organisation der Anstalt nicht unberücksichtigt lassen und vielmehr sich bestreben werde, ihm die seinen Kräften uud Leistungen angemessene Stelluug zu verschaffen, die interimistische Leitung der Anstalt sofort') übernehmen wolle. Hierauf wurde beschlossen, die freiwillige Resignation des Herrn Dr. Zunz anzunehmen und dem Herrn B. Auerbach die sofortige Leitung der Anstalt vorläufig auf drei Monate2) zu übertragen." So war die Direction der Gemeindeschule den Händen Z\ durch die Umtriebe „frommer" Zeloten entwunden') und einem Manne übertragen, dem, abgesehen von allem andern, selbst die notwendigste Bildung zur Leitung einer Schule fehlte. Das von der Gemeinde beliebte „Provisorium" dehnte sich — später freilich gegen ihren Willen — bis Anfang 1852 aus, und es bedurfte nachmals einer pädagogischen Kraft, wie sie A. Horwitz besass, um die Schule aus dem Sumpf zu ihrer, nachmaligen Stellung emporzuheben. Zunzens Einnahmen waren jetzt zwar um ein Beträchtliches geringer geworden, aber er verlor dennoch nicht den Mut; er verwendete seine ganze Müsse auf die Abfassung seines Hauptwerkes „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden". Der Fachmann wird ermessen können, mit welchem Fleisse Z. bei aller seiner Genialität und Gelehrsamkeit in dieser Zeit gearbeitet haben musste, wenn er erwägt, dass Z., wie oben bemerkt, erst im August 1829 den Entschluss zur Ausarbeitung dieses Werkes gefasst hat, dessen Subscriptionsanzeige dennoch bereits am 31. Okt. 1831 ausgegeben werden konnte4). Mit dem Beginne des Jahres 1832 aber war er vollständig subsistenzlos. Da nämlich die Spener'sche Zeitung von diesem Zeitpunkte an eine Richtung einschlagen sollte, die der politischen Ueberzeugung Z.' widerstrebte, so kündigte er Ende Juni 1831 seine Stelle und schied Ende December aus der ßedac. tion aus. Und nun begannen tür ilin wieder Jahre der grössten Sorge und Bedrängnis. Die jüdische Gemeinde setzte auf sein Ansuchen seinen Beitrag, den er seit Okt. 1827 mit 10 Thlr. jährlich entrichtet hatte, auf die Hälfte herab, ohne sich im Uebrigen um seine Existenzsorgen zu kümmern. Im Mai wurde ihm zwar von G. Eberty und Dr. B-ubo die Direction des Ephraim-Stiftes angetragen, aber es kam aus unbekannten Gründen zu keinem Abschlüsse. So reiste er denn am 23. Juli, zwei Tage, nachdem „Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden" erschienen waren, nach Wolfenbüttel, Cassel, Bielefeld, Hannover und Hamburg5), wahrscheinlich um die Freunde für sich zu interessieren. Anfangs Oktober kehrte er nach Berlin zurück, wo sich ihm die Aussicht auf irgend eine Stelle eröffnet hatte; aber es war wieder nichts, wie wir aus folgender Notiz seines Tagebuches erfahren: „Mitte Oktober x) Man vergleiche hiermit, was B. Auerbach in seiner „Geschichte desBaruch-Auerbach'sehen Waisenhauses für jüdische Knaben etc,- S. 11, A. zu seiner Selbstverherrlichung vorbringt Gegen diese -drei Monate" freilieh sträubte sich Au er bach, und der Vorstand änderte daher den Beschluss des Curatorii dahin ab, dass er A. gegen ein Jahrgehalt von 300 Thlr. die einstweilige Leitung der Genieindeschule auf ein Jahr übertrug. 3) Aus dem Curatorium trat Z. erst den 13. Mai 1830 aus, nachdem Moser seinen Austritt schon am 16. April ej. a. angemeldet hatte. 4) Üebrigens war Z. schon am 27. April mit seiner Arbeit so weit, dass er an Zusammenkünften zu -politischen Redeübungen" teilnemen konnte. An diesen Redeübungen beteiligten sich, wie wir aus seinem Tagebuche erfahren, nebenZ. noch folgende Männer: M. Veit, Matthias, Ag. Benary, Polny, Heydemannl, M. Moser und Lebrecht. 5) In Hamburg verbrachte er den ganzen September mit Studien in der Bibliothek H. J. Michael's, mit dem er als Kind gespielt hatte und dessen Bekanntschaft er jetzt erneuerte.

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