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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1894-01-01 · 12.1894 · page 16

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
12.1894
Date
1894-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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IRI
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— 15 — ... Ich bin bis jetzt nicht unterrichtet, dass Sie auch den Doctor Zunz zum Eintritt in das Curatorium eingeladen haben, und würde, wenn dieses nicht der Fall seyn sollte, schon in der ersten Einleitung der Sache ein Verfahren erblicken, das meine fernere Thei nähme an der Gemeindeschulangelegenheit unbedingt ausschlösse Unter allen zu ernennenden Mitgliedern des Curatoriums bietet sich Dr. Zunz als die erste Person dar. In ihm vereinigt sich die tiefe Einsicht, der feste, thatkräftige Wille, die gemeinnützige Gesinnung mit der besondern Sachkenntniss xmd Erfahrung, welche er in seiner bisherigen Stellung zu der Gemeindeschule erworben hat. Ich will hier seine Leistungen für letztere nicht hervorheben, noch weniger ihn gegen etwaige verunglimpfende Urtheile rechtfertigen, die ich als völlig werthlos betrachten muss. Ich kann hier nur meiner innigsten Ueberzougung gemäss erklären, dnss ich beschämt seyn würde, mir irgend eine Competenz zu der fraglichen Stelle beizumessen, wenn sie dem Dr. Zunz abgesprochen würde. Noch kann ich nicht bestimmen, ob wenn er veranlasst seyn sollte dieselbe abzulehnen, ich und alle meine Collegen, die Ew. Wohlgeboren ernennen möchten, im Stande seyn werden den schwierigen Auftrag zu vollführen Wenn aber auch nicht einmal versucht würde seine Mitwirkung dafür zu gewinnen, so müsste ich in dieser Verletzung auch mich betroffen finden, denn ich allein habe den Dr. Zunz bewogen, in die Organisirungs-Commission als Mitglied einzutreten und in dieser Eigenschaft eine interimistische Direction zu übernehmen; ich allein habe ihn vermocht, in einer Stellung auszuharren, die so reich an Widerwärtigkeiten aller Art gewesen ist; er und ich trugen die ganze Last der Vertretung einer Sache, die man schon bei ihrem Beginn einer schmachvollen Existenz preisgab. Es ist mir zu peinlich, Ew. Wohlgeboren den ganzen Gang derselben hier in das Gedächtniss zurückzurufen, aber indem ich alle Verdienste in Hinsicht dessen, was bei so schwachen Mitteln geleistet wurde, gebührend dem Dr. Zunz zuschreibe, lade ich gern allen Tadel auf mich, den ein wohlbegründet Urtheil von der andern Seite darin finden möchte. Genehmigen Ew. Wohlgeboren den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung und Ergebenheit. B., 2(5. Sept 1829 M. Moser Dass gegen die Wahl Z'., wie Moser geahnt hatte, thatsäcHich agitirt worden war, beweist die Notiz des Vorstehers Riess auf dem Konzepte der Aufforderung an Z.1), worin er erklärt, die Aufforderung an Z. nicht unterschreiben zu können, weil er sich gegenüber Leo, einem der Vorsteher der Thalmud-Thora verpflichtet habe, Z. nicht zu wählen. Dennoch wurde Z. diesmal noch zum Curator gewählt, nachdem er kurz vorher, am 24. September, unter gleichzeitiger Verständigung von den Plänen in Betreff der Vereinigung der Lehranstalten zur provisorischen Fortführung der Direction der Gemeindeschule aufgefordert worden war, worauf er freilich am 1. Oktober nur unter der Bedingung eingehen zu wTollen erklärt hatte, dass das Provisorium in der „kürzesten Frist" einem Definitivum weichen würde. Aber gerade gegen die Uebertragung der Direction der neuen Gemeindeschule an Z. kehrte sich alsbald die Opposition jener Curatoren, welche von der ehemaligen Thalmud- Thora-Anstalt in das Curatorium delegiert worden waren. Sie widersetzten sich den Beschlüssen des Curatorii und fanden an dem scheinbar harmlosen, in Wahrheit überaus schlauen Baruch Auerbach, bisherigem Lehrer an beiden Anstalten, ein willfähriges Werkzeug, um die Verschmelzimg beider Anstalten vorläufig zu verhindern2). In einer hierauf am 18. Okt. gepflogenen Verhandlung des Vorstandes, zu welcher auch Herr Salomon, Vorsteher der Thalmud-Thora zugezogen worden war, erklärte zwar der letztere seinen Widerstand aufzugeben, aber den Preis dafür bezahlte der schwächliche, um die friedliche Durchführung der Schulreform allzu besorgte Vorstand. Denn in dem Protokolle jener Verhandlung3) lautet der dritte Beschluss also.* „dass Seitens des Curatorii Jemaudem vorläufig bis zur definitiven Anstellung eines Schuldirectors die Aufsicht über die Handhabung der Disciplin in der Schule übertragen werde, da Herr Dr. Zunz verhindert ist, einen grossen Theil des Tages die nöthige Aufsicht zu führen". ') Vgl. Acta, der jüd. Gemeinde a. a. 0. 2) Z. hat hierüber in seinem Tagebuch folgende Notiz: „B. Auerbach enthüllt sich. — Ich lege meine Schuldirection nieder; kostet mir jährlich über 360 Thlr." 3) Vgl. Acta, der jüd. Gemeinde a. a. 0.

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