Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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— 14 — schulen zu äussern hatten, verneinten zwar die Bedürfnisfrage, klagten aber über die geringe Teilnahme der Verwaltung für die Gemeindeschule, die keinen einzigen festangestellten Lehrer habe, und die nach zweijährigem Bestände noch nicht zur Veivollständigung ihrer Klassen gelangen könne, ja, die nur halb errichtete zweite Klasse alsbald würde auflösen müssen. Dazu kam noch, dass der Vorstand selber seine Schule dadurch schädigte, dass er auch die Lehranstalt des Thalmud-Thora-Vereins, die wegen ihrer orthodoxen Richtung ohnehin mehr besucht wurde, subventionierte. Kein Wunder, dass „Wolters, Mor. Levy und J. W. Meyer", wie Z. in seinem Tagebuche zum 20. April 1829 anmerkt, „ein schreckliches Bild" von der Gemeindeschule entwarfen. Auch Moser und Z., die sich schon längst und wiederholt und dennoch vergebens um Beseitigung der Uebelstände beim Vorstände bemüht hatten, richteten , am 5. Mai ein Schreiben an die Aeltesten, worin sie den unhaltbaren Zustand der Gemeindeschule schilderten, und das sie also schlössen! „Pflicht und Gewissen und die Ehre unseres Namens erlauben uns nicht länger, eine Sache zu vertreten, für die alle unsere Bemühungen fruchtlos geblieben sind, und Ew. Wohlgeboren wollen daher hiermit, ohne unsern guten Willen zu verkennen, die unwiderrufliche Erklärung empfangen, dass wir Unterzeichneten, sofern nicht die definitive Organisation der hiesigen jüdischen Gemeindeschule sofort auf die bestimmteste und entschiedenste Weise angeordnet wird, uns spätestens Ende künftigen Monats als unseres Amtes entbunden betrachten werden." Die Aeltesten gaben nun zwar das Versprechen, die Regelung Tier Schulverhältnisse in der allernächsten Zeit in Angriff zu nehmen, und sie bewogen dadurch Moser und Z. in ihren Stellungen zu verharren. Aber trotz wiederholten Drängens kam es doch erst am 13. Aug. 1829 zu einer gemeinschaftlichen Verhandlung des Vorstandes und der Kommission, in welcher Moser und Z. ausführten, dass eine Verbesserung des Gemeinde-Schulwesens nur dadurch herbeigeführt werden könne, dass erstlich entweder die Thalmud-Thora-Lehranstalt mit der Gemeindeschule vereinigt, oder nur eine von diesen beiden Anstalten von der Gemeinde erhalten werde; sodann dass das Provisorium aufhöre und ein tüchtiger Director angestellt werde1). Da nun auch von Seiten des Provinzial-Schulcollegii in einem Schreiben vom 29. Aug. 1829 den Aeltesten aufgegeben wurde, beide Lehranstalten, von denen bisher keine den gesetzlichen Vorschriften gerecht werden konnte, zu vereinigen imcl dem höheren Zwecke gemäss zu organisieren, so wurde die Vereinigung in Angriff genommen. Die bisherige Kommission zur Organisierung der jüd. Gemeindeschulen wurde aufgelöst und die Einsetzung eines Curatoriums für die neue „Gemeindeschule Thalmud-Thora" (auf diesen Titel für die zu gründende Anstalt hatten sich nämlich die Aeltesten mit den Vorstehern der Thalmud-Thora geeinigt) beschlossen, zu welchem die zeitigen drei Vorsteher der Thalmud-Thora, drei vom Gemeindevorstande zu erwählende Mitglieder und ein von diesen sechs Curatoren gemeinschaftlich noch zu erwählendes Mitglied gehören sollten-'). Von Seiten des Vorstandes wurden M. Moser, J. W. Meyer, Dr. Schönberg und Dr. Zunz zum Eintritte in das Curatorium aufgefordert8). J. W. Meyer leimte ab, und M. Friedländer trat für ihn ein. Auch Moser sagte nur bedingungsweise zu, und es mag hier aus seiner Antwort jenes Stück angeführt werden, welches ein abschliesendes Urteil über die Leistimgen Z.' an der bisherigen Gemeindeschule enthält. Nachdem er seinen Eintritt in das Curatorium an fünf Bedingungen geknüpft, fährt er also fort*.!) Zunz, der vormittags in der Redaktion der Spenerschcn Zeitung beschäftigt war, konnte der provisorischen Directum der Schule bisher nur den Nachmittag widmen, wo er freilich, da er 16 St. wöchentlich zu unterrichten hatte, mehr Lehrer als Leiter war-, er war* aber nicht abgeneigt, seine Stellung bei Spener gegen eine feste Anstellung bei der Gemeinde einzutauschen. -) Ueber die sonstigen Bestimmungen der Vereinigung siehe Acta der jüdischen Gemeinde, die Gemeindeschule betreffend 1829 Vol. 2, Litt. J. No. 181. 3) Wieso der Vorstand auch das vierte Mitglied in das Curatorium entsenden konnte, ist mir aus den Akten nicht klar geworden.