Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Die Verwaltung der Gemeinde scheint indessen mit der Anstellung Z\ gezögert zu haben, was aus der Thatsache hervorgeht, dass er an eine Anstellung bei der Tempelgemeinde in Hamburg dachte. Z. erkrankte nämlich Anfangs August und reiste gegen Ende des Monats zu seiner Erholung nach Hamburg. Hier angelangt erhielt er vom Präses der Direktion der Tempelgemeinde die Einladung zu einer Predigt im Tempel, die er offenbar5) in der Hoffnung, vielleicht in Hamburg zu einer Anstellung zu gelangen, also beantwortete: 0 bschon der Endzweck meiner Reise die Enthaltung von allen geistigen Arbeiten verlangt, so würde ich bei der fast gänzlichen Wiederherstellung meiner Gesundheit doch eine Sünde zu begehen glauben, wenn ich der ehrenvollen Aufforderung der hochlöbl. Directum, zumal in einer Sache, wozu mein Herz mich ziehet, und der mein Leben gewidmet ist, auszuweichen suchte. Ich werde also für den nächsten Sabbat, als den 8. huj., die Predigt in dem neuen Israelitischen Tempel hierselbst übernehmen. Ich ersuche Sie, mein Herr, der Direction meine ungeheuchelte Hochachtung zu versiehern, und die Versicherung der Achtung zu genehmigen, womit sich Ihnen zu empfehlen wüuscht Ew. Wohlgeboren ergebenster Z. Hamburg, 2. Sept. 1821. An G. G. Cohen, Präses der Direction. Die Predigt (No. 33 des weiter unten folgenden Verzeichnisses), die er nun hielt2), und die auch Mannheimer gehört zu haben scheint3), hatte zwar nicht den gewünschten Erfolg, wolü aber mag sie es mit bewirkt haben, dass seine Stellung an der Berliner Gemeinde-Synagoge endlich zu einer festen wurde. Er verlobte sich Dienstag, den 16. Oct. d. J-, was er bei seiner Vorsicht in Existenzfragen ohne ein gesichertes Einkommen wohl nicht gethan haben würde4). Freilich erwuchs ihm aus dieser Stellung im Ganzen nur wenig Freude. Mit der Verwaltung der deutschen Synagoge war eine Kommission betraut, in welcher zwei Freunde Z.' sassen, die einander in der wichtigsten Frage, von deren Lösung die Wirksamkeit der neuen Anstalt abhing — in der Statuten-Frage — auf's heftigste bekämpften5). Jacobson und den beiden Predigern, J. L. Auerbach und Z., fiel nach dem Beschluss der Kommission die Aufgabe zu,die Statuten bis zum 10. März fertig zu stellen0), aber der Statutenentwurf, den Z. allein ausarbeitete, war noch am 6. Dec. 1822 keiner Beratung unterzogen worden, und Z. wandte sich später lange Zeit vergebens bald an Auerbach, bald an Jacobson, damit sie ihm den Entwurf zum Zwecke der Anfertigung einer Abschrift zustellen möchten. Ausserdem wirkte J. A. Muhr's Einfluss hemmend auf die harmonische Ausgestaltung des Gottesdienstes (Vgl. den Brief Mannheimers bei L. Geiger a. a. O.) und dieser sowohl wie J. L. Auerbach standen damals auch persönlich in keinem freundlichen Verhältnisse zu Z. und ') Noch ein Jahr später, am 28. September 1822, schreibt er in seinem Tagebuche: „Ankunft in Hamburg: Getäuschte Erwartungen", was auf seinen Wunsch, daselbst angestellt zu werden, schliessen lässt. 2) Zum 8. Sept. befindet sich im Tagebuche die Notiz: „Predigt im Tempel zu Hamburg No. 33) [11 Elul]. 3) Mannheimer war damals Prediger in Hamburg. Auf diesen Aufenthalt Z.' in Hamburg beziehen sich die Worte in dem Briefe M.'s (bei L. Geiger, a. a. 0. S. 234 : „Doch Sie werden es ja selbst bei Ihrem Hiersein empfunden haben .. . 4) In einem Briefe weiter unten an Johlson in Frankfurt a. M. vom lä. Oct. 1833 spricht Z. von dem Jahresgehalt, den er von der Tempelkommission bezog, und den er — auf Gulden umgerechnet — mit Fl. 1260 angiebt. Da er nun sein Amt an der Gemeinde-Synagoge den 13. Sept. 1S22 niederlegte, so muss er wohl im September 1821 fest angestellt gewesen sein. Uebrigens ergiebt sich auch aus dem Tenor des oben erwähnten Mannheimer'sehen Briefes, dass Z. um diese Zeit bereits fest angestellt war. 5) Zum 13. Januar 1822 notirt Z. in seinem Tagebuche: „Sitzung der Tempelcommission bei Muhr. Ich beantrage die Entwerfuug von Statuten. Heftige Scene zwischen Jacobson und Gumpertz, welch letzterer dawider ist......" G) Nach einer amtlichen Zuschrift Muhr's „an Herrn Präsidenten Jacobson, Herrn Dr. Auerbach, Herrn Dr. Zunz, Hoehwohlgeboren und Woblgebören" de dato Berlin, 8. Februar 1822. 2