Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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_ 8 - Synagoge gepredigt hatte, so erfolgte doch noch immer nicht seine Anstellung. Er hätte sich wohl noch länger darüber hinweggesetzt und seine Kraft in der gewohnten uneigennützigen Weise dem G-emeinwohl zur Verfügung gestellt. Seit geraumer Zeit wurde er bei allen wichtigeren, auf den Fortschritt der Kultur gerichteten Bestrebungen in Berlin und in der Provinz von seinen Glaubensgenossen aufgesucht und mit allen geistigen Arbeiten betraut1), ohne dass sich irgend einer mit warmem Interesse die Frage vorlegte, wovon Z. denn eigentlich lebe. Hätte er sich, nicht von Jugend auf an die grösste Sparsamkeit gewöhnt, er hätte bei seinem verhältnismässigen Luxus inbezug auf die Anschaffung von Büchern2) mit dem kärglichen Ertrag des Privatunterrichtes sein Leben kaum fristen können. Das durfte jetzt aber so nicht .mehr fortgehen. Er hatte Fräulein Adelheid Beermann3) Sonntag, den 20. Mai (18p einen schriftlichen Heiratsantrag gemacht und sich mit ihr Montag, den 21. Mai versprochen 4), er musste nun darauf bedacht sein, sich wennmöglich noch vor seiner Verlobung ein, wenn auch bescheidenes so doch festes Einkommen zu sichern. Aus solchen Bedenken heraus ist wohl der Brief an S. R. Gi-umpertz geschrieben, dessen Entwurf also lautet: Herrn Gumpertz 25. Juni 1821. in Berlin. Ihr Wohlwollen gegen mich hat es voriges Jahr zu machen gewusst, dass ich ohne schriftlich darum einzukommen, nicht nur die Erlaubnis zu predigen erhielt, sondern auch befugt ward, fernerhin nach jedesmaliger Notifizierung an die Herren Muhr und Dr. Auerbach darin fortzufahren. Ich war fast von derselben Zeit an (1820, Aug.) mit meiner Promotion5) und Naturalisation beschäftigt — und als Fremder lebend, an jeder Unternehmung, mich zu ernähren verhindert, habe ich grösstenteils von meinem Gelde gezehrt Gegenwärtig aber kann — falls sie zufrieden sind — weder die löbliche Commission der der deutschen Synagoge noch unsere Gemeinde ferner mit meiner Anstellung zögern, und ich muss um so mehr hierüber etwas entscheidendes wünschen, da ich eine bestimmte Laufbahn zu ergreifen entschlossen bin. Ehe ich mich aber wegen der definitiven Antwort an die Commission wende, richte ich meine Bitte an Sie, sehr verehrter Herr! dass Sie nicht minder gütig wie damals gegen mich gesinnt seyn mögen, so dass ich die Angelegenheit Ihrem Wohlwollen und Ihrem Scharfsinne übergebe, um der weitläufigen Correspondenz mit der Commission überhoben zu werden. Bei dieser Gelegenheit mache ich mir zugleich das Vergnügen Ihnen anzuzeigen, dass der Artikel aus Königsberg in die Breslauer Zeit, aufgenommen ist und grosse Sensation dort erregt hat: — dass ferner auf unser (der Breslauer Deputation) Gesuch um Audienz der Fürst Staatsc. [Hardenberg] also geantwortet hat: „Euer Wohlgeboren etc." Meiner halben Verhältnisse müde, und überzeugt von Ihrer gütigen Theilnahme an meinem Schicksale, schliesse ich mit dem Wunsche einer baldigen Mittheilung und der Versicherung meiner unwandelbaren Hochachtung. Der Sie stets verehrende L. Z. -1) Am 22. April 1821 wurde er von Dr. C. S. Günsburg und B. M. Schnitzler „Namens aller Theilnehmer an dem deutschen Gottesdienst* in Breslau bevollmächtigt, in Gemeinschaft mit den Herren L. Lazarus und H. L. Berends beim Minister v. Schuckmann die Aufhebung des Verbotes des deutschen Gottesdienstes zu erwirken. Zunz wandte sich zweimal an den Minister, erhielt aber den Bescheid, dass von der Bestimmung der Königlichen Kabinetsordre vom 19. Mai 1817, wonach „es bei der der israelitischen Gemeine zu Breslau bereits im Jahre 1790 bewilligten Erlaubniss, eine allgemeine Synagoge zu erbauen, lediglich sein Bewenden behalten müsse, und dass diese Erlaubniss auf mehrere in Breslau zu errichtende Synagogen nicht auszudehnen sei", nicht abgewichen werden dürfe. VgL auch den obenstehenden Brief. 2) Im Februar 1820 notirt er in sein Tagebuch: „Ich fange an, eine Bibliothek anzuschaffen." 8) üeber die edle Lebensgefährtin Z.' vgldie kleine Schrift: F. Leb rechts „Adelheid Zunz, ein Angedenken für Freunde", ferner Kayserling „Die jüdischen Frauen", 1878, S. 230. 4) üeber dieses Ereigniss schrieb Z. am 2. Februar 1875, also nach dem Tode seiner Gattin, folgende Notiz in sein Tagebuch: :Dipen h» "|tnnSl jna '"psh i'rhD V-Ttt' "S^ mtf] "\vhü jh» *3JK fi) Er wurde Dienstag, den 2. Januar 1821 promovirt auf Grund einer Dissertation „De Sobemtob- Palkira«.