Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 12.1894
- Date
- 1894-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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— 10 — suchten ikn in seinem Ehrgefühle zu kränken'). Hauptsächlich aber war es der wenig erfreuliche Zustand der Synagoge selbst, der ihn entmutigte. Mannheimer nannte die „berliner Anstalt" ein „Unding" und Z. selbst sagt von ihr (Predigten, Von*. S. VJJL), dass „sie zum Theil durch die Schuld der Tonangeber Stückwerk blieb mit haltlosen Füssen." Die Synagoge erfüllte nicht den Zweck, zu dem sie in's Leben gerufen war, sie befestigte nicht die Gottesfurcht, sie läuterte nicht die Frömmigkeit, und da Z. nicht der Mann war, um des materiellen Vorteils willen (Predigten, S. IX) ein Amt zu behalten, in welchem er nicht wirken konnte, so war der Bruch unvermeidlich2). Sonnabend, den 17. Aug. fabx "m* 'S) predigte er über das Thema: Des Gotteshauses Verfall und geisselte darin nicht blos die Schlaffheit der Mitglieder, welche ihren Freisinn in der Abkehr von allem Religiösen zum Ausdruck brachten, sondern auch gegen die Verwaltung, welche durch ihre verkehrten Massnahmen den Verfall des Tempels herbeigeführt hatten. Von dieser Predigt, der Güsten in dem weiter folgenden Verzeichnisse, ist das einleitende Gebet und die Ankündigung des Themas auf einem im Tagebuche eingelegten Zettel noch erhalten. Hier der Wortlaut: Wer darf, o Herr! in Deinem Zelte wohnen? Wer in der Andachtstätte ruhen? Der redlich wandelt, das Rechte thut, von Herzen Wahrheit redet, nicht geheime Tücke übet; der Verächtliche Nichts achtet, die Gottesfurchtigen ehrt; zu seinem Schaden schwört und hält, und Unschuld unbestechlich schützt. Wer dieses thut, wird in Deinem Segen ruhen für und für, Amen! „Sehet, ich leg' Euch heut vor den Segen und den Fluch; den Segen, dafern Ihr hören werdet auf die Gebote des Ewigen, Eures Gottes, so ich Euch heute gebieten werde, — und den Fluch, dafern Ihr nicht höret auf des Ewigen Gebot, sondern vom befohlenen Wege abweichet, fremden Göttern, die Ihr nicht kennen gelernt, naclizuwandeln". Mit diesen, heut vernommenen Worten Mosehe's (5. Mos. 26—28) rede ich Dich, o meine geliebte Gemeinde, jetzt an. Den Segen oder den Fluch kann mein Mund verkünden, so Ihr höret oder so Ihr verstockt seiet. 0, dass Ihr den Segen wähltet, — dass meine Worte Euch zum Segen führten! Ich wollte ihn mit reichlicher Hand und strömenden Auges über Euch ausgiessen, bis sein Balsam den Schmerz dieser Verkündigung geheilt. Denn ach, das Wort, das ich Euch jetzt zurufe, heisst: Verfall dieses Tempels! Aber auch diese Predigt verhallte erfolglos und trug ihm vielleicht nur noch jene „Ba-änkungen" ein, über die er sich in der Vorrede zu seiner Predigtsammlung (S. IX) bitter beklagt. So legte er denn, nachdem er zuvor noch einmal am 31. August gepredigt hatte, Freitag, den 13. September 1822 sein Amt an der deutschen Synagoge nieder, in welcher er nicht lange vorher, am 9. Mai ("lElp 'J1?) mit seiner Adelheid, vielleicht in der Hoffnung auf lange und gedeihliche Wirksamkeit in diesem Amte, getraut worden war. Von den Predigten, die Z. an dieser Synagoge gehalten, hat er selbst schon im April des folgenden Jahres bei Schlesinger eine Sammlung von 16 Predigten erscheinen lassen3), die 1846 zum zweiten Male ausgegeben wurde. Er hat aber von allen seinen Predigten4) ein genaues Verzeichnis angefertigt5), das hier genau so, wie er es rubrizierte, vorgelegt werden mag: J) Zum 9. Juli findet sich im Tagebuche Z.' folgender Vermerk: „Ich protestiere schriftlich dagegen, dass man ohne mein Vorwissen Dr. Kley zum Predigen für den nächsten Sonnabend auffordert (orU"S 'S)"- 2) Vgl. weiter nnten S.27 den Brief des Dr. Rintel au Ii. Dondorf in Fraukfur a. M. vom G. Nov. 1833. 3) Als Honorar erhielt er für jede Predigt 99 gGr. *) Seine Kasualreden, von denen ein Teil in den „Gesamnielteu Schriften" II, S. 83 ff. veröffentlicht wurde, hat er in dies Verzeichnis nicht aufgenommen. 5) Auf einem in sein Tagebuch eingelegten Blatte.