Mannheim
Compact Memory

Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1893-01-01 · 11.1893 · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
11.1893
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2273546-2273567--0360-2274126
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Anderseits weisen die Schreiben, welche Meschullam an die Karäer sandte "J), auf einem Ort, im .Süden hin, in welchem er lehrend wirkte. Ks liegt ferne, anzunehmen, er habe diese Polemik mit den Anhängern Amins in seiner .lugend von Italien aus geführt, ehe er mit seinem Vater nach Deutschland kam. Unter diesen Betrachtungen wird mau die Möglichkeit ins Auge zu fassen bähen, dass Ii. Meschullam im südlichen Frankreich wohnte. Allein auch dieser Annahme scheinen Hedenken entgegenzustehen. Wir wiesen bereits darauf hin, dass Nachkommen Mcschnllauis in Spcier lebten. Die Ausführung einei Sage macht es wahrscheinlich, dass sein Sohn in Mainz weilte'7) und daselbst will man auch einen Grabstein Meschullams gefunden haben, von dem es freilich nicht bekannt ist, ob er diesem oder einem späteren Meschul. b. Kaloinmus angehöre"1). Fast könnte man, wenn man nicht den Vorwurf einer durch nichts zu erweisenden Conjectur scheuen würde, auf die Vermuthung kommen, als haben die ersten Kalonymiaden, die auf den Huf des Kaisers nach Deutschland kamen, an keinem Orte einen lange wahrenden, bleibenden Wohnsitz genommen. Sie hoben und erweiterten die religiöse Bildung der Juden und weilten in Mainz, wo sie sich heimisch fühlten. Später mochte Meschullam nachdem Süden Lothringens oder nach Frankreich gezogen sein; auf welche Gegenden die au ihn gerichteten Aldingen hinweisen, und so mag er schliesslich, durch einen Zug von Umständen, die uns unbekannt sind, veranlasst, vielleicht erst nach dem Tode R. Gersoms zurück nach Mainz gekommen sein, wo auch später sein Sohn weilte. Vermögen wir diese Annahme auch nur als eine Möglichkeit hinzustellen, so ist es doch eine nicht unbeachtet zu lassende Erscheinung, dass das erste Erwachen einer ethischen, im Geiste des Midrasch gehaltenen Erklärung zu biblischen Büchern, die agadische Deutung Mose hadarscha u's aus Xarbonne, in ein«' Zeit fällt, die auf die Epoche Meschullams folgt. Von Meschullam selbst, aber bewahrt uns Natan Romi, der auch Auseinandersetzungen R. Moses, seines Lehrers, mittheili, einen Theil der Erklärungen zum Misclmatraktate Ahot, welche in Sprache und Ausdrucksweise viel Aehnlichke'n mit dem jüngeren Midrasch haben, und deren 'Redewendungen sich nicht selten in der Pesikta des K. Tobia linden ,!'). Auch im M. hadarsehan's Ausführungen lassen sich der Form nach manche Anklänge au «Uesen Styl nachweisen *'"). Doch findet man in den Commentarien des Letzteren schon viel Zahlenspielerei. Meschullam ist einfacher, gediegener und klarer. Was Meschullam veranlasst hat. gerade Abot, welches die rabbiuische Sittenlehre enthält, zu coinmeiitiereii. wissen wimicht. Ob derCommentar aus mündlich gehaltenen populären Vorträgen hervorgegangen ist, .oder ob Meschullam es unternahm, zu einem noch wenig beachteten Theile der Mischna eine Erklärung niederzuschreiben, immer bleibt er der erste, von dem mau mit Sicherheit sagen kann, dass er Abot, dies Spruehbuch aus den Tagen der alten Mishhnalchrer, eoninicntierte. AVenn die deutschen Lehrer der kommenden .Jahrhunderte Siti'cnbücher schrieben, so können wir Meschullam ihren Vorgänger nennen. Aus diesen Erklärungen spricht schlichte Gottesfurcht und reine Moral zu uns. Wir weisen auf den ersten Satz hin, der das Halten der Sklaven widerrüth, und bestimmt, dass die Ilausleute alle Dienste des Hauses ausführen müssen. Die Deutungen der Schriftverse, welche in der Erörterung vorkommen, geben Beweis für die einfach midraschische, an den Buchstaben haftende Art der Bibelerklärung der damaligen Zeit "). Sie findet sich -ausserdem auch in Meschullams polemischen Briefen"). Bei dem in die älteren geonäischen Zeiten zurückreiahenden Brauche, die Abschnitte des Buches Abot beim Saabath-MiHeimgehet zu lesen, welcher Brauch in Deutschland später für alle -Sabbathe des Jahres üblich wurde, liegt es nicht fern, zu vermuthen, dass man hier und dort diese Sprüche auch erklärt haben wird.' So mögen die diesbezüglichen Ausführungen unseres Lehrers auch nicht ohne Bedeutung für den Wert der gottesdienstliehen Belehrung geblieben sein.") Auf den Gottesdienst selbst, wie er sich in Lothringen gestaltete, war Meschullam, der das Werk seines Vaters weiterführte, durch seine liturgischen Poesien von Einlluss. Ks bürgerte sich die Methode des Südens, die kalirsehe Art, poetische Stücke auch mitten in das Achtzehngebel einzuschalten, auch im Norden ein. Die Dichtungen Meschullams stellen, so kühn und gewaltig Kalir auch in seinen Konzeptionen und in seinem Schwünge erscheint, doch in Bezug auf ihre Verwendbarkeit für den öffentlichen Gottesdienst einen Fortschritt dar. Kalirs Dichtungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.