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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1893-01-01 · 11.1893 · page 3

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
11.1893
Date
1893-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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IRI
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Hau der Torakenntnis, der sieh dort in den fnl^rmlrii Zeitt-n stolz erhebt. Die Eingeborenen nehmen den Geist und dm frischen Zug, den die Fremden in das Land gebracht, gern auf und wetteifern mit den Lehrern, welche hier eine neue Heimat fanden. Wie in Spanien und Afrika steht auch hier bald neben den Eingewanderten ein Sohn der Heimat. R. Gersom in Mainz überragt die Fremden au Vielseitigkeit seiner Studien. Aus seiner Hand stammen Kesponsen, Commeiitarien, Deeisionen und bibl. Tcxtglossen. Als frommer Dichter nimmt neben Kalonymns und Mesrhullam Simon b. Isac, ebenfalls in dieser alter Gemeinde, einen hohen Rang ein. Die Zeit, in welcher Meschullam lebte, ist ziemlich sichergestellt. Kr erlässt zwei Antwortschreiben in einer Angelegenheit, und der zweite dieser Briefe ist an Simon b. Isae adressirt und erwähnt die Drangsale der Gemeinden. Gersom aus Mainz kennt Meschullams Dichtungen und bezeichnet sie als Poesien eines Mannes, der sieh durch bedeutende Kenntnisse auszeichnet.") Es ist demnach R. Meschullam ein Zeitgenosse dieses lothringischen Lehrers und lebte in den ersten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts. Schwieriger ist es, mit Bestimmheit den Ort zu nennen, an welchem Meschullam wirkte. Man kann kaum annehmen, dass er als Lehrer in Italien gelebt habe.7) Die vielen Nachrichten über die Absiedlung der Kalonymiaden in Lothringen, der Umstand, dass auch ihre Nachkommen sich daselbst befinden und den Schutz eines deutschen Kaisers gemessen,*) dass eine Familie Kolonymus in Narbonne gekannt ist und zu Ehren kommt9) sowie die CoiTcspondenz Meschullams nach Arls scheinen auszuschliessen. dass die~e Familie ständig in Italien gelebt habe.10) Vielmehr weist der sachliche Inhalt fast aller der an diesen Lehrer gestellten Anfragen, die das Mein und Dein und die Bestimmungen über die Ehe betreffen, Verhältnisse auf, in denen wir den Zug des Handelns und Waudelns deutsch-französischer Gemeinden erkennen. Keine irgend welche Nachricht sagt aus. dass derartige Verhältnisse sich in Italien eingelebt hätten.") Die Machtvollkommenheit der Gemeinden, welche uns in Meschullams Kesponsen entgegentritt, die Fehling, welche in den Bestimmungen der Ehepakten, in der1 Gepflogenheit bei Darlchnsgesehäften zum Ausdruck kommt, weisen sehr viel Aehnlichkeit mit der Bedeutung und mit der Macht der Gemeinden auf, welche die Anordnungen feststellten, die R. Gersom zum Heile der Juden zusammenfasste und erweiterte. Bei diesem Lehrer begegnet man ebenfalls dem von Meschullam gekannten Marufarechte, nach welchem der einzelne Mann, der durch das Vertrauen eines vornehmen Nichtjuden berufen wird, dessen Geschäfte zu besorgen, in dieser Geschäftsbesorgung gegen jede Concurrenz zu schützen und zu sichern ist11). Ein Umstund macht es besonders wahrscheinlich, dass R. Meschullam, wenn auch fern von Mainz, doch in einer lothringischen oder franzosischen Stadt gewohnt habe. Einige der Aufragen, welche Meschullam beantwortet, wurden auch R. Gersom vorgelegt. Es war den Fragestellern der eine wie der-andere der Lehrer bekannt, und man legte den beiden Meistern die gleichen Fälle vor'-). Kein Grund spricht dafür, dass Meschullam nk Meister der Gesetzeskunde in Italien gelebt habe. In jenem Jahrhunderte standen die Juden Italiens mit den Stammesgenossen in nördlichen Ländern in keiner wissenschaftlichen Verbindung. Um die Mitte des 11. Jahrhunderts mögen einzelne Lernbegierige, wie Xatan aus Rom, nach Narbonne gekommen sein, allein von einer brieflichen Verbindung der Lander ist bis auf das 12. Jahrhundert nichts bekannt. Ja, der Brief, uvlcher im 12. Jahrhundert von Rom nach Paris ergeht, spricht die gänzliche Unkenutniss der römischen Gelehrten mit den Sehulverhältnissen Lothringens und Frankreichs ebenso, wie mit den Lebensgewohnheiten der dortigen Gemeinden aus13). Die Schiller Meschullams, welche in franz.-Iothringischen Coiupendien genannt werden, sind wahrscheinlich Hörer dieses bedeutenden Meisters. In späteren italienischen Nachrichten kommen solche nicht vor14). Haben wir also gar keinen Beweis dafür, dass R. Meschullam in seinem späteren Lebensilter in Italien gewirkt habe, so können wir «loch nicht glauben, dass er fortwährend in Mainz geblieben sei. Wohl scheint er sich als ein Mitglied der Gemeinde Mainz zu fahlen, allein wir haben, abgesehen von dem Briefe, den Meschullam an R. Simon b. Isae in Mainz schreibt, keine Nachricht darüber, dass er neben R. Gersom als grosser Meister in dieser Stadt wirkt*. Vielmehr spricht R. Gersom von Meschullam als von einem mitlebenden aber nicht mit ihm in einer Stadt weilenden Manne. Er schreibt: Wir kannten auch R. Meschullam. Er war ein sehr weiser Lehrer, und schrieb «las grosse Gedicht für den Antritt des Hauptgebetes am Versöhnungstage. u)

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