Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Journal
- Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
- Volume
- 11.1893
- Date
- 1893-01-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Die Responsen des R. Mesclmllam Sohn des R. Kalonymus. Um di«» Wende des ,10. Jahrhunderts sehen wir in den lothringischen Landern sich zuerst die K«'im<* «'hht literarischen Thätigk«'it auf dem Gebiete der jüdischen I^ligi<mswissenschaft entfalten. Um dieselbe Zeit unifasst die wissenschaftliche Thätigk«'it in Afrika, wo schon ein Jahrhundert früher Sprachforschung und Philosophie geblüht hatten, auch das Gebiet der eigentlichen Ciesetzeskunde. Der an di«* Küste des hcisscn Erdteils geführte R. Chuschiel wird das Haupt der Schule in Kairwan. Sein Sohn Chananel und sein in Afrika eingeborener Schiller Nissim heben nicht nur den Glan/, des Lehrhauses, sondern wetteifern mit Hai. dem letzten babylonischen Gaon. in der Bearbeitung des reichen und ergiebigen literarischen Stoffes. Das gleiche Hihi zeigt das maurische Spanien in ««ich schöneren Farben. Hier .schlügt die judische Wissenschaft, dem Zuge der allgemeinen Kultur folgeud, fest«* Wurzel, und lässt Stänime von vielhundertjähriger Dauer erstehen. Auf der pyrenäisrhen Halbinsel ist es ein Fremder, der wie Chuschiel g«*fang«*ne und von dem Sauber durch «He Gemeinde gelöst«» R. Mos«*, welcher «lern Lchrhnusc von Cordova Bedeutung gi«*bt. — Dessen S«>hu Chainn h setzt «las Werk «h's Vaters fort. Auch hier strebt «'in Sülm des Landes «eben diesem R. Chanoch mächtig i'mpor, und «'s erprobt sich auf#mannigfachen Gebieten im literarischen Schuften R. Joseph ihn Abitur. Nicht s«i glanzvoll, aber fast in denselben Formen erscheinen uns die Anfänge «1er jüdischen wfcsenschuftlirheii Bestrebungen in den lothringischen Städten. Vielfache Nachrichten stellen es fest,1) das.s in F<dge der Veranlassung ein«»s deutschen Kaisers Kalonymus aus Italien nach Westdeutschland kam und daselbst jüdische Gelehrsamkeit verbreitete. Kalonymus ist in diesem Lande als Dh-hter liturgischer Stücke gekannt. Es lieg«'« auch gelehrt«* Antw«»rths«-hn*iben und einige talmudisehe Erkläning«*n v«»n seiner Hand vor.-') R. Gersom in Mainz, im Anfang des 11. Jahrhunderts blühend, nennt ihn als einen ImmvHs Verstorbeiienen.2) Bedeutsamer crw«*isen sich «Ii«* S»-hriften, die von seinem Sohne, R. Meschullam b. Kalonymus, auf uns gckomuieu sind. In Italien scheinen sich in jenen Zeiten «lie Juden vielfach mit «1«*ji Schrifteu »ler jüdischeii T«»iakun«le, mit Halaeha und Hagada* beschäftigt zu haben. Nur einzelne Namen «ler Lehr«'r und «ler Orte, an welchen die Kundigen lebten, weisen auf «Ii«- Spur dieser Cultur hin. Es ist uns keine grossere. Schrift aus «Uesen Landern erhaben, es wird uns kaum eiu h«Tvorrageiid<'s Lehrhaus genannt.4) Wenn Eleasar Kalir. wie es den Anschein hat, in Italien lebte, so bilden sein«' Dichtungen das bezeichnendste Denkmal auch für die reiche Kund«* «ler Halaeha und Hngada, welche die Juden iu Italien sieh erwmlieii halt«*«. Wenn in Italien k«'in«* grossen Schulen erstanden, wenn sich daselbst kaum eine s«*lkstäwli'4ehaIac!iis«-ht*Thätigk«'it entfaltet hat, so fiiulet «lies in dem Umstände seinen Grund, dass die italienischen Juden von «I«*n S«-huIen und den Eutscli«'idimnen «ler Geoiieu abhängig waren und mit diesen in iiuii^er Verbindung standen. Z«ig«*n «loch Söhne Italiens nach «ler babylonischen Akademie, um an der ergi<*bigen Quelle Weisheit zu schöpfen/) Aber im Norden Europas erhalt der G«*ist «ler eingewanderten italienischen Kundigen Kräftigung und neuen Schwung. Von einer Verbindung mit Babylon allzu entfernt, erlassen hier «lie Lehrer an «lie fragenden GemeiiHlen und Partheien Antwortschreiben, und erklären schwierige talmudisehe Stellen. Allerdings war früher die Gesetz«*skund«* in Lothringen nicht unbekannt geblieben, «loch hatten sich auch da die vereinzelten Lehrer noch nicht zu schriftstellerischem Schaffen emporgeschwungen. Erst die Eingewanderten, welche mit den geonäisehen Schriften und mit der geonäischen Methode vertrauter waren, legten einen festen und sichern Gnmd zu dem mächtigen l*