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Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin · 1892-01-01 · 10.1892 · page 16

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Journal
Bericht der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin
Volume
10.1892
Date
1892-01-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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— 17 — absicbtigte1), ist das ZXirpb niemals geworden1). Woher kam dies? Wir haben schon oben angedeutet, dass die katechetisehe Methode des Buches eine völlig neue und ungewohnte war; mau kannte bis dahin im jüdischen Unterrichtswesen nur die Erkundigungsfrage und die entwickelnde Frage, eine Frage aber, wie die hier gebotene, die nur Schein und Tauschung ist, die dem Kinde nur als Sehlagwort dient, um die vorher auswendig gelernt« Antwort anzudeuten, war in jüdischen. Kreisen unerhört, und der pädagogische Widersinn dieser Methode konnte zu ihrer Einführung am allerwenigsten verleiten. DicsokratischeMethode, die Methode der Ablockung, die .sonst als eine überaus geschickte Methode gilt, um das Denken des Schillers anzuregen, ist bei dein Religionsunterrichte ganz und gar nicht angebracht. Denn die sokratisehe Methode setzt bereits in dem »Schüler ein Wissen, als latent voraus, das dieser sich auf dem Wege der Erfahrung erworben hat, und das durch die «lern Hewusstsein geleistete (Jeburts'hülfe geweckt und an den Tag gebracht werden soll. Ein solches Wissen ist aber nur in dem erwachsenen Schüler vorhanden, und auch da nur jenes Wissen, welches logische Denkgesetze und sittliche Urtheile, nicht aber Thatsachr:i und 01aub.Miswahrheiteu zum Inhalte hat. Wo es sieh um ein Wissen letzterer Art bündelt, da wird die Frage des Lehrers nichts nützen"). Nun ist aber die religiöse Erkenntnis.?, auf die es hier ankommt, ein solches Wissen. Die Heilslehre der Offenbarung ist keine sogenannte natürliche Religion von allgemein religiösem und sittlichem Eehrgehnlle. Selbst wenn wir sie nicht in dem Sinne als Offeubarungslehre begreifen, dass sie ohne die Mittheilung (Jottes von Menschen nicht erfunden werden könnte: wenn wir sie auch als das Werk der Propheten ansehen, die der (iottesgeist zu Verkündern seiner Offenbarung in Israel erweckt hat: so i<t sie doch durch die (lesellichte «les Bekennerstammes so eigenartig ausgestaltet worden, dass sie in dieser ihrer Prägung auf «lern Wege der blossen Ablockung in dem Schüler nicht reproduciert werden kann. Hier muss dem Schüler erst gegeben werden, dann erst kann die Analyse «les Gegebenen hinzutreten, um es in das innerste I'ewusstsein desselben einzuführen. Nun ist ja aber die Katechese noch nicht einmal Sokratik:'sie ahmt nur die äussere Form derselben nach und sucht blos die Illusion der Ablockung zu erwecken. Der pädagogische Widersinn einer solchen Metbode springt in die Augen. Auch im Christeiit hu nie war die Katechese ursprünglich nur die Exaniinierung jener erwachseneu Konvertiten aus dem Heiden- und Judenlhunie, welche die Zulassung zu den Sakramenten begehrten, und welche zuvor auf ihre richtige und vollständige Vorbereitung für den Empfang derselben geprüft werden mussten'). Die Erkundiguugsfrageu dieser Prüfung wurden sodann auch der Unterweisung der im Christenthuine geborenen Kinder zu Grunde gelegt, und so wurde die Frage überhaupt zur Grundform des Religionsunterrichts erhoheu. Wenn nun die Katechese in der Folge immer mehr verfiel, so liegt der Grund wohl auch in der geringen Eignung dieser Methode für den Unterricht der ') Vgl. Vorrede f«d. ".^ "2 b'J •..T.T2?"! F.?%.:m "22 r.;2» -,:n ,v.V tftk. '-') Vgl. Carl Antiku a.a.O. Vorrede $ S. (5. Wulf ver.'.ikMitiicht in .seiner Abhandlung -Die Versuche zur Errichtung einer Kahhincrschulc in Oesterreich- 'Zeitschrift f. d. t»e>cliicfite d. .luden in Deutschland, herausgegeben v..u Prof. Dr. L. Geiger. Brauuschwcig 13!».', Bd. V) ein Gutachten des Mitlclraths der Statthaltern zu Piag. .los of Peter v. Iii egger vom 11. Oetoher ll'J'2, worin ^S. ."•*>) bezeigt wird, dass „ein Lehrbuch, das schnu ziemlich alt ist, und das ein hiesiger, ganz geschickter Jude audem Hebräischen übersetzt hat- (es ist das' Buch -Lekach-tobvon Ahr. .lagel gemeint), bei der böhmi-chen Judenschaft wenig gekannt i>t, oder doch nicht gebraucht wird. — Wir.ersehen hieraus, dass unser Buch selbst an dem Orte, wo es übersetzt uud herausgegeben wurde, höchstens von Erwachsenen gelesen, niemals aber zum Schulunterrichte verwendet wurde. Wie in Prag, j-o war es aber auch an anderen Orten. Hiernach ist die Behauptung Güdemaun's a.a.O. S.2'X>, dass unser Buch _\ ielfach gebraucht wurde", wenigstens was den Religionsunterricht betrifft, einzuschränken. :i) Das Kind vollends kann erst recht nicht fragen, weil hierzu schon ein Wissen vom Nichtwissen gehört, was beim Kinde noch nicht vorhaudeu ist. Das Kiud der heil. Schrift (Exod. 12, 13. :t),. das beim Anblick des Opferdienstes, und das andere, das in der Pessach-Haggada angesichts der Zurüstungen zum häuslichen Gottesdienste fragt, ist als ein bereits älteres Kind gedacht, b--i dem überdies jeuer Opferdicnst und diese Zurüstungen den lehrhaften Vortrag wirksam ersetzt haben. In der That Weiss auch die Haggada von einem Kinde, das überhaupt noch nicht zu fragen versteht (rsrS yv v/ssuv.Jruad dem gegenüber sie den richtigen Weg der Unterweisung einsehlägt mit der Vor^hrift: iS WS nrs -l>a »ollst die Belehrung eroffnen.- «) Vgl. C J. Xitzseh, der Dienst am Wort, Bonn 1SG0, S.-.1:19 ff.

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